Wenn Reiche, Mächtige oder Prominente sterben, dann kommt es häufig zu erbitterten Streitigkeiten unter den Erben. Wir haben einige der spektakulärsten Fälle zusammengetragen.

Erbschaftsstreits brechen nicht selten unter den Erben von erfolgreichen Unternehmern aus, deren Gründer jahrzehntelang kraft ihrer Autorität den Kurs bestimmten und dann starben. Sie kommen aber auch in anderen – meist wohlhabenden – Familien vor, insbesondere wenn die Familienbande nicht mehr eng genug ist und sich unter Geschwistern oder sonstigen Erben Misstrauen eingeschlichen hat.

Theo Albrecht (Aldi)

Sie galten als die reichsten Deutschen – dennoch war über sie nur vergleichsweise wenig bekannt. Denn so gut es ging hielten sich die beiden Brüder Karl und Theo Albrecht von den Scheinwerfern der Öffentlichkeit fern. Fotos von den beiden gab es nur sehr wenige. Auf den älteren Bildern, sahen sie aus wie Buchhalter, auf den jüngeren wie stinknormale Rentner – und nicht wie die Gründer eines der größten Einzelhandels-Imperien der Welt: Aldi. Der Konzernname spiegelt die Mentalität der beiden Brüder perfekt wider. Er ist nur ein schlichtes Kürzel für den Begriff „Albrecht Discount.” Das einzige spektakuläre mit ihnen verbundene Ereignis war die Entführung Theos im Jahr 1971. Nachdem die Familie sieben Millionen Mark Lösegeld gezahlt hatte, kam Theo Albrecht nach 17 Tagen frei. Später klagte Theo vor dem Finanzgericht darauf, die Lösegeldsumme als Betriebsausgabe geltend machen zu dürfen – doch vergeblich: Die Richter erklärten die Entführung als Privatsache.

Abgesehen davon blieben die Aldi-Brüder trotz ihres Vermögens, das die Zeitschrift Forbes zu ihren besten Zeiten für Karl auf gut 18 Milliarden Euro und für Theo auf knapp 17 Milliarden Euro schätzte, für die Klatschpresse uninteressant. Ihnen konnte man einfach keine Skandale andichten.

Das änderte sich nach dem Tod der beiden Brüder (Theo starb 2010, Karl 2014). Denn unter den Erben Theo Albrechts, der die Nordhälfte der Aldi-Republik beherrschte, brach ein erbarmungsloser Streit aus, der bis heute andauert. Später klagte Theo vor dem Finanzgericht darauf, die Lösegeldsumme als Betriebsausgabe geltend machen zu dürfen – doch vergeblich Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung kam es zu hasserfüllten Abrechnungen, die zu einer tiefen Abneigung und einer Spaltung der Angehörigen führten. In dem Streit geht es vordergründig nicht um Geld, sondern um Macht: um die Frage nämlich, wie viel Einfluss welche Familienmitglieder auf den Konzern ausüben dürfen, wer also letztlich die Geschicke des Konzerns bestimmen darf.

Im Mittelpunkt des Streits steht die Familie des verstorbenen Gründersohnes Berthold Albrecht. Sie wehrt sich gegen eine Entscheidung des schleswig-holsteinischen Oberverwaltungsgerichts (OVG), die den Einfluss dieses Familienstamms im Unternehmen einschränken würde.

Hintergrund des Streits in die komplizierte Eigentümerstruktur bei Aldi Nord. Das Unternehmen gehört seit dem Tod von Theo Albrecht drei Stiftungen. Alle wichtigen Entscheidungen können von diesen Stiftungen nur einstimmig beschlossen werden. Eine Konstellation, die nach Ansicht von Kennern der Materie zwangsläufigkeit zu Auseinandersetzungen führen musste. Der Streit beschäftigt Anwälte und Gerichte. Eine Lösung scheint noch lange nicht in Sicht zu sein.

Peter Dussmann

Mit einem kleinen Reinigungsdienst für Junggesellen in München hatte Peter Dussmanns unternehmerische Karriere in den 60er Jahren begonnen. Daraus formte der Selfmade-Mann einen Milliardenkonzern mit heute mehr als 60.000 Beschäftigten, dessen Aushängeschild das Kulturkaufhaus Dussmann an der Berliner Friedrichstraße ist, zu dem aber auch diverse Dienstleistungsunternehmen unter anderem aus den Sparten Gebäudetechnik, Gebäudereinigung, Bürodienste, Catering, Seniorenpflege, Kindergarten und Sicherheitsdienste gehören.

Sofort nach Peter Dussmanns Tod im Jahr 2013 begann unter seinen Nachkommen ein schmutziger Erbschaftskrieg. Auf der einen Seite stand Dussmanss Witwe Catherina-Angela von Fürstenberg-Dussmann, die noch zu Lebzeiten ihres Mannes an die Spitze des Stiftungsrates der Dussmann-Gruppe gerückt war. Ihre Gegenspielerin war die eigene Tochter Angela Göthert. Sie sah sich von der Mutter um den größten Teil ihres Erbes betrogen. Unter anderem ging es um ein Schloss in Südfrankreich, dessen Wert auf 50 Millionen Euro geschätzt wurde, um ein Strandhaus in Malibu bei Los Angeles sowie und Gold und Gemälde. Daneben ging es aber auch um die Frage, ob die Mutter tatsächlich ihre Machtposition bei Dussmann behalten würde.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand ein echtes oder angebliches Testament, das im Mai 2010 verfasst worden sein soll, zu einem Zeitpunkt also, als der Firmenpatriarch nach seinem schweren Unfall schon unter amtlicher Betreuung stand und in einer Berliner Klinik lag. Unter anderem ging es um ein Schloss in Südfrankreich, dessen Wert auf 50 Millionen Euro geschätzt wurde, um ein Strandhaus in Malibu bei Los Angeles sowie und Gold und Gemälde Diese Verfügung änderte ein älteres Testament entscheidend ab, das bis dahin galt und seine damals schwangere Frau und die noch ungeborene Tochter je zur Hälfte als Erben einsetzte. Dieses Testament aber, behaupten die Anwälte der Witwe, habe Dussmann 2010 ändern und nun der eigenen Frau drei Viertel des Vermögens, der Tochter aber nur noch ihren Pflichtanteil von 25 Prozent zukommen lassen wollen.

Nach Dussmanns Tod reichte die Witwe einen Erbschein über 75 Prozent des Vermögens ein. Seitdem herrscht erbitterter Streit mit ihrer eigenen Tochter. Diese behauptet, die Mutter habe dem Vater auf dem Sterbebett zu einer Verfügung gedrängt, die er gar nicht wollte und will das Testament für ungültig erklären. Zudem solle die Mutter als Vorsitzende des Stiftungsrates wieder abberufen werden und die Stiftung selbst aufgelöst werden. Das Ende des Streits ist offen.

Axel Springer

Der Verleger hat nach dem Krieg ein Medienimperium aufgebaut. Heute ist der von ihm gegründete Springer-Verlag mit den Flaggschiffen Bild und Welt der größte deutsche Verlag. Das Unternehmen ist an der Börse notiert und bringt es auf eine Marktkapitalisierung von knapp sieben Milliarden Euro. Nach Axel Springers Tod im Jahr 1985 fiel sein Erbe zu großen Teilen seiner Witwe Fride zu. Doch wie viel genau ihr zustand, war unklar.

Dabei war alles perfekt geregelt. Zwei Jahre vor seinem Tod setzte der Verleger ein Testament auf, in dem er die Hälfte seines Vermögens seiner Frau zusprach. Das Unternehmen ist an der Börse notiert und bringt es auf eine Marktkapitalisierung von knapp sieben Milliarden Euro. Ein Viertel des Geldes sollte an seinen Enkel Axel Sven gehen. Doch kurz vor seinem Tod änderte Springer seine Pläne: Jetzt sollte seine Frau plötzlich 70 Prozent der Vermögens erhalten, seinen Enkel speiste er mit nur noch fünf Prozent ab. So kam es, wie es kommen musste: Es entstand ein jahrelanger Rechtsstreit.

Zwar gab sich der Enkel zunächst damit zufrieden und unterschrieb 1985 eine Regelung, in der er sich mit dem fünfprozentigen Anteil zufrieden gab. Doch 17 Jahre später beschloss er, den Vertrag anzufechten, weil er sich betrogen fühlte. Mit seiner Klage scheiterte er jedoch.

Helmut Kohl

Der Mann, der von 1982 bis 1998 und gefühlt sogar eine Ewigkeit Kanzler war, hat privat ein hübsches kleines Vermögen angehäuft. Hinzu kommen einige interessante Akten, die er in seinen Privatbesitz gebracht hatte. Nach Helmut Kohls Tod 2017 kam es zu einer unappetitlichen Erbauseinandersetzung. Seine zweite Ehefrau, Maike Kohl-Richter, hat der Altkanzler zu seiner Alleinerbin gemacht – ganz zum Missfallen seiner Söhne. Streit gab es aber weniger ums Geld, sondern um das Begräbnis und die Akten.

Schon vor Kohls Tod galt das Verhältnis zwischen seiner Witwe und den beiden Söhnen aus der langjährigen ersten Ehe mit Hannelore Kohl, Walter und Peter, als zerrüttet. Jetzt streiten sich das Bundesarchiv und die Stiftung: Beide beanspruchen die Akten für sich Walter Kohl wollte noch zu Lebzeiten seines Vaters eine juristische Klärung der Erbfrage innerhalb der Familie herbeiführen, scheiterte daran aber. Medienberichten zufolge sollen die beiden Söhne schon 2016 auf ihren Pflichtteil verzichtet haben und dafür schon zu Lebzeiten des Vaters eine Million Euro ausgezahlt bekommen haben.

Nach Kohls Tod kam es dann aber zu einem Streit um die Trauerfeierlichkeiten. Seine Witwe hatte sich nämlich für ein Begräbnis in Speyer anstelle des Familiengrabs in Ludwigshafen entschieden. Sohn Walter warf der Witwe daraufhin vor, sie beanspruche die alleinige Deutungshoheit über sein Lebenswerk.

Zu Kohls Nachlass gehören auch Akten, auf die das Bundesarchiv Anspruch erhebt. Kohl hatte nach seiner Wahlniederlage 1998 rund 400 Aktenordner aus dem Kanzleramt in das Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung transportieren lassen und diese 2010 in sein Privathaus holen lassen, um damit seine Memoiren zu schreiben. Die Folge: Jetzt streiten sich das Bundesarchiv und die Stiftung: Beide beanspruchen die Akten für sich.

Udo Jürgens

Der Wert des Nachlasses des 2014 verstorbenen Schlagersängers wird auf über 50 Millionen Euro geschätzt. Dreieinhalb Jahre lang stritten seine Erben um die Verteilung dieses Vermögens. Der bunten Presse zufolge bekamen seine Kinder keinen Cent davon, solange der Nachlass nicht endgültig geregelt war. Nicht einmal an die persönlichen Gegenstände des Schlagerstars kamen sie heran. Erst im April 2018 kam es zu einer Einigung.

Dabei soll Jürgens klare Regelungen in seinem Testament getroffen haben. Drei Viertel seines Vermögens habe er auf seine vier Kinder verteilen wollen. Das letzte verbleibende Viertel sollte an Jürgens‘ Lebensgefährtin Michaela Moritz sowie an die „Udo Jürgens Stiftung“ gehen. Doch Jürgens’ uneheliche Tochter Gloria erhob nach dem Tod des Vaters im März 2015 Beschwerde, weil sie einen Interessenkonflikt befürchtet haben soll. Der Testamentsvollstrecker ist nämlich zugleich der Anwalt von Jürgens‘ langjährigem Manager Freddy Burger.

Luciano Pavarotti

Der großartige Opernsänger Luciano Pavarotti war auch ein großer Frauenheld. Die meisten seiner Damenbekanntschaften hatten natürlich keinen Anspruch auf sein Erbe. Doch auch „offizielle” Frauen hinterließ der Charmeur reichlich, als er 2007 seinem Krebsleiden erlag: Es gab eine Ex-Frau, seine Witwe Nicoletta und vier Töchter. Zum Leidwesen der Damen hatte Pavarotti innerhalb kurzer Zeit zwei Testamente aufgesetzt. Dem ersten zufolge sollte die eine Hälfte seines Vermögens der Witwe zufließen und die andere Hälfte auf die vier Töchter aufgeteilt werden. Das zweite, neuere Testament, setzte das erste zwar nicht außer Kraft, begünstigte aber Nicoletta zusätzlich. Pavarotti hatte nämlich weiteres Geld für sie in den USA angelegt, das nur sie erhalten sollte. Eine derartige Regelung war nur nach US-Recht möglich.

Daraufhin warfen die Töchter der Witwe vor, sie habe Pavarotti gedrängt, dieses zusätzliche Testament nach US-Recht zu verfassen. Es sei nie und nimmer Ausdruck des freien Willens des Tenors gewesen. Immerhin: Der Streit konnte – zumindest nach außen hin – relativ schnell beigelegt werden. 2008 traten die fünf Damen mit einer Versöhnungsgeste an die Öffentlichkeit und verkündeten, sie hätten sich nach all dem öffentlichen Streit nun friedlich geeinigt und das Vermögen gerecht untereinander aufgeteilt. Was sie genau unter gerecht verstehen, behielten sie allerdings für sich.

Gunter Sachs

Er war so etwas wie die deutsche Ausgabe von Luciano Pavarotti. Nicht hinsichtlich seiner Gesangskünste, über die wenig bekannt ist, sondern was seine Vorliebe für die Damenwelt angeht: Gunter Sachs galt zeitlebens als Deutschlands Playboy Nummer eins.

Das Vermögen des Industriellen-Sohns wurde nach seinem Tod im Jahre 2011 auf 500 Millionen Euro geschätzt. Über Erbschaftsstreitigkeiten in Zusammenhang mit seinem Nachlass ist (noch) nichts öffentlich bekannt geworden. Ganz anders als 36 Jahre zuvor, als Gunter Sachs 1975 gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Wilhelm beschloss, sich aus dem Familienunternehmen Fichtel & Sachs zurückzuziehen. Willy hatte verfügt, dass seine Söhne den Bestand für die Enkel erhalten sollten Das allerdings war gar nicht im Sinne des Vaters Willy Sachs, der bereits 1958 verstorben war. Der hatte in seinem Testament eine Vorsichtsmaßnahme eingebaut, um das Vermögen der Familie zusammenzuhalten: Willy hatte verfügt, dass seine Söhne den Bestand für die Enkel erhalten sollten, damit auch für diese Generation das Vermögen in Familienhänden gesichert bleibt.

Aufgrund dieser Verfügung des Vaters klagte Halbbruder Peter gegen die beiden Sachs-Brüder. Er wollte erreichen, dass Ernst Wilhelm und Gunter, die sich ja dem Willen des Vaters widersetzt hatten, nur Pflichtteile erhalten. Für sich selbst forderte Peter das Haupterbe. Er scheiterte allerdings mit seiner Klage vor Gericht. Daraufhin musste die 1895 gegründete Traditionsfirma verkauft werden. Nach mehreren Eigentümerwechseln verschwand der Name Sachs. Als Marke ist Sachs aber noch immer präsent und heute Teil des Automobilzulieferer-Konzerns ZF Friedrichshafen.

Bruno Schubert

Genannt wurde er der Bierkönig. Bruno Schubert war der charismatische Besitzer der Frankfurter Henninger Brauerei. Als er 2010 kurz vor seinem 91. Geburtstag starb, konnte sich seine Witwe Meharit Hoffnung machen, Alleinerbin des Vermögens ihres Mannes zu sein. Die beiden hatten erst gut ein Jahr vor seinem Tod geheiratet. Die aus Äthiopien stammende Belgierin war 63 Jahre jünger als ihr Mann. Das nährte den Verdacht, Meharit könnte nicht nur aus romantischen Gründen geheiratet haben.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Dem Nachlasspfleger zufolge soll Schubert Millionenbeträge an der Steuer vorbei ins Ausland geschafft haben. Wenige Monate vor seinem Tod setzte er seine Frau als Alleinerbin ein. Schuberts Sohn Hanns P. Nerger, Vorstand einer von Schubert gegründeten gemeinnützigen Umweltstiftung, reklamierte das Erbe hingegen für die Organisation. Er argumentierte, ein zuvor geschlossener Erbschaftsvertrag zugunsten der Umweltstiftung sei noch gültig. 2013 bestätigte der Bundesgerichtshof allerdings, dass Meharit Schubert die Alleinerbin des Vermögens sei, denn Schubert habe die von ihm gegründete Stiftung wirksam enterbt.

Doch über dieses höchstrichterliche Urteil konnte sich Meharit nicht lange freuen. Seit dem Frühjahr 2014 steht Schuberts Witwe unter Mordverdacht. Der ebenfalls beschuldigte Leibarzt Schuberts ertrank unter ungeklärten Umständen in einem Fluss, kurz bevor er von der Polizei vernommen werden sollte.

John D. Rockefeller

Wesentlich geschickter als alle zuvor in diesem Artikel beschriebenen Erblasser verhielt sich der steinreiche US-Unternehmer John D. Rockefeller. Er war der erste Dollar-Milliardär überhaupt und ging als Symbol für Reichtum in die Geschichte ein. Als sein Testament nach seinem Tod im Jahre 1937 eröffnet wurde, war die Überraschung indes groß: Es stellte sich heraus, dass Rockefeller lediglich kümmerliche 26 Millionen Dollar zu vererben hatte. Seine Kinder indes gingen sehr gefasst mit dieser Nachricht um. Kein Wunder: Der clevere Rockefeller hatte sein riesiges Vermögen bereits in den 20er Jahren nach und nach an seine Kinder verteilt. Für den Staat Florida war das eine große Enttäuschung, denn der hatte kurz vor Rockefellers Tod extra das Erbschaftsteuerrecht geändert, um sich einen schönen Anteil am Nachlass des Milliardärs zu sichern. Doch Rockefeller war ihm zuvor gekommen.

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