Ein passives Portfolio, das auf Dauer dem Risikoprofil eines Anlegers entsprechen soll, braucht Pflege. Die enthaltenen Anlageklassen müssen regelmäßig auf ihre anfangs gewählte Gewichtung zurückgesetzt werden. Ein solches sogenanntes Rebalancing senkt auf Portfolioebene die Wertschwankungen. Innerhalb einzelner Anlageklassen kann es für höhere Renditen sorgen.

Fast jeder hat schon einmal den Reset-Knopf gedrückt, wenn ein elektronisches Gerät nicht mehr so funktionierte, wie es sollte. Ein solcher Reset (zu Deutsch: zurücksetzen) versetzt ein System in einen definierten Anfangszustand. Anschließend läuft alles wieder wie gewohnt.

Auch ein gemischtes Anlageportfolio sollte regelmäßig in den Anfangszustand zurückversetzt werden, damit es nicht aus dem Gleichgewicht gerät. In der Finanzwelt heißt das nicht Reset, sondern Rebalancing. Dieses einfache, aber wirksame Konzept ist Teil der Risikosteuerung bei der Geldanlage. Es verhindert, dass sich einzelne Anlageklassen zu weit von ihrer ursprünglichen Gewichtung entfernen.

Die gewählte Portfolio-Struktur erhalten

Bevor Anleger sich für ein Portfolio entscheiden, sollten sie sich genau überlegen, welche Risiken sie tragen können – sowohl wirtschaftlich als auch mental. Davon hängt ab, wie das Anlagekapital in einem Portfolio zwischen sicheren Wertpapieren wie Staatsanleihen und riskanteren wie Aktien aufgeteilt wird. Je größer der Anteil von riskanten Anlageklassen, desto höher sind auch die Renditechancen. Dafür sind aber auch die Wertschwankungen und das Verlustrisiko größer.

Hat ein Anleger sein persönliches Risikoprofil und die dazu passende Portfoliomischung ermittelt, gilt es, die gewählte Struktur zu erhalten. Mit der Zeit verschieben sich die ursprünglichen Gewichte der einzelnen Anlageklassen und damit das Risiko des Gesamtportfolios. Denn mit der Zeit verschieben sich die ursprünglichen Gewichte der einzelnen Anlageklassen und damit das Risiko des Gesamtportfolios. Ursache sind unterschiedliche Wertentwicklungen. Historisch betrachtet waren Aktien die renditestärkste Anlageklasse. Das gilt heute umso mehr, weil Anleihen wegen des extrem niedrigen Zinsniveaus in den kommenden Jahren kaum noch Erträge abwerfen werden. Wenn aber der Aktienanteil wegen der höheren Renditen im Laufe der Zeit schneller wächst als der Anteil der Anleihen, ändern sich die Gewichte. Die Aktienquote nimmt zu, die Anleihenquote ab. Die höhere Aktienquote führt zu einem stärker schwankenden Portfolio, das nicht mehr dem Risikoprofil des Anlegers entspricht.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, ein gemischtes Anlageportfolio regelmäßig auf die ursprünglich gewählte Gewichtung zurückzusetzen. Dazu werden beispielsweise Anteile an gut gelaufenen Anlageklassen verkauft und zusätzliche Anteile an Märkten gekauft, die sich schlechter entwickelten. Mit solchen Umschichtungen wird das Chance-Risiko-Profil im Zeitablauf weitgehend konstant gehalten. Das ist das vorrangige Ziel von Rebalancing.

Rebabalancing zwischen verschiedenen Anlageklassen führt tendenziell zu niedrigeren Renditen

In der Vergangenheit gab es auch Marktphasen, in denen das regelmäßige Rebalancing eines gemischten Anlageportfolios zu höheren Renditen führte im Vergleich zu demselben Anfangsportfolio, das nie auf seine Startgewichtung zurückgesetzt wurde (Buy-and-hold-Strategie). Das war etwa von Anfang 1996 bis Ende 2013 am US-Markt der Fall. Ein jährlich rebalanciertes Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen brachte eine höhere Rendite von 0,27 Prozentpunkten pro Jahr. Gleichzeitig waren auch die Wertschwankungen (Volatilität) niedriger als bei einer Buy-and-Hold-Strategie.

Solche Resultate haben bei manchen Anlegern den Eindruck erweckt, Rebalancing sei eine Art Gewinner-Strategie, die eine zusätzliche Rendite bringt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Rebalancing nur unter bestimmten Bedingungen zu höheren Renditen führt. Doch das ist auf Anlageklassenebene eher die Ausnahme. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Rebalancing nur unter bestimmten Bedingungen zu höheren Renditen führt. Beispielsweise müssen die Marktschwankungen hoch und die Renditen der verschiedenen Anlageklassen ähnlich sein. So wie zwischen 1996 und 2013. In dieser Phase gab es je nach Definition wenigstens zwei Börsencrashs, während deren die Volatilität stark anstieg. Die Zinsen fielen in der Tendenz über den gesamten Zeitraum, was zu aktienähnlichen Gewinnen bei Anleihen führte.

Im Regelfall ist jedoch die Wertentwicklung eines gemischten Portfolios höher, das Anleger nie rebalancieren. Das zeigen verschiedene Studien und dieses Ergebnis drängt sich auch intuitiv auf. Denn während bei einem rebalancierten Portfolio der Aktienanteil nur wenig schwankt und im Zeitablauf weitgehend konstant bleibt, nimmt die Aktienquote bei einer Buy-and-hold-Strategie auf lange Sicht kräftig zu. Und ein Depot mit einem größeren Aktienanteil sollte langfristig eine höhere Rendite abwerfen.

Ein halber Prozentpunkt Renditeunterschied pro Jahr

Die Fondsgesellschaft Vanguard hat beispielsweise 10.000 zufällige Kursverläufe für ein globales Portfolios simuliert, das je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen bestand. Über einen Zeitraum von 30 Jahren warf das Buy-and-Hold-Portfolio in mehr als 70 Prozent der Fälle eine höhere Rendite ab als das jährlich rebalancierte Portfolio. Im Gesamtdurchschnitt brachte die Buy-and-Hold-Strategie 7,6 Prozent Rendite pro Jahr, ein rebalanciertes Portfolio nur 7,1 Prozent. Dafür war allerdings die Volatilität mit 9,2 Prozent niedriger als die des Buy-and-hold-Portfolios (11,9 Prozent). Setzt man die durchschnittlichen Renditen ins Verhältnis zu den Wertschwankungen, zeigt sich, dass die Rendite des rebalancierten Portfolios gemessen am eingegangenen Risiko im Schnitt höher ist. Anders ausgedrückt: Das Chance-Risiko-Verhältnis des rebalancierten Portfolios ist besser. Zu diesem Ergebnis kommen auch andere Studien.

Rebalancing-Bonus bei Aktienportfolios

Anders liegen die Dinge, wenn Anleger Rebalancing innerhalb einer Anlageklasse betreiben, die Wertpapiere mit ähnlichen Renditeerwartungen enthält, etwa bei Portfolios, die ausschließlich aus Aktien bestehen. In diesen Fällen führt Rebalancing zu höheren Erträgen, solange die Renditen der einzelnen Wertpapiere oder regionalen Aktienmärkte im Zeitablauf um einen Mittelwert herum schwanken. Das heißt auf Phasen mit hohen Renditen folgen Perioden mit niedriger und negativer Wertentwicklung – und umgekehrt. Statistiker nennen dieses Phänomen Regression zum Mittelwert (reversion to the mean).

Schwankungen um den Mittelwert: Jahresrenditen am US-Aktienmarkt

Quellen: Dimson, Marsh und Staunton, Liqid-Berechnungen, Stand: 31.Dezember 2015

In einem Aktienportfolio, in dem zum Beispiel vier börsengehandelten Indexfonds auf regionale Aktienmärkte gleichgewichtet sind, werden dann beim Rebalancing regelmäßig Anteile von den Fonds verkauft, die besonders gut gelaufen sind, und zusätzliche Anteile von denjenigen erworben, die sich schlechter entwickelten. Vereinfacht lässt sich das auf die Formel bringen: Billig kaufen, teuer verkaufen. Daraus resultiert die mit Rebalancing erzielte Zusatzrendite, die Fachleute auf etwa ein halbes Prozent pro Jahr beziffern und „Rebalancing-Bonus“ nennen. Allerdings: Wie immer an den Finanzmärkten gibt es auch für diesen Bonus keine Garantie. Ist das Marktumfeld ungünstig (niedrige Volatilität, hoher Gleichlauf zwischen den Märkten, lang anhaltende Auf- oder Abwärtstrends), kann sich Rebalancing über Jahre nicht bezahlt machen oder sogar ein Nachteil sein.

Zwischenfazit: Rebalancing zwischen einzelnen Anlageklassen auf Portfolioebene senkt die Volatilität, führt aber in der Regel zu niedrigeren Renditen. Innerhalb eine Anlageklasse sorgt Rebalancing dagegen für höhere Renditen, wenn das Marktumfeld stimmt (siehe oben).

Viele Rebalacing-Strategien – Ähnliche Ergebnisse

Finanzmarktforscher haben sich natürlich auch mit der Frage beschäftigt, wie Rebalancing in der Praxis am besten umgesetzt werden sollte. Prinzipiell bietet es sich an, entweder nach einem festgelegten Zeitplan, etwa monatlich, quartalsweise oder jährlich, zu rebalancieren oder Schwellenwerte festzulegen. Werden sie unter- oder überschritten, wird das Portfolio auf seine ursprüngliche Gewichtung zurückgesetzt. Denkbar sind auch Kombinationen aus Zeitintervall und Schwellenwert . Beispielsweise wird nur rebalanciert, wenn eine Anlageklasse nach einem Jahr 5 Prozent über oder unter der Ausgangsgewichtung liegt.

Welche Methode am vorteilhaftesten ist, darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Die Renditen und die Wertschwankungen liegen sehr dicht beieinander. Allerdings führt ein zu häufiges Rebalancing zu geringfügig niedrigeren Renditen, selbst wenn man die Kosten ausklammert, die für Käufe und Verkäufe von Wertpapieren anfallen. Zudem schlägt auch das Finanzamt zu, wenn Anleger Gewinne realisieren. Bei einem langfristigen Anlagehorizont wird der Steuerbetrag dem Portfolio vorzeitig entzogen, was sich ebenfalls nachteilig auf die Rendite auswirkt. Unter dem Strich hat sich unter Praktikern die Methode durchgesetzt, Portfolios einmal jährlich auf die Anfangsgewichtung zurückzusetzen oder Schwellenwerte so zu wählen, dass allzu häufige Eingriffe in das Portfolio nicht nötig sind.

Eine gute Strategie, um die Rebalancing-Kosten zu senken, ist die Verwendung von Dividenden und Zinseinnahmen für den zusätzlichen Ankauf von Wertpapieren, deren Gesamtwert unter die gewünschte Gewichtung gefallen ist. Auf diese Weise lassen sich Verkäufe vermeiden, bei denen Steuern fällig werden, und gleichzeitig die Handelskosten senken. Denselben Effekt erreichen Anleger, wenn sie regelmäßig in ihr Portfolio investieren und das frische Kapital für das Rebalancing verwenden. Denn die Wenigsten legen nur einmal in ihrem Leben einen großen Betrag an. Wer den Aufbau von Vermögen richtig angeht, steckt über ein ganzes Arbeitsleben immer wieder erspartes Geld in sein Portfolio.

Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.