Zur Trauer über den Tod eines Angehörigen kommen auf die Hinterbliebenen meist auch Verpflichtungen zu. Denn viel muss
organisiert und zahlreiche rechtliche Angelegenheiten müssen erledigt werden – die teilweise auch noch an Fristen gebunden sind. Manche Dinge können aber schon vorab geregelt werden.

Den Sterbefall anzeigen

Die Anzeige des Sterbefalls beim Standesamt sollte der allererste Schritt sein. Denn hier ist der Zeitdruck am höchsten: Die Anzeige muss bis zum dritten auf den Tod folgenden Werktag erfolgen. Notwendig ist hierzu der Totenschein, der vom Arzt ausgestellt wird. Zu dieser Anzeige sind sowohl Angehörige als auch Personen verpflichtet, die beim Tod anwesend waren oder in deren Wohnung sich der Todesfall ereignet hat. Das Standesamt stellt dann eine Sterbeurkunde aus. Als nächstes sollten dann Verwandte und Freunde des Verstorbenen sowie, falls notwendig, der Arbeitgeber informiert werden.

Beerdigung organisieren

Auch wenn es schwerfällt: Hinterbliebene sollten so schnell wie möglich überlegen, wie die Bestattung ablaufen soll. Am sinnvollsten ist es, ein darauf spezialisiertes Bestattungsunternehmen zu beauftragen, das den Hinterbliebenen hier auf Wunsch alles Organisatorische abnimmt und deshalb für Entlastung sorgt. Er hilft ihnen beim Aussuchen des Sarges, bei der Planung der Beerdigung, bei der Auswahl von Blumenschmuck, Musik oder dem Verfassen und Aufgeben von Todesanzeigen. Die Kosten für die Beisetzung müssen von den Erben getragen werden.

Den Nachlass sichten

Daraufhin kommt der schwierigste Teil der Arbeit: Der Nachlass muss gesichtet werden. Das bedeutet: Eine möglichst vollumfängliche Aufstellung der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten muss vorgenommen werden.

Das Erbe annehmen oder ausschlagen

Stellt sich bei der Sichtung des Nachlasses heraus, dass die Verbindlichkeiten das Vermögen übersteigen, kann das Erbe auch ausgeschlagen werden. Damit kann sich der Erbe vor den Schulden des Erblassers schützen. Die Ausschlagung muss innerhalb von sechs Wochen beim Nachlassgericht beantragt werden. Sind die Vermögensverhältnisse nach sechs Wochen noch nicht zweifelsfrei geklärt, so dass nicht sicher ist, ob eine Überschuldung besteht oder nicht, kann die Haftung für die geerbten Schulden auf die Erbmasse beschränkt werden.

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Dadurch bleibt das eigene Vermögen vor fremdem Zugriff gesichert. Wird das Erbe ausgeschlagen, geht es auf den Steuerzahler über: Vermögenswerte werden zunächst verkauft. Was dann nach Abzug des Erlöses für die Vermögenswerte noch an Schulden übrig bleibt, geht zu Lasten der Staatskasse. Wer ein Erbe bereits angenommen hat, kann es nachträglich nicht mehr ausschlagen.

Testament beim Nachlassgericht abliefern

Taucht im Nachlass ein Testament auf, muss dieses unbedingt sofort zum Nachlassgericht gebracht werden. Dazu sind die Angehörigen gesetzlich verpflichtet: Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, machen sie sich der Urkundenunterdrückung strafbar. Um dieses Risiko auszuschalten, sollten Angehörige im Zweifel jedes Dokument, das auch nur im Entferntesten nach einem Testament aussieht, beim Amtsgericht abliefern. Das Testament wird dann vom Nachlassgericht eröffnet und die Erben werden benachrichtigt.

Verträge, Abonnements, Versicherungen und Mitgliedschaften

Die meisten Verträge des Verstorbenen enden nicht automatisch mit dem Tod, sondern gehen auf die Erben über. Deshalb ist es wichtig, dass die Angehörigen möglichst schnell herausfinden, welche vertraglichen Verpflichtungen noch bestehen, damit diese rechtzeitig gekündigt werden können. So werden unnötige Kosten vermieden. Hierzu zählen unter anderem Verträge für die Strom- und Gasversorgung, Festnetz- und Internetanschluss, Mobiltelefon, Abfallbeseitigung, Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements, aber auch gebührenpflichtige Internetabonnements. Die meisten Verträge des Verstorbenen enden nicht automatisch mit dem Tod, sondern gehen auf die Erben über. Vor allem letztere sind in vielen Fällen gar nicht so leicht zu ermitteln. Das Ableben des Kunden sollte ebenfalls bei den Versicherungen gemeldet werden. Die meisten Verträge enden automatisch mit dem Tod, einige gehen allerdings auch auf Familienangehörige über. Hier sollten sich die Angehörigen in jedem Einzelfall informieren. Auch Mitgliedschaften, zum Beispiel in Sportvereinen oder Fitnessclubs sollten gekündigt werden.

Vollmachten und Einzugsermächtigungen

Auch Kontovollmachten und Einzugsermächtigungen sollten widerrufen werden – schon um Missbrauch durch Unbefugte zu verhindern. Aus dem gleichen Grund sollten auch EC- und Kreditkarten gesperrt werden. Wer sich allerdings noch nicht sicher ist, ob er die Erbschaft überhaupt antreten möchte, sollte mit solchen Kündigungen und Widerrufen aber lieber noch abwarten. Juristen sehen darin nämlich eine sogenannte schlüssige Annahmehandlung, die es dem Betroffenen später unmöglich macht, das Erbe auszuschlagen.

Erbschein besorgen

Um den Nachlass abwickeln zu dürfen, benötigen Angehörige oder Dritte, welche die Aufgabe in die Hand nehmen, einen Erbschein – und zwar unabhängig davon, ob sie selbst am Ende tatsächlich zu den Erben zählen oder nicht. Beantragt wird der Erbschein beim Nachlassgericht am Wohnsitz des Erblassers oder bei einem Notar der Wahl in ganz Deutschland. Die Gebühren für Gericht und Notar hängen vom Wert des Nachlasses (abzüglich der Schulden) ab.

Notarielles Testament ersetzt Erbschein

Gibt es ein notarielles Testament des Erblassers, ist ein Erbschein nicht erforderlich. Denn der vor dem Notar erklärte letzte Wille ersetzt den Erbschein. Existiert allerdings nur ein handgeschriebenes Testament, das nicht beim Notar hinterlegt ist, wird ein Erbschein doch benötigt. Sparen kann man sich den Erbschein in der Regel aber auch, wenn der Erblasser eine notarielle Vollmacht erteilt hat, die über den Tod hinaus gilt.

Sonderfall Immobilien

Komplizierter wird es, wenn der Erblasser Immobilien hinterlässt: Dann müssen die Erben das Grundbuch berichtigen lassen – wofür wiederum auch ein Erbschein oder ein notarielles Testament notwendig ist. Wird der Antrag zur Berichtigung des Grundbuchs innerhalb von zwei Jahren gestellt, fallen keine Gebühren für die Umschreibung an. Grundsätzlich aber gilt: Je früher der Antrag gestellt wird, desto besser. Denn eine sofortige Berichtigung vermeidet Zeitverzögerungen, wenn der/die Erben zum Beispiel die Immobilie veräußern möchte(n). Der Antrag zur Berichtigung des Grundbuchs kann auch gleich gemeinsam mit dem Antrag auf Erbschein beim Notar gestellt werden. Auf diese Weise werden zahlreiche weitere Behördengänge überflüssig.

Eltern/Großeltern auf das Thema ansprechen

Für die Angehörigen kostet es oft Überwindung, das Thema anzusprechen, doch am Ende sind meist beide Seiten froh darüber: Die Rede ist davon, die Eltern oder Großeltern rechtzeitig darauf anzusprechen, ihren Nachlass zu planen.
Besonders wichtig ist es, den Nachlass zu regeln, wenn ein hohes Vermögen vorhanden ist oder die Familienverhältnisse kompliziert sind (zum Beispiel wenn der Erblasser Kinder von mehreren Ehepartnern hat). Sinnvoll kann es auch sein, die Eltern oder Großeltern davon zu überzeugen, einen Teil des Vermögens schon zu Lebzeiten als Schenkung an die nächste Generation weiterzugeben. Besonders wichtig ist es, den Nachlass zu regeln, wenn ein hohes Vermögen vorhanden ist oder die Familienverhältnisse kompliziert sind.
Denn dann kann unter Umständen die Erbschaftssteuerlast reduziert werden. Steuerlich werden Schenkungen wie Erbschaften zu Lebzeiten behandelt. Doch es gibt hohe Freibeträge und die können alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden. Die Höhe der Freibeträge richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad: Für eigene Kinder sowie Stiefkindern und Adoptivkinder liegt der Steuerfreibetrag bei 400.000 Euro. Bei Enkelkindern beträgt er 200.000 Euro. Lediglich 20.000 Euro beträgt der Freibetrag bei Geschwistern sowie Neffen und Nichten.




Bei Themen wie diesen oder anderen Fragen rund um Nachlassplanung und Erbe können auch Certified Financial Planner™ (CFP®) helfen, also zertifizierte Finanzplaner. Auf Wunsch vermittelt LIQID gerne einen CFP®.