HQ Trust will Konzept der Robo Advisors ausweiten


Partner Liqid soll digitale und persönliche Beratung verknüpfen – Zugang zu breiter Vermögensverwaltung

Börsen-Zeitung, 19.10.2016
jsc Frankfurt – Das Multi Family Office HQ Trust will in Kooperation mit dem Berliner Start-up Liqid mit einer digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland Fuß fassen. Die junge Gesellschaft orientiere sich an den "viel beschworenen Robo Advisors", die sich über eine intuitive Nutzerführung, Kostentransparenz und eine weitgehende Automatisierung der Geldanlage auszeichneten, sagte Liqid-Chef und Mitgründer Christian Schneider-Sickert am Dienstag in Frankfurt im Gespräch mit Journalisten. Zugleich wolle Liqid aber durch eine breite Palette an Anlageklassen, einer persönlichen Beratung und der Vermögensverwaltung von HQ Trust profitieren. Ziel seien Menschen ab einem Vermögen von 100 000 Euro. "Während die Ansprüche dieser Kunden zu hoch sind für die Bank an der Ecke, reichen die Vermögen oft nicht aus, um für eine wirklich unabhängige Privatbank, geschweige denn für ein Family Office, attraktiv zu sein."

Mit dem Vorstoß probiert ein weiterer Spieler, sich mit einer digitalen Verwaltung zu etablieren. Bisher bieten etwa Vaamo und Scalable Capital, die wie Liqid bei der Aufsicht BaFin als Finanzportfolioverwalter vermerkt sind, eine automatische Steuerung auf Grundlage von börsengehandelten Fonds (ETF) an. Anders als die beiden Konkurrenten lässt Liqid Kleinsparer außen vor. Die Gesellschaft will vor allem auch aktiv verwaltete Strategien und diverse Assetklassen zugänglich machen.

Aktiv verwaltete Fonds etwa sollen mit Hilfe von HQ Trust über günstige Tranchen zugänglich sein, die sonst nur institutionellen Kunden offenstehen. In Private-Equity-Fonds allerdings können nur Anleger investieren, die mindestens 250 000 Euro für diese Anlageklasse mitbringen. Dieser Wert ist zwar noch immer hoch, liegt aber deutlich unterhalb der sonst üblichen Millionenschwellen, wie es hieß. Ziel sei es, sich an ein breites Publikum zu wenden, sagte Reinhard Panse, Investmentchef von HQ Trust. Als Multi Family Office der Familie Harald Quandt steuert die Gesellschaft sehr große Einzelvermögen, zum Beispiel im zweistelligen Millionenbereich.

Die jährlichen Verwaltungskosten gibt Liqid mit 0,15 bis 0,9 % an, je nachdem wie groß das Vermögen ist und wie breit die gewählte Anlage. Hinzu kommen die Kosten der eingesetzten Produkte. Mit dem Gebührenmodell will sich das Unternehmen von den Banken abgrenzen. "Wenn Sie zu einer klassischen Beratung gehen, wissen Sie nie genau, ob die Beratung wirklich interessensfrei ist von der Bank", sagte Eckhard Cordes, ehemaliger Metro-Konzernchef und heutiger Beirat des Start-ups. Durch die Gebührenstruktur sei Liqid frei von Interessenkonflikten.

Distanz zu Banken

Viele der Kunden, die bisher auf die Gesellschaft zugekommen seien, hätten bei etablierten Anbietern "Horrorgeschichten" erlebt, sagte Liqid-Chef Schneider-Sickert mit Blick auf die Kosten. Der Schulterschluss mit einem etablierten Spieler sei für Liqid wichtig gewesen, doch sei eine Bank angesichts der Kundenerfahrungen "eigentlich nicht in Frage" gekommen. Das Start-up wolle durch Transparenz überzeugen, ein außergewöhnliches Ergebnis zähle nicht zum Kernversprechen. "Unser Pitch ist nicht, dass wir ,den‘ Computer haben, der die Märkte schlägt."

Ähnlich wie auch andere Robo-Berater fragt Liqid die Ziele der Kunden automatisch ab. Auch in der Portfoliozusammensetzung und der aktiven Steuerung der Anlage kommen Maschinen zum Einsatz. Konkrete Kundenfragen und auch eine längere Beratung schließe die Gesellschaft aber nicht aus. "Natürlich voll digital", aber bei Bedarf auch "jederzeit mit einem menschlichen Berater" wolle Liqid präsent sein.

Bislang arbeitet die im Februar 2015 gegründete und heute 28 Mitarbeiter zählende Gesellschaft nicht profitabel, die verwalteten Vermögen sind bisher gering: Gegen Ende der Pilotphase, die vor wenigen Wochen auslief, zählte sie rund 150 Kunden mit einem durchschnittlichen Vermögen von ungefähr 300 000 Euro, also insgesamt rund 45 Mill. Euro. Prognosen seien schwierig, doch sei die Milliardenschwelle das langfristige Ziel, sagte Schneider-Sickert.

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