Von John D. Rockefeller können sich Menschen, die rechtzeitig ihren Nachlass regeln, noch heute eine Scheibe abschneiden. Denn das Steuerrecht sieht ganz legal Wege vor, ein Vermögen schon zu Lebzeiten teilweise steuerfrei an die Nachkommen weiterzugeben. Für so genannte Schenkungen gibt es hohe Steuerfreibeträge. Und die erneuern sich alle zehn Jahre.

Ansonsten aber gilt es vor allem bei größeren Vermögen, das Erbe klar zu regeln, damit Erbstreitigkeiten wie oben beschrieben, möglichst gar nicht erst entstehen können.

Unbedingt ein Testament verfassen

Mit am häufigsten kommt es bei Immobilien zu Streitigkeiten, vor allem wenn sie von den Erben selbst genutzt werden. Experten empfehlen Erblassern deshalb dringend, ein Testament zu verfassen. Zwei von drei Deutschen tun das nicht – und öffnen damit Konflikten nach ihrem Tod Tür und Tor. In dem Testament sollte genau festgelegt werden, wie das Vermögen aufgeteilt wird und wer welche Immobilie erhalten soll. Wichtig sind dabei klare Formulierungen, die möglichst keinen Interpretationsspielraum mehr zulassen. Das Testament sollte unbedingt vor einem Notar beurkundet werden und jeder Beteiligte eine Ausfertigung bekommen, damit es später bei der Testamentseröffnung keine bösen Überraschungen gibt.

Wichtig ist auch, dass nur ein Testament existiert, damit es nach dem Ableben keine Unklarheiten darüber gibt, welches nun gültig ist. Ein Testament kann natürlich jederzeit abgeändert oder neu verfasst werden. Dann sollte aber das alte auch vernichtet werden. Ohnehin sollten Testamente etwa alle fünf Jahre überprüft und gegebenenfalls an die neuen Lebensumstände angepasst werden.

Vorsicht vor der Gütertrennung

Wer sich von seinem Ehepartner trennt und noch einmal heiratet, neigt manchmal dazu, im Überschwang der Gefühle seine neuen Partner sehr großzügig beim Nachlass zu bedenken. Hier sollten aber Kurzschlussreaktionen vermieden werden: Wer mit Schmetterlingen im Bauch die eigenen Kinder plötzlich beim Erbe kürzer halten will oder sogar ganz enterbt – vielleicht weil diese der neuen Liaison kritisch gegenüber eingestellt sind – begeht meist einen groben Fehler und sorgt womöglich dafür, dass seine Nachkommen einen selbst für immer in schlechter Erinnerung behalten.

Andere Menschen sind bei einer neuen Liebe wiederum übertrieben vorsichtig und drängen den neuen Partner aufgrund der schlechten Erfahrungen in der ersten Ehe zu einem Ehevertrag mit Gütertrennung aus Angst im Fall einer erneuten Scheidung noch einmal hohe finanzielle Einbußen zu erleiden. Abgesehen davon, dass ein solcher Vertrag selten förderlich für das Vertrauen des neuen Partners ist, raten Experten noch aus einem anderen Grund von der Gütertrennung ab. Endet nämlich die Verbindung durch den Tod des Ehegatten, erleidet der überlebende Partner meist erhebliche Steuernachteile. Der Grund: Nur wenn ein Paar im Güterstand der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft lebte, erhält der überlebende Ehegatte beim Tod des Partner die Summe steuerfrei, die er erhalten hätte, wenn eine Scheidung die Ehe beendet hätte. Für diese Summe gibt es keine Obergrenze. [1]

Große Nachteile für Unverheiratete

Von diesem Vorteil profitieren natürlich auch unverheiratete Paare nicht. In diesem Fall erhält der Partner des Erblassers auch keine Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Damit stehen dem unverheirateten Partner keine Witwer- oder Witwenrente zu. Zudem hat der nichteheliche Partner nur einen deutlich geringeren Erbschaftsteuer-Freibetrag als ein verheirateter Partner.

Manche Menschen, häufig sind es erfolgreiche Unternehmer, machen ihren Erben bestimmte Auflagen, um die Familienfinanzen in gewisser Weise auch nach dem Ableben noch im Griff zu behalten. Ist die Familie zerstritten, kann dieser Schritt sinnvoll sein, sagen Experten. Umgesetzt werden diese Auflagen vom Testamentsvollstrecker. Übertreibt es der Erblasser aber mit den Auflagen und Beschränkungen, besteht die Gefahr, dass die Erben ihr Erbe ausschlagen und stattdessen ihren Pflichtteil verlangen. Das kann vor allem dann zu erheblichen Problemen führen, wenn das Vermögen in Immobilien oder Unternehmensteilen gebunden ist, der Pflichtteilsberechtigte aber in bar abgefunden werden muss.

Das Gespräch mit den Erben suchen

Um Unklarheiten und Konflikte zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, wenn der Erblasser seine Erben noch zu Lebzeiten über sein Testament informiert und hier das Gespräch sucht – und zwar möglichst mit allen Erben gemeinsam. Denn dann können mögliche Konflikte schon im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden. Wenn Erblasser (meist die Eltern) ihren Erben (also meist ihren Kindern) ihre Pläne verständlich machen, verhindern sie in vielen Fällen, dass im Erbfall Enttäuschung, Neid oder Gier bei den Kindern entsteht. Zudem erhalten die Kinder die Chance, sich mit den Eltern ehrlich und offen auszutauschen sowie eigene Wünsche einzubringen.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Sind die Familienverhältnisse problematisch oder gibt es ohnehin schon Streit innerhalb der Familie, kann ein Mediator eingeschaltet werden, um dafür zu sorgen, dass die Gespräche in geordneten Bahnen ablaufen. Der Mediator kann am Schluss auch dazu beitragen, dass eine Lösung gefunden wird, mit der alle Familienmitglieder gut leben können. Diese Gespräche sollten möglichst frühzeitig stattfinden, also solange die Erblasser noch bei guter Gesundheit sind, damit sie ihre Gedanken klar formulieren können. Zudem können sich die designierten Erben dann frühzeitig auf das, was auf sie zukommt einstellen. Vor dem Gespräch mit den Kindern sollten die Eltern sich abstimmen, damit es nicht zu Widersprüchen oder Missverständnissen kommt. Die Kinder wiederum sollten zunächst keine Forderungen stellen, sondern deren Initiative abwarten, sich mit dem eigenen Tod auseinander setzen zu wollen.


  1. [2] Deutsche Bank AG: ErbBstg Erbfolgebesteuerung (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

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