Reform der Vergütungsverordnung

Mit dem Steuerberater übers Honorar verhandeln

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Gut versteckt – doch Journalisten haben sie entdeckt: die Reform der Vergütungsverordnung für Steuerberater (StBVV). Künftig dürfen die gesetzlich vorgeschriebenen Gebühren unter- aber auch überschritten werden. Über die Rechtsänderung müssen die Steuerberater unaufgefordert aufklären. Doch viele scheuen eine offene Diskussion übers Geld – und verstecken die Information.

Es lief gerade die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, da verabschiedete der Gesetzgeber von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt eine Reform, die es in sich hat. Verborgen in einer Mantelverordnung hat der Bundesrat am 17. Juni 2016 die StBVV so geändert, dass von dem ehemals starren gesetzlichen Korsett für die Abrechnung von Steuerberatergebühren allenfalls ein Torso übrig geblieben ist. Und das war auch nötig. Während die Standesorganisationen wie die Steuerberaterkammern weiterhin behaupten, dass die StBVV aus Verbraucherschutzgründen notwendig sei, sieht die Europäische Union diese deutsche Besonderheit ganz anders.

Mindestgebühr ist gestrichen

Sie leitete gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Stein des Anstoßes war eine in § 3 Abs. 1 StBVV vorgeschriebene Mindestgebühr von 10 Euro, die jetzt ersatzlos gestrichen wurde. In der Praxis spielte sie zum Beispiel bei der Lohnabrechnung oder Umsatzsteuer-Voranmeldungen für kleinere Unternehmen eine Rolle. Galt bis zum Inkrafttreten der neuen Verordnung am 23. Juli 2016 noch diese Mindestgebühr, muss in solchen Fällen nunmehr exakt abgerechnet werden, was zu geringeren Beratungskosten führen kann.

Vergütungsverordnung gilt nur in Deutschland

Außerdem gilt die StBVV jetzt nur noch in Deutschland. Lassen Sie sich beispielsweise in Ihrem Dauer-Urlaubsdomizil auf Mallorca von einem deutschen Steuerberater beraten, so ist dieser bei der Gebührenabrechnung nicht an die StBVV gebunden. Für Steuerberater aus der Schweiz oder Österreich, die in Deutschland tätig sind, gilt hingegen grundsätzlich die StBVV. Sie gibt wie bisher einen Gebührenrahmen vor, der jedoch neuerdings völlig legal unter- oder überschritten werden darf. Schon in der Vergangenheit hatte die StBVV den Steuerberatern einen großen Ermessenspielraum eingeräumt. Um Diskussionen zu vermeiden, orientierten sich bislang viele an der sogenannten Mittelgebühr, also dem mittleren Wert zwischen dem Mindest- und Höchstsatz laut Verordnung.

Wer selbst ein wenig Hand anlegt, kann Kosten sparen

Die für vermögende Kapitalanleger interessanteste Änderung aufgrund der StBVV-Reform: Der Steuerberater kann mit Ihnen bei außergerichtlichen Angelegenheiten eine Gebühr abweichend von der StBVV vereinbaren. Dazu benötigen Sie nicht einmal einen Vertrag oder eine Unterschrift, es genügt die Textform. Dies bedeutet, dass eine per Mail abgesprochene Summe, die Sie bestätigen, als vereinbart gilt.

Ergänzt wird die Neuregelung in § 4 Absatz 3 StBVV um die Passage, dass die Gebühr „in einem angemessenen Verhältnis zu der Leistung, der Verantwortung und dem Haftungsrisiko des Steuerberaters stehen“ muss. Wer dem Steuerberater wenig Arbeit macht, indem er selbst einiges vorarbeitet, beispielsweise Belege ordnet, selbst einscannt und als Dateien liefert, hat gute Argumente, um mit dem Steuerberater ein niedrigeres Honorar zu vereinbaren.

Viele Steuerberater haben Personalengpässe. Wenn Sie ihm Arbeit abnehmen und die Steuerangelegenheiten nicht allzu kompliziert sind, sollten Sie mit ihm über eine Gebührensenkung reden. Klären Sie, welche Vorarbeiten Sie selbst erledigen können. Wer weiterhin einen Schuhkarton mit ungeordneten Belegen abgibt, kann aber kein Entgegenkommen erwarten.

Informationspflicht des Steuerberaters

Über diese gesetzliche Änderung bei den Gebühren muss der Steuerberater Sie schriftlich aufklären. Die meisten werden dies wohl bei ihren Dauermandaten so bewerkstelligen, dass sie eine Klausel im Steuerberatungsvertrag, in den Allgemeinen Auftragsbedingungen (AAB) oder in einer Vollmacht aufnehmen – für viele möglicherweise unbemerkt. Falls Sie demnächst entsprechende Post oder Hinweise von Ihrem Steuerberater erhalten, nutzen Sie diese Gelegenheit, um mit ihm übers Honorar zu reden. Schließlich sind die Steuerberatungskosten auch nur eingeschränkt als Werbungskosten absetzbar; nämlich nur derjenige Teil, der mit Einkünften, zum Beispiel den Kapitalerträgen, im Zusammenhang steht.

Sie dürfen kaum erwarten, dass Ihr Steuerberater von sich aus dieses Thema ansprechen wird. Beim Deutschen Steuerberatertag in Dresden im Oktober 2016 mit rund 1.500 Teilnehmern wurde der Hauch von Preiswettbewerb, der nun in die Steuerberaterbranche einzieht, jedenfalls vorsorglich verschwiegen.

Mehr Informationen über Steuerberater-Vergütungen mit konkreten Berechnungsbeispielen finden Sie hier.

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