Für den Rohstoffanteil in einem gemischten Portfolio empfehlen sich Investitionen in marktbreite Indizes, die eine Vielzahl von Rohwaren enthalten. Mit verschiedenen Konzepten konkurriert eine Reihe von Index-Anbietern um die Gunst der Anleger. Summit hat fünf der bekanntesten Marktbarometer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Ein Index hängt die Konkurrenz deutlich ab.

Zu den weltweit am meisten beachteten Rohstoffindizes zählen der Reuters/Jefferies CRB Index (RJ-CRB), der S&P Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), der Bloomberg Commodity Index (BCOM, vormals Dow Jones - UBS Commodity Index) und der Rogers International Commodity Index (RICI). Bis auf den extrem energielastigen GSCI bilden alle ein mehr oder weniger breit gestreutes Portfolio aus Terminkontrakten mit kurzer Laufzeit ab. Die Indizes unterscheiden sich im Detail in ihrer Zusammensetzung, Gewichtung und der Häufigkeit, mit der die einzelnen Komponenten wieder auf ihren ursprünglichen Anteil am Index zurückgesetzt werden (Rebalancing).

Rohstoffindizes sind eine ewige Baustelle

Die Zusammensetzung der Indizes wird von den Anbietern regelmäßig, meistens jährlich, überprüft. Im Zuge einer Revision können einzelne Rohstoffe aus dem Index heraus- und andere hineingenommen werden. Auch der Indexanteil der einzelnen Komponenten wird entsprechend des Gewichtungskonzepts neu justiert. Der RJ-CRB beispielsweise hatte 1958 noch 28 Komponenten. Heute sind es nach einer grundlegenden Überarbeitung im Jahr 2005 nur noch 19. Zwar ändern die Indexkonstrukteure von Jahr zu Jahr meistens nur Kleinigkeiten. Dennoch sollten Anleger ihre Investitionen nicht aus den Augen verlieren und von Zeit zu Zeit überprüfen, ob ein Index in seiner aktuellen Fassung noch zur Portfoliostrategie passt.

Bei vielen institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds hat sich der BCOM als Vergleichsindex durchgesetzt. An ihm messen sie die Rendite von aktiv verwalteten Rohstofffonds. Diese Entwicklung führen Branchenbeobachter auf seine relativ ausgewogene Zusammensetzung im Vergleich zu den anderen Marktbarometern zurück.

Nicht übersehen werden sollte, dass die meisten Indizes in verschiedenen Versionen berechnet werden: Die sogenannten Excess-Return-Varianten bilden nur die Renditen der Terminkontrakte ab. Die Total-Return-Indizes, an die sich Anleger halten sollten, berücksichtigen auch die Zinseinnahmen.

Zudem sollte Anleger bewusst sein, dass Rohstoffindizes auf US-Dollar-Basis kalkuliert werden und deswegen Währungsrisiken bergen. Allerdings ist der Einfluss von Wechselkursschwankungen auf Rohstoffanlagen nicht unbedingt ein Nachteil. Wer Anfang 1999 in einen Rohstoffindex investierte und die Anlage bis Ende 2015 hielt, erzielte mit einem börsengehandelten Indexfonds oder Zertifikat ohne Wechselkursabsicherung ein deutlich besseres Ergebnis als mit einem abgesicherten Produkt. Gleichzeitig waren die Wertschwankungen (Volatilität) niedriger. Dennoch gab es in dieser Periode auch Phasen, in denen sich eine Absicherung gegen Devisenmarktrisiken gelohnt hätte, vorausgesetzt die Kosten waren nicht zu hoch. Als Faustregel gilt: Für langfristig orientierte Anleger lohnen sich Rohstoffprodukte nicht, die vor Wechselkursrisiken geschützt sind.

Rohstoffindex der Deutschen Bank mit und ohne Absicherung von Währungsschwankungen

Quelle: Bloomberg, Stand: 30. August 2016.

Strategieindizes wollen die Klassiker schlagen

Neben den klassischen Rohstoffindizes bietet die Finanzindustrie inzwischen eine Reihe von Strategieindizes an. Sie folgen quantitativen, zum Teil recht komplexen Handelskonzepten, mit denen Renditen und Risikokennzahlen im Vergleich zu klassischen Indizes optimiert werden sollen. Weil die Strategieindizes festen Handelsregeln folgen, sind sie transparenter als aktiv verwaltete Fonds, bei denen das Management auf Basis der persönlichen Markterwartungen Anlageentscheidungen trifft.

Der Mean-Reversion-Ansatz

Kern dieser Strategie, die der Deutsche Bank Liquid Commodity Mean Reversion Index (DBLCI MR) verfolgt, ist eine flexible Indexgewichtung. Sie richtet sich nach der Preisentwicklung der einzelnen Rohstoffe. Teure Rohstoffe werden dagegen untergewichtet. Auf diese Weise nimmt der Index quasi regelmäßig Gewinne mit. Ein Rohstoff wird als relativ günstig betrachtet, wenn der Durchschnittspreis der vergangenen zwölf Monate unter dem der zurückliegenden fünf Jahre liegt. Die Indexkomponenten, die gemessen an diesem Preisverhältnis am billigsten sind, werden solange immer weiter übergewichtet, bis die relativen Preise wieder gestiegen sind. Teure Rohstoffe werden dagegen untergewichtet. Auf diese Weise nimmt der Index quasi regelmäßig Gewinne mit und baut die Positionen von Rohstoffen mit Nachholbedarf aus. Dieser antizyklische Mechanismus wird nach einem festgelegten mathematischen Schema gesteuert, die Gewichtung monatlich angepasst.

Das Konzept baut auf die in der Vergangenheit beobachtete Eigenschaft von Rohstoffpreisen, über kurz oder lang zum langfristigen Preisdurchschnitt zurückzukehren. Im Branchenjargon wird dieses Verhalten als Mean Reversion (Rückkehr zum Mittelwert) bezeichnet.

Die Optimum-Yield-Methode

Auf einer flexiblen Investmentstrategie fußt auch der DB Liquid Commodity Index – Optimum Yield Balanced (DBLCI-OY Balanced), der 14 Rohstoffe aus den Sektoren Energie (35 Prozent), Industriemetalle (18 Prozent), Edelmetalle (17 Prozent) und Landwirtschaft (30 Prozent) enthält. Die Gewichte sind bei diesem Index festgelegt. Weil sie sich über die Zeit verschieben, je nachdem wie sich die Preise von einzelnen Rohstoffen entwickeln, wird der Index einmal im Jahr auf seine Start-Gewichtung zurückgesetzt (Rebalancing).

Der Rhythmus, in dem die Terminkontrakte gerollt werden, ist dagegen flexibel. Die Indexstrategen wählen aus den Futures mit Laufzeiten von bis zu 13 Monaten jeweils die Kontrakte mit den höchsten positiven beziehungsweise den niedrigsten negativen Rollrenditen aus. Nach dieser Methode passt sich der Index dynamisch an sich ändernde Marktkonstellationen an und versucht so, die Gewinne zu maximieren. Zudem sind die meisten Rohstoffe mit einem Anteil von jeweils 6 und 7,5 Prozent ähnlich gewichtet. Auch das unterscheidet diesen Index von den Standardindizes wie den BCOM.

Die Backwardation-only-Strategie

Darüber hinaus gibt es Indizes, die nur in Rohstoffe investieren, die eine positive Rollrendite bieten, also in Backwardation notieren. Notiert ein Rohstoff entlang der gesamten Terminkurve ausschließlich in Contango, wird keine Position eingegangen. Das kann zur Folge haben, dass solche Indizes in manchen Marktphasen nur wenige Rohstoffe halten.

Schwächen im Vergleich zur Konkurrenz zeigen Backwardation-Indizes, wenn die Rohstoffpreise an den Spotmärkten durch die Decke schießen. Das war beispielsweise 2007 so, als die Rohölpreise explodierten. Und auch 2009, als nach dem Preissturz eine fulminante Erholung an den Rohstoffmärkten einsetzte.

Rohstoffindizes im Vergleich

Wie haben sich nun die einzelnen Indexkonzepte in der Vergangenheit geschlagen? Das zeigt der folgende Vergleich von fünf Indizes auf Eurobasis:

Rohstoffindizes auf Eurobasis im Vergleich: Der DBLCI-OY Balanced hat die Nase vorn

Durchschnittliche Rendite
pro Jahr in Prozent
DBLCI-OY
Balanced
DBLCI
Mean Reversion
RICIBCOMS&P GSCI
1999 bis 200415,614,418,512,116,4
2005 bis 201014,213,85,13,4-2,5
2011 bis 2015-8,2-11,7-9,3-9,8-12,5
1999 bis 20157,55,85,02,20,5
2016 bis Juni 201613,78,48,811,17,4
Verlust Finanzkrise
2008 / 2009
-38,6-42,5-48,8-43,6-60,2
Volatilität14,515,017,215,121,7

Quelle: Bloomberg, Summit-Berechnungen, Stand: 30. August 2016.

Der DBLCI-OY Balanced lässt die Konkurrenz in fast allen Marktphasen deutlich hinter sich. Nur während des Rohstoff-Preisbooms von Anfang 1999 bis Ende 2004 waren der RICI und der S&P GSCI besser. Doch in den folgenden schwierigen Marktphasen mit heftigen Kurseinbrüchen geriet insbesondere der S&P GSCI unter die Räder. Unter dem Strich blieb über den Zeitraum von 17 Jahren (1999 bis 2015) nur ein dürftiges Plus von knapp einem halben Prozent pro Jahr. Zieht man die Kosten für ein Indexprodukt ab, mit dem Anleger in einen solchen Index investieren, war die jährliche Durchschnittsrendite negativ.

Dagegen erzielte der DBLCI-OY Balanced im selben Zeitraum eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent – eine gewaltige Differenz. Gleichzeitig blieb der Index während Crashphasen stabiler als die anderen vier Indizes, was sich auch in der niedrigeren Volatilität widerspiegelt. Somit bot der DBLCI-OY Balanced für langfristig orientierte Anleger nicht nur die höchste Rendite in der Vergleichsgruppe, sondern auch das beste Chance-Risiko-Verhältnis.

Dass das auch künftig so bleiben wird, dafür gibt es keine Garantien. Der Beobachtungszeitraum ist mit 17 Jahren recht kurz. Allerdings war diese Periode mit drei Aktienmarkt-Crashs auch eine Art Härtetest für die Rohstoffindizes. Der DBLCI-OY Balanced überstand ihn mit beachtlichem Erfolg. Im Vergleich zum Weltaktienmarkt, gemessen am MSCI World Total Return Net, schnitt der Rohstoffindex deutlich besser ab – trotz der Schwächephase der vergangenen Jahre.

DBLCI-OY Balanced im Vergleich zum Weltaktienmarkt

Quellen: MSCI, Bloomberg, Stand: 31. Mai 2016

Die Kosten von Rohstoffanlagen

Anleger können über börsengehandelte Indexfonds (ETF) oder Zertifikate in Rohstoffindizes investieren. Die Produkte sind allerdings teurer als sie auf den ersten Blick erscheinen. Denn neben den jährlichen Verwaltungskosten (TER) kassieren die Anbieter noch eine sogenannte „Indexgebühr“. Sie wird direkt von der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Total-Return-Index abgezogen. Die um die „Indexgebühr“ geschmälerte Indexrendite ziehen die Anbieter als Vergleichsmaßstab für ihre Indexprodukte heran. Für den unbedarften Anleger sieht es deshalb so aus, als liefere das Indexprodukt ziemlich genau die Wertentwicklung des Index abzüglich der TER. Aber das ist nicht der Fall.

Bei einem ETF der Deutschen Bank auf den DBLCI-OY Banlanced betragen die Gesamtkosten aus TER (0,55 Prozent) und Indexkosten (0,8 Prozent) zusammen 1,35 Prozent. Weil das für einen ETF recht viel ist, verschleiern die Emittenten die Gesamtkosten, damit sie ein günstiges Produkt vorzeigen können, das sehr nah am Index ist. Dass dieser Index um pauschale Kosten bereinigt ist und eigens für den Vergleich mit dem Anlageprodukt berechnet wird, dürfte den meisten Anlegern nicht bewusst sein.

Bei den in der obigen Tabelle genannten Renditen handelt es sich um die Wertentwicklung der Total-Return-Indizes. Von ihnen müssen noch die jährlichen Gesamtkosten abgezogen werden, um zu ermitteln, welches Ergebnis ein Privatanleger in der Praxis erzielt hätte. Mit einem ETF auf den DBLCI-OY Balanced wären das im Schnitt auf Eurobasis etwa 6 Prozent pro Jahr gewesen.

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