Analyse

Warum Trumps Wahlsieg die US-Wirtschaft beleben könnte

liqid.de
LIQID Investments GmbH

Donald Trumps Wahlsieg hat die Aktienmärkte nur für ein paar Stunden erschüttert. Denn setzt er tatsächlich die von ihm im Wahlkampf skizzierte Politik um, die auf eine höhere Inflation zielt, wären die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft eher positiv.

Donald Trump ist mit vielen Äußerungen politisch angeeckt und hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Deshalb wurde sein Interview vom 9. Mai bei CNN in den USA schnell wieder vergessen und in Europa gar nicht groß wahrgenommen. Ein weiterer Trump-Blödsinn, dachten die meisten. Dabei hat er an diesem 9. Mai eine Haltung offenbart, die ich durchaus als einen „Game Changer“ im Eiszeit-Szenario der säkularen Stagnation in Wirtschaft und Finanzmärkten bezeichnen würde. Gefragt, wie er denn gedenke mit den hohen Schulden der USA umzugehen, lautete Trumps Antwort: you print the money. Er selbst als Schuldenkönig wüsste wohl am besten, wie man mit Schulden umzugehen habe.

Trump hat damit als erster (potenzieller) Regierungschef eines G20-Landes offiziell den Einsatz der geldpolitischen Helikopter unterstützt. Mit der direkten Finanzierung der Staatsausgaben durch die Notenbank und einer perspektivischen Annullierung der aufgekauften Staatsschulden erhoffen sich Politiker und Volkswirte eine Überwindung der Eiszeit. Japan ist bereits sehr weit in dieser Richtung unterwegs, in Europa beginnt die Diskussion.

Historisch ist das übrigens keine Premiere. Zur Finanzierung des Bürgerkrieges haben die Nordstaaten unter Präsident Lincoln zinslose Treasury Notes ausgegeben, um Staatsausgaben zu finanzieren. In der Spitze betrug das Volumen der als „Greenbacks“ bezeichneten zinslosen und nicht zu tilgenden Notes immerhin 450 Millionen Dollar, was heute rund fünf Billionen entspricht. Der Vorteil, damals wie heute, ist neben der zinsfreien dauerhaften Finanzierung des Staates, dass die Geldmenge gesteigert wird, ohne auf das Bankensystem angewiesen zu sein.

Damit würden die USA wieder mehr Kontrolle über die Geldschöpfung erlangen, ein Thema, welches in Europa zur Zeit überhaupt nur in der Schweiz und in Island diskutiert wird, wo es Überlegungen gibt, auf ein Vollgeldsystem umzusteigen. In einem solchen Geldsystem wird das Geld nicht mehr von den Geschäftsbanken geschaffen, sondern nur noch von der Zentralbank. Unabhängig davon, wie man grundsätzlich dazu steht, dürfte es unmittelbar stimulierend wirken.

Ein weiterer Blick in die Geschichte – und zwar sowohl in die Zeit der großen Depression Historisch betrachtet ging es jenen Ländern wirtschaftlich am besten, die am erfolgreichsten eine Reflationierung erwirkten. wie auch in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts – zeigt, dass es jenen Ländern wirtschaftlich am besten erging, die am erfolgreichsten eine Reflationierung erwirkten – also einen deutlichen Anstieg des Preisniveaus, der dazu beiträgt, die Schuldenlast real zu entwerten. Je protektionistischer ein Land war und je schneller es schaffte, die eigene Währung zu entwerten, desto größer war der Erfolg. Ein Präsident Trump würde vermutlich genau diesen Weg beschreiten.

Eine Begrenzung der Zuwanderung dürfte zu steigenden Löhnen führen, protektionistische Eingriffe – wie auch immer begründet – zur Verlagerung von Produktion in die USA und zu tendenziell steigenden Preisen. Helikopter-finanzierte Konjunkturprogramme zu höherem Wachstum und – vermutlich – zu einer deutlichen Schwächung des US-Dollars, was wiederum Exporte fördert und Importe beschränkt. Macht Trump seine Drohung wahr, von den Verbündeten mehr militärische Eigenleistung zu fordern und die militärischen Aktivitäten im Ausland zurückzuführen, so hat auch dies eine belebende Wirkung für die USA.

Damit wären die USA das Land, welches am aggressivsten diesen Kurs verfolgt. Europa könnte darauf schon alleine aufgrund der Struktur des Eurosystems nicht oder nur sehr zeitverzögert regieren. Der Euro würde deutlich aufwerten, die Inflation weiter sinken. Die Spannungen in der Eurozone würden weiter zunehmen, und die Szenarien für eine Auflösung des Euro an Aktualität gewinnen.

Sollte Trump die hier diskutierten Maßnahmen tatsächlich umsetzen (können), wäre die Strategie US-Dollar verkaufen, Gold aufstocken. für Geldanleger klar: Dollar verkaufen; Aktien von US-Firmen, die von Konjunkturprogramm und Protektionismus profitieren, kaufen (abgesichert gegen Währungsverluste!); Gold aufstocken, weil Inflation dann deutlich wahrscheinlicher wird. Auch ein globales Aktien-Portfolio war historisch betrachtet auf lange Sicht eine gute Absicherung gegen steigende Konsumentenpreise.

Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.