Sollten Anleger in aktive Fonds investieren, bei denen Manager die Anlageentscheidungen treffen? Oder sind Indexfonds, die passiv die Wertentwicklung ganzer Märkte kopieren, die bessere Wahl? Die Statistik wirft ein schlechtes Licht auf Fondsmanager und spricht zunächst für Indexprodukte. Wer überdurchschnittliche Renditen erzielen will, kommt an gemanagten Fonds aber nicht vorbei. Bei der Auswahl liegen Privatanleger allerdings häufig daneben.

Wer mit Fonds in die internationalen Kapitalmärkte investieren möchte, hat die Wahl zwischen sogenannten aktiven und passiven Produkten. Aktive Fonds werden von einem Manager gesteuert. Er entscheidet in welche Wertpapiere das Geld der Anleger fließt. Dabei sind Fondsmanager in der Regel nicht völlig frei in ihren Entscheidungen. Den Rahmen steckt eine festgelegte Strategie ab. Ein Fonds, der laut Prospekt in amerikanische Aktien großer Unternehmen investiert, kann nicht plötzlich Papiere von kleinen europäischen Firmen kaufen.

Aktive Fonds verfolgen das Ziel, eine höhere Wertentwicklung zu erwirtschaften als ein Vergleichsindex, in der Finanzbranche Benchmark genannt. Solche Indizes bilden einzelne Marktsegmente oder ganze Märkte ab. Der Weltaktienindex MSCI World etwa fasst die Wertentwicklung der Aktienmärkte von 23 Industrieländern in einer einzigen Zahl zusammen. Der Index enthält mehr als 1600 Unternehmen. Für jedes Land bildet er etwa 85 Prozent des lokalen Aktienmarktes ab. Deswegen gilt der MSCI World als repräsentativer Marktdurchschnitt für die Industrieländer.

Ein aktiv gemanagter internationaler Aktienfonds, der sich auf diese Länder konzentriert, misst sich am MSCI World und versucht, diesen Index zu übertreffen. Fondsmanager sollen die Aktien mit den künftig besten Kursentwicklungen herauspicken. Dafür gibt es eine Vielzahl von Methoden. Kurz-, mittel- und langfristig gibt es immer Unternehmen in einem Index mit einer herausragenden Wertentwicklung und andere, deren Aktienkurse dagegen stagnieren oder sinken. Fondsmanager sollen die Aktien mit den künftig besten Kursentwicklungen herauspicken. Dafür gibt es eine Vielzahl von Methoden wie beispielsweise die fundamentale Unternehmensanalyse: Mit Hilfe von Kennzahlen wie Umsatz- und Gewinnentwicklung, Verschuldungsgrad und Marktstellung versuchen Fondsmanager entsprechend ihrer Strategie und Marktmeinung die Spreu vom Weizen zu trennen. Übrig bleibt dann meist ein konzentriertes Portfolio aus 50 bis 100 Aktien.

Anleger, die sich für passive Fonds entscheiden, gehen einen anderen Weg. Sie investieren in Indizes, kaufen also quasi ganze Märkte. Das geht mit klassischen Indexfonds und börsengehandelten Indexfonds, sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Sie kopieren Indizes wie den MSCI World, den amerikanischen S&P 500 und den deutschen Dax. Weil sie dafür keinen Manager brauchen, der Anlageentscheidungen trifft, werden klassische Indexfonds und ETF auch als passive Fonds bezeichnet. Im Vergleich zu aktiven Fonds sind sie sehr günstig und relativ transparent. Abzüglich der Verwaltungskosten schneiden Anleger mit ihnen immer ähnlich wie der jeweilige Markdurchschnitt ab.

Nur wenige Fondsmanager schlagen den Markt

Das klingt zunächst nicht sonderlich attraktiv. Doch ein Blick auf die Wertentwicklung von aktiv gemanagten Fonds lässt die passive Konkurrenz in einem strahlenden Licht erscheinen. Denn die meisten Fondsmanager, die laut dem Wirtschaftsmagazin Economist in den USA im Schnitt 690.000 Dollar pro Jahr verdienen, sind ihr Geld nicht wert. Sie schaffen es nicht, ihre Vergleichsindizes zu übertreffen. Das belegen zahlreiche Studien.

Einen fortlaufenden Test liefert etwa der Indexanbieter S&P Dow Jones. Das Unternehmen vergleicht regelmäßig die Wertentwicklung von aktiven Fonds mit der von Marktindizes. Die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung zu den Leistungen europäischer Aktienfondsmanager stellen erneut deren Existenzberechtigung in Frage. Nur sehr wenige waren über einen Zeitraum von zehn Jahren in der Lage, eine höhere Rendite als der Marktdurchschnitt zu erzielen. Von den global anlegenden aktiven Aktienfonds scheiterten fast 98 Prozent an ihrem Vergleichsindex. Auf dem US-Markt sogar nahezu 99 Prozent und in den Schwellenländern 97 Prozent (siehe Tabelle). Anders formuliert: In 97 von 100 Fällen waren Anleger, die in die Schwellenländer investieren wollten, mit einem Aktien-ETF besser beraten.

Anteil europäischer Aktienfonds, die schlechter als ihr Vergleichsindex abschnitten (Berechnung in Euro)

FondskategorieVergleichsindexVergleichszeitraum
1 Jahr3 Jahre5 Jahre10 Jahre
Aktien EuropaS&P Europe 35031,9%63,8%80,6%86,3%
Aktien EurozoneS&P Eurozone BMI57,9%84,8%88,4%91,4%
Aktien GlobalS&P Global 120073,6%89,4%96,4%97,8%
Aktien SchwellenländerS&P/IFCI74,9%82,3%89,1%97,0%
Aktien USAS&P 50083,9%93,4%97,2%98,9%
Aktien DeutschlandS&P Germany BMI46,2%63,7%71,9%79,1%

Quelle: S&P Dow Jones Indices: SPIVA® Europe Scorecard, Stand: 31. Dezember 2015.

Die verheerende Bilanz schlägt sich natürlich im direkten Renditevergleich nieder. Im Durchschnitt liefern in Europa zugelassene aktive Aktienfonds eine geringere Rendite als der breite Markt. Im Segment Aktien Global erwirtschafteten sie über einen Zeitraum von zehn Jahren nur halb so viel wie der Vergleichsindex. Die Differenz beträgt mehr als 3 Prozentpunkte pro Jahr (siehe Tabelle).

Das ist gewaltig, wenn man das Endvermögen betrachtet: Wer vor zehn Jahren 100.000 Euro in einen durchschnittlichen aktiven globalen Aktienfonds investiert hätte, wäre auf einen Endbetrag von knapp 140.000 Euro (vor Steuern) gekommen. Ein Indexinvestment hätte sich dagegen auf rund 185.000 Euro summiert – 45.000 Euro mehr. Aufgrund des Zinseszinseffekts wächst die Differenz exponentiell mit zunehmender Laufzeit. Nach 35 Jahren beträgt sie 535.000 Euro. Schon eine kleinere Renditedifferenz von 1 Prozent führt über die Jahre zu deutlichen Vermögensunterschieden.

Durchschnittliche Wertentwicklung* europäischer Aktienfonds im Vergleich zum jeweilgen Index (Berechnung in Euro, Angaben pro Jahr)

Fondskategorie / VergleichsindexVergleichszeitraum
1 Jahr3 Jahre5 Jahre10 Jahre
Aktien Europa13,8%13,0%8,4%4,0%
S&P Europe 3508,6%12,3%9,2%4,9%
Aktien Global8,3%13,1%8,0%3,3%
S&P Global 120010,4%16,9%12,4%6,5%
Aktien Schwellenländer-5,0%-0,7%-2,0%2,7%
S&P/IFCI-2,4%1,5%0,5%5,6%
Aktien USA7,7%18,6%12,8%5,1%
S&P 50012,9%22,8%17,4%8,2%
Aktien Deutschland14,5%13,5%9,4%6,6%
S&P Germany BMI11,4%13,4%10,0%7,4%
*Alle Aktienfonds der jeweiligen Kategorie gleich gewichtet.

Quelle: S&P Dow Jones Indices: SPIVA® Europe Scorecard, Stand: 31. Dezember 2015.

Bessere Ergebnisse bei eingeschränktem Fonds‑Universum

Finanzmarktforscher führen die schlechte Durchschnittsbilanz aktiver Aktienfonds vor allem auf deren vergleichsweise hohen Kosten zurück. Für die Verwaltung verlangen sie in der Regel zwischen 1,5 und 2 Prozent des Fondsvermögens pro Jahr. ETF auf die großen Aktienmärkte wie USA und Europa sind dagegen schon für jährlich 0,2 Prozent zu haben. Allerdings sind die Kosten offensichtlich nur ein Faktor unter vielen. Die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard hat die Wertentwicklung von aktiven Fonds zwischen 2000 und 2014 untersucht und dabei angenommen, die Verwaltung wäre kostenlos. Zwar verbesserte sich durch diese rein hypothetische Annahme das Durchschnittsergebnis deutlich, doch unter dem Strich schnitt die überwältigende Mehrheit der Fonds immer noch schlechter als ihr Vergleichsindex ab.

Auch das Ausklammern kleiner aktiver Fonds aus der Grundgesamtheit oder die Gewichtung aller Fonds entsprechend ihres verwalteten Anlagekapitals führen zu besseren Durchschnittsrenditen. Denn häufig waren kleine Fonds wegen fortgesetzter Erfolglosigkeit nicht in der Lage, Anlegergelder in nennenswerter Höhe einzusammeln und zu vermehren.

Ein weiterer Faktor, der in Untersuchungen wie der von S&P Dow Jones unberücksichtigt bleibt, ist der wachsende Anteil heimlicher Indexfonds. Das sind aktive Fonds, die ihre Anlagestrategie eng am Vergleichsindex ausrichten – in der Regel aus Angst vor Fehlentscheidungen, die den Job kosten könnten. Das Problem: Aktive Fonds, die am Vergleichsindex kleben, können wegen ihrer hohen Kosten nur deutlich schlechter abschneiden. Damit ziehen sie den Schnitt aller aktiven Fonds nach unten. Bleiben die getarnten Indexfonds in der Statistik unberücksichtigt, verbessert sich die Durchschnittsleistung der Fondsmanager-Kaste.

Auch zeigten Fondsmanager in manchen Nischenmärkten in der Vergangenheit passable Leistungen: Im Bereich kleiner und mittlerer unterbewerteter Unternehmen, sogenannter Value-Aktien, erwirtschaften sie im Schnitt höhere Renditen als der Vergleichsindex. Davon haben Anleger allerdings relativ wenig, weil solche Spezialfonds nur einen kleinen Teil in einem Anlage-Portfolio ausmachen sollten.

Privatanleger setzen auf die falschen Fonds

Das Fundament eines Depots bilden sogenannte Standardaktien mittlerer und größerer Unternehmen, und in diesem Segment bleibt die Wahrscheinlichkeit gering, dass Privatanleger einen herausragenden aktiven Fonds erwischen. Denn sie orientieren sich in aller Regel an Fondsranglisten, die auf der Wertentwicklung der vergangenen drei oder fünf Jahre beruhen. Die Fonds, die die höchsten Renditen erzielten, stehen oben – und werden von Privatanlegern gekauft.

Doch am Aktienmarkt geht es nicht zu wie in der Bundesliga, wo sich einzelne Vereine relativ konstant an der Spitze halten. In der Fondsbranche sind die Gewinner von heute, oft die Verlierer von morgen. Auch das belegen zahlreiche Untersuchungen. In der Fondsbranche sind die Gewinner von heute, oft die Verlierer von morgen. Auch das belegen zahlreiche Untersuchungen. Beispielsweise hat das Multi Family Office HQ Trust die Wertentwicklung von 120 global anlegenden aktiven Aktienfonds untersucht. Von 2005 bis Ende 2007 schafften es immerhin 50 den Vergleichsindex MSCI World zu übertreffen. Von diesen 50 gelang es im darauffolgenden Jahr aber nur noch acht, eine überdurchschnittliche Rendite zu liefern. Der Fonds, der 2007 den ersten Platz belegt hatte, schmierte in dem folgenden Krisenjahr desaströs ab: Die Wertentwicklung lag 22 Prozent unter dem MSCI World. Auch eine Diversifizierung hätte nichts gebracht. Anleger, die ihr Vermögen zu gleichen Teilen in die zehn besten Fonds investierten, spielten in den nächsten vier Jahren in der zweiten Liga.

Zahlen von S&P Dow Jones sind noch deprimierender: Danach schafften es von Herbst 2009 bis Herbst 2014 nur 9 von anfangs 706 aktiven US-Aktienfonds sich in jedem Jahr unter den besten 25-Prozent zu halten. Nicht umsonst ist die Finanzindustrie dazu verpflichtet, ihre Kunden darauf hinzuweisen, dass „die Wertentwicklung der Vergangenheit kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung“ ist. Das steht zwar unter jeder Darstellung historischer Renditen, wird aber von Privatanlegern zu wenig ernst genommen.

Eine einfache Methode, mit der sich im Vorfeld mit Sicherheit feststellen lässt, welche aktiven Aktienfonds ihren Vergleichsindex hinter sich lassen werden, gibt es nicht. Vielmehr beruht eine aussichtsreiche Fondsauswahl auf einem mehrstufigen, aufwendigen Verfahren, an dessen Anfang die Frage steht, welche Strategien in den kommenden Jahren eine überdurchschnittliche Rendite liefern könnten. Am Ende fällt die Wahl unter Umständen auf Fonds, die in der jüngeren Vergangenheit miserabel im Vergleich zum Gesamtmarkt abgeschnitten haben.

Keine Anlagestrategie funktioniert immer. Aber es gibt in jedem Marktumfeld immer Strategien, die besser abschneiden werden als andere. Die große Schwierigkeit besteht darin, diese Strategien zu antizipieren und Fondsmanager zu finden, die sie exzellent umsetzen. Das erfordert viel Fachwissen, Erfahrung und Zeit.

Wer überdurchschnittliche Renditen anstrebt und dabei auf aktive Fonds setzen will, sollte die Auswahl deshalb besser ausgewiesenen Fachleuten überlassen. Allerdings ist auch ihre Expertise keine Garantie für den Erfolg. Wer nicht davon überzeugt ist, dass Spezialisten gute Fondsmanager identifizieren können, liegt mit einem Portfolio aus klassischen und börsengehandelten Indexfonds richtig.

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