Steuern gab es schon vor Tausenden von Jahren. Herrscher finanzierten damit vor allem ihren luxuriösen Lebensstil und kriegerische Auseinandersetzungen. Den Löwenanteil zum Steueraufkommen mussten oft ausgerechnet die Ärmsten der Armen beitragen. Um dies zu rechtfertigen, schreckten die Machthaber auch vor den absurdesten Begründungen nicht zurück. Heute sollen Steuern vor allem der Finanzierung öffentlicher Aufgaben dienen und möglichst gerecht nach Leistungsfähigkeit erhoben werden. Das Ergebnis: Alle haben das Gefühl, zu viel Steuern zu bezahlen.

Als Vespasian im Jahr 69 nach Christus römischer Kaiser wurde, lagen die Staatsfinanzen des riesigen Reiches darnieder. Der dekadente Regierungsstil seines berühmt-berüchtigten Vorgängers Nero hatte Unsummen verschlungen. Zu allem Überfluss hatte ein großer Brand die antike Stadt Rom während Neros Herrschaft zu weiten Teilen zerstört.

Geld musste also dringend her und Vespasian ließ sich etwas einfallen. Er kam auf die Idee, auf die Nutzung öffentlicher Toiletten eine Urinsteuer zu erheben. Die Einnahmen daraus investierte Vespasian in die Errichtung des Kolosseums – noch heute eines der Wahrzeichen Roms – und den Wiederaufbau des zerstörten Kapitols. Dem Historiker Sueton zufolge war die Urinsteuer Vespasians Sohn Titus allerdings ein Dorn im Auge. Der Kaiser soll diesem deshalb Geld aus den ersten Einnahmen der Urinsteuer unter die Nase gehalten und ihn gefragt haben, ob der Geruch ihn störe. Als Titus verneinte, habe Vespasian geantwortet: “Atqui e lotio est - und doch ist es vom Urin”. Daraus wurde später die geflügelte und auch heute noch gebräuchliche Redewendung: “Pecunia non olet – Geld stinkt nicht”.

Immerhin: Vespasians Urinsteuer erfüllte einen sinnvollen Zweck und diente dem Kaiser nicht in erster Linie dazu, ein Leben in Saus und Braus zu führen oder Kriege zu finanzieren – anders als die Steuern, die unzählige Herrscher vor ihm und nach ihm erhoben. Schon lange vor Vespasian nämlich, vor Tausenden von Jahren, kamen Machthaber auf die Idee, mit der Erhebung von Steuern Geld für ihr ausschweifendes Leben, für prunkvolle Bauten oder für Eroberungen und zur Bekämpfung ihrer Feinde einzutreiben. Offiziell erhoben sie die Steuern aber natürlich nur, um öffentliche Aufgaben zu finanzieren, die dem Gemeinwohl zugute kommen sollten.

Erste Steuern schon vor 5.000 Jahren

Mit die frühesten Nachweise für Steuern stammen aus dem dritten Jahrtausend vor Christus aus Ägypten, also von vor 5.000 Jahren. Dort gab es Erntesteuern und einen sogenannten Nilzoll. Zu diesem Zweck wurden damals am Nil sogenannte Nilometer installiert. Es handelte sich um tiefe Schächte, die mit dem Fluss verbunden waren. Mit diesen wurde die Höhe der Überschwemmungen gemessen. Denn durch die Fluten kam der fruchtbare Schlamm als Dünger auf die Felder. Nur wenn es ausreichend Schlamm gab, konnte die Saat wachsen und gedeihen. Die Höhe der Überschwemmung war daher ein zuverlässiger Faktor für die Berechnung der Steuer. Eigens dafür beauftragte Beamte, die Nilmesser, protokollierten die Wasserlinie entlang des Flusslaufs.

Für etwa die gleiche Zeit lässt sich auch in Mesopotamien, dem heutigen Irak, eine Steuererhebung nachweisen. Dort gab es eine Steuer auf Viehhaltung und Fischfang. Und auch in Rom gab es, lange vor Vespasian, schon Steuern: So wurde in der ewigen Stadt 215 v. Chr. eine Luxussteuer (lex oppia) für Bürger eingeführt, die übermäßig teuren Schmuck oder Gewänder aus Purpur trugen. Darüber hinaus gab es in Rom auch eine Grundsteuer: Landpächter und Grundbesitzer wurden nach dem besteuert, was sie erwirtschafteten.

Die Beispiele zeigen: Schon in der Antike gab es Ansätze von Steuergerechtigkeit. Und immerhin floss wenigstens ein Teil des Geldes in den Bau von Straßen und Brücken. Doch im Großen und Ganzen ist die Geschichte der Steuern vom Altertum bis zur Industrialisierung davon geprägt, dass die Mächtigen sich auf Kosten der Ärmsten oder auch der Menschen in eroberten Gebieten bereicherten.Vor Tausenden von Jahren, kamen Machthaber auf die Idee, mit der Erhebung von Steuern Geld für ihr ausschweifendes Leben, für prunkvolle Bauten oder für Eroberungen und zur Bekämpfung ihrer Feinde einzutreiben. Rom zum Beispiel bediente sich nicht nur bei den eigenen Bürgern, sondern auch in Form von Tributen bei den unterworfenen Völkern. Dies ermöglichte es Rom, die Finanzkraft für eine immer weitere Expansion aufzubringen. Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus verschafften die ausländischen Provinzen dem Römischen Reich schon so viel Einkommen, dass die Bürger Roms von direkten Steuern befreit werden konnten. Auch die Herrscher der Hochkulturen in China, in Assyrien und Griechenland etablierten aufwändige Abgabensysteme. Das deutet darauf hin, dass Steuereinnahmen ein wichtiger Schlüssel für den Reichtum und die historische Bedeutung dieser Kulturen waren.

Die Kirche forderte den Zehnten

An unangemessenen Bereicherungen beteiligte sich auch die Kirche. Im Mittelalter forderte sie einen sogenannten Zehnten ein. Bauern mussten also den zehnten Teil ihrer mühsam erarbeiteten Erträge der Kirche abliefern. Und wer keine Abgaben in Form von Gütern leisten konnte, wurde zu Frondiensten herangezogen.

Im Absolutismus wiederum, als Europas Könige sich ihre extravaganten Hofstaaten leisteten, mussten diese Verschwendungssucht natürlich auch wieder die einfachen Leute mittels ihrer Steuern und Abgaben bezahlen. Vielerorts üblich waren Grund- und Kopfsteuern, die dazu führten, dass alle gleich hohe Steuern entrichten mussten – also egal, ob sie steinreich oder bettelarm waren. Geradezu zynisch und in bemerkenswerter Offenheit legte der Finanzminister Ludwigs XIV., Jean Baptiste Colbert, die damalige Steuerpolitik offen: “Steuern erheben ist die Kunst, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn mit möglichst wenig Gezische bekommt.”

Einige Herrscher trieben es auf die Spitze: Um von seinen Untertanen noch mehr Geld abzuknöpfen, erließ der russische Zar Peter der Große im 17. Jahrhundert für alle Bartträger eine Bartsteuer. Die Männer im Reich sollten damit zu einer aus seiner Sicht angemessenen Pflege ihres Äußeren bewegt werden – oder eben zahlen.

Jungfernsteuer für unverheiratete Frauen

In Preußen führte Premierminister Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg Anfang des 18. Jahrhunderts eine Jungfernsteuer ein: Unverheiratete Frauen zwischen 20 und 40 Jahren mussten im Monat zwei Groschen abführen. Sein Vorwand für diese abstruse Steuer lautete: die Förderung des Nachwuchses. Doch damit nicht genug des Einfallsreichtums: Wartenberg führte auch eine Perückensteuer, eine Hutsteuer und eine Strumpfsteuer ein.

Die logische Konsequenz dieses Gebaren der absolutistischen Machthaber: Die untersten Schichten, also Arbeiter und Bauern, lebten zunehmend im Elend und ließen sich das irgendwann nicht mehr gefallen. Es kam zu Protestbewegungen und Aufständen. Die größte und weitreichendste war die Französische Revolution, die im Jahr 1789 ausbrach. So vielfältig die Gründe dafür waren, sie kann auch als eine Reaktion auf das feudale Abgaben- und Steuersystem verstanden werden.

Dabei hatte es an Warnungen nicht gefehlt. Der Ökonom Adam Smith, wahrlich kein Kommunist, hatte sich im 18. Jahrhundert bereits besorgt über die ungerechte Verteilung der Steuern auf das Volk geäußert. Um von seinen Untertanen noch mehr Geld abzuknöpfen, erließ der russische Zar Peter der Große im 17. Jahrhundert für alle Bartträger eine Bartsteuer. Er warnte davor, die Menschen bei der Abgabenlast zu überfordern. Man müsse ihnen wenigstens genug übrig lassen, dass sie davon leben können. Sonst könnten sie gar nichts mehr erwirtschaften – und dann in der Konsequenz auch keine Steuern und Abgaben leisten.

Vier Prozent Spitzensteuersatz in Preußen

Es dauerte allerdings bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bis es in Europa zur Einführung von Steuersystemen kam, die nach heutigen Maßstäben als einigermaßen gerecht bezeichnet werden können. Vorreiter war auch hier wieder Preußen: Im Jahr 1891 führte Johannes von Miquel als Finanzminister ein Steuersystem ein, mit den Elementen Einkommensteuer, Vermögensteuer und Gewerbesteuer. Wesentliche Neuerung war die Steuerprogression. Die Steuersätze waren sehr bescheiden: Für die Einkommensteuer lagen sie zwischen 0,62 Prozent bei einem Jahreseinkommen von 900 bis 1.050 Mark und vier Prozent bei Jahreseinkommen über 10.000 Mark. 1906 kam die Erbschaftsteuer dazu. In seinen Grundzügen ist dieses Steuersystem heute noch gültig.

Ein paar Jahre früher schon, 1902, hatte Kaiser Wilhelm II. eine andere Steuer eingeführt, die noch heute Bestand hat: die Schaumweinsteuer. Auf den Ladenpreis von 2,50 Reichsmark für eine Flasche Sekt wurden 50 Pfennige für die Kriegskasse des Kaisers draufgeschlagen. Da das gut funktionierte und allein 1905 elf Millionen Flaschen Sekt im Reich getrunken wurden, erhöhte der Kaiser die Schaumweinsteuer 1909 drastisch: Sie wurde von einer bis drei Reichsmark gestaffelt, je nach Preis der Flasche. Die Einnahmen investierte der Kaiser in Waffen für die Kriegsmarine. Der Krieg ging dennoch verloren. Doch die Schaumweinsteuer blieb bestehen. Heute beträgt sie 1,02 Euro pro 0,75-Liter-Flasche.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Doch natürlich reichten die Erlöse aus der Schaumweinsteuer nicht aus, um für die gesamten Kriegskosten aufzukommen. Im Wesentlichen finanziert wurde der Erste Weltkrieg über Anleihen. Darüber hinaus führte das Reich 1916 einen sogenannten Warenumsatzstempel ein, der 1918 zur Umsatzsteuer ausgebaut wurde. Sie ist heute die zweitgrößte Steuerquelle in Deutschland.

Nach dem Ersten Weltkrieg fasste Reichsfinanzminister Matthias Erzberger die vielen parallel existierenden Einkommensteuer der deutschen Länder zusammen und führte damit die erste einheitliche Einkommensteuer in Deutschland ein. Zudem führte Erzberger eine Körperschaftsteuer für Unternehmen ein. Anders als von Miquel 30 Jahre zuvor langte Erzberger kräftig hin: Der Spitzensteuersatz kletterte bis auf 60 Prozent.

Nazis schröpfen Gegner mit “Reichsfluchtsteuer” und “Judenabgabe”

Die Nationalsozialisten ließen das Steuersystem weitgehend unangetastet, führten aber besonders perfide neue Steuerarten ein: Dazu gehörten die “Reichsfluchtsteuer”, mit der sich Emigranten ihre Ausreise erkaufen mussten und die “Judenvermögensabgabe”, eine 20-prozentige Zwangsabgabe auf das Vermögen von Juden, die nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 als Im Jahr 1891 führte Johannes von Miquel als Finanzminister ein Steuersystem ein, mit den Elementen Einkommensteuer, Vermögensteuer und Gewerbesteuer. sogenanntes Sühnegeld für das Attentat auf den deutschen Botschaftsangestellten Ernst vom Rath in Paris eingeführt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs sorgten die Finanzbehörden für die “Verwertung” des Vermögens der deportierten Juden. Das Geld wurde im Wesentlichen eingesetzt, um die Kriegsmaschinerie am laufen zu halten.

Einen Grund für den schnellen Wiederaufbau Westdeutschlands nach dem Krieg und für das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre sehen Historiker in der konsequenten Steuersenkungspolitik des ersten Bundesfinanzministers Fritz Schäffer.

Die DDR nutzte die Steuer dagegen als Instrument für ihren Klassenkampf. Abgaben der Volkseigenen Betriebe (VEB) waren die Haupteinnahmequelle des Staates. Für die Werktätigen waren die Steuersätze dagegen niedrig. Wer aber privat unternehmerisch tätig war oder mit seinem Kapital Einnahmen erzielte, musste bis zu 90 Prozent seiner Gewinne an den Fiskus abführen. Hierdurch sollte der Privatwirtschaft Kapital entzogen und dieses zum Aufbau sozialistischer Staatsbetriebe verwendet werden. Darüber hinaus wurden Genussmittel und Importwaren mit hohen Abgaben belastet.

Bierdeckel-Reform bleibt Wunschtraum

So positiv das Ereignis des Mauerfalls und die Wiedervereinigung war, für die Bürger in Ost und West bedeutete es höhere Steuern. Denn um den Aufbau Ost zu finanzieren, wurde ein Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer eingeführt. Und dieser hat auch fast drei Jahrzehnte nach der Einheit noch Bestand. Inzwischen beträgt die durchschnittliche Steuer- und Abgabenquote in Deutschland fast 50 Prozent des Bruttoeinkommens. In Europa ist Belgien das einzige Land mit einer noch höheren Quote.

Nach der Wiedervereinigung gab es in Deutschland auch immer wieder Ansätze, das Steuerrecht zu vereinfachen. Schließlich gilt das deutsche Steuerrecht als eines der kompliziertesten der Welt. Am weitesten ging der CDU-Politiker Friedrich Merz, dem eine Steuererklärung vorschwebte, die so einfach ist, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Sein Vorstoß wurde allerdings schnell im Keim erstickt. Vielleicht auch, weil dadurch die Existenzgrundlage einer nicht unbedeutenden Berufsgruppe ernsthaft in Gefahr geraten wäre: die der Steueranwälte und Finanzbeamte.