Warum haben Sie LIQID gegründet?

„Wir wenden uns an anspruchsvolle Anleger“. LIQID-CEO Christian Schneider-Sickert über seine Motivation, einen digitalen Vermögensverwalter ins Leben zu rufen.

Herr Schneider-Sickert, wann und wo kam Ihnen die Idee zu LIQID?

Ich habe 20 Jahre für Unternehmen wie Goldman Sachs und Bertelsmann gearbeitet und war dadurch beruflich natürlich sehr stark gefordert. Ich hatte deshalb nie Zeit, mich strategisch und zielorientiert um mein Geld zu kümmern. Als ich nach vielen Jahren im Ausland nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich mich umgesehen und musste feststellen, dass es hierzulande keinen Anbieter gab, der meinen Bedürfnissen entsprach. Das hat mich sehr gewundert, denn es musste doch in Deutschland noch mehr Menschen wie mich geben, die sich bei der Geldanlage nicht vernünftig aufgehoben fühlen.

Sie wollten also beweisen, dass es auch anders geht?

Aus dieser prägenden Erfahrung entstand tatsächlich die Idee, die Lücke füllen zu wollen. Denn ich bin ein Mensch, der Dinge nicht einfach so akzeptiert. Dank der Fortschritte der Digitalisierung ließ sich das Projekt überraschend schnell und unkompliziert umsetzen. Daraus wurde dann LIQID. Seit gut drei Jahren sind wir nun mit großem Erfolg am Markt.

Es gibt doch an jeder Ecke eine Bank. Und auch Vermögensverwalter gibt es jede Menge. Da hat man auf einen neuen Anbieter doch nicht gewartet?

Tatsache ist, dass Privatanleger in Deutschland in Sachen Geldanlage eher Konventionelles angeboten bekommen. Vielfach werden die Banken und Finanzinstitute den Wünschen ihrer Kunden einfach nicht mehr gerecht. Die meisten Anleger verfügen aber wiederum nicht über genügend Kapital für einen klassischen Vermögensverwalter, bei dem man mindestens 500.000 Euro oder eine Million Euro mitbringen muss. Für solche anspruchsvolle Anleger haben wir LIQID gegründet.

Ist das Ihr Unterscheidungsmerkmal?

Genau. Als digitaler Vermögensverwalter wollen wir eine Alternative zum traditionellen Vermögensverwalter oder zur Privatbank sein. Ich habe mich dabei auch von meinen Erfahrungen in England inspirieren lassen, wo ich lange gelebt und studiert habe. Dort hat die digitale Vermögensverwaltung, wie auch in den USA, eine viel längere Tradition als in Deutschland.

Was hat Sie dazu bewogen, eine hoch dotierte Führungsposition bei Bertelsmann aufzugeben, um sich selbstständig zu machen?

Ich trage gewissermaßen das Unternehmer-Gen in mir: Schon kurz nach dem Studium habe ich ein Unternehmen gegründet, das sich auf die Veröffentlichung von Länderberichten über Schwellenländer spezialisiert hat. Das war eine spannende Zeit: Ich konnte verschiedene interessante Länder bereisen und die dortigen wirtschaftlichen Strukturen analysieren. Das Unternehmen gibt es übrigens noch heute. Ich war aber von Anfang an vom Erfolg unserer Mission überzeugt.  

Ist es nicht ein Risiko, mit Mitte 40 alles aufzugeben und ein Startup zu gründen, das eine bis dahin völlig neue Dienstleistung anbietet?

Natürlich ist ein solcher Schritt immer auch ein Wagnis. Ich hatte aber von Anfang an überhaupt keine Zweifel, dass wir mit unserer Mission Erfolg haben würden. Wir haben uns ja auch gleich zu Beginn einen denkbar starken Partner ins Haus geholt: HQ Trust, das Family Office der Familie Harald Quandt, das auch an uns beteiligt ist. Ein rund 20-köpfiges erfahrenes Investmentteam trifft dort die Anlageentscheidungen, die wir für unsere Kunden umsetzen. Diesen Aufwand können wir nur leisten, weil wir die Mindestanlagesumme relativ hoch ansetzen.

Wie würden Sie Ihr Angebot beschreiben?

Wir bieten anspruchsvollen Anlegern ab 100.000 Euro eine vertrauensvolle, professionelle und kostenbewusste Vermögensverwaltung, die bankenunabhängig und transparent ausschließlich im Interesse ihrer Kunden agiert. Das gelingt uns, weil wir zahlreiche Prozesse digitalisieren und automatisieren und damit unsere Kosten niedrig halten.

Wie groß ist Ihre Zielgruppe?

Sie ist deutlich größer als man denken könnte. Wir schätzen sie allein in Deutschland auf rund vier Millionen Menschen. Wir verstehen es als unsere Mission, möglichst viele von ihnen zu überzeugen, ihr Vermögen so anzulegen, wie sie es verdienen – am besten mit uns.

Warum sollten sich diese Menschen an LIQID wenden? Bei anderen digitalen Vermögensverwaltern geht es schon ab 1.000 oder 10.000 Euro los.

Wir haben die Mindestanlagesumme bewusst bei 100.000 Euro angesetzt, weil unser Angebot weit über das hinaus geht, was digitale Vermögensverwalter normalerweise anbieten: von aktiven, passiven und nachhaltigen Anlagestrategien bis hin zu Private Equity.  

Worin besteht konkret der Mehrwert Ihres Angebots?

Unser Kernangebot besteht aus unserer mehrfach preisgekrönten Vermögensverwaltung, bei der wir das Geld unserer Kunden an den Kapitalmärkten investieren – und zwar im Wesentlichen über ausgewählte Investmentfonds. Anleger können dabei selbst definieren, wie das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen sein soll und können zwischen drei verschiedenen Anlagestilen wählen. LIQID Global und LIQID Impact investieren weltweit breit gestreut in börsengehandelte Indexfonds (ETFs), wobei letzterer nachhaltige Kriterien berücksichtigt und im Anleihenbereich auch aktive Fonds einsetzt. Ein Rebalancing-Algorithmus sorgt dafür, dass die ursprünglich gewählte Quote zwischen Aktien und Anleihen stets im Gleichgewicht bleibt. LIQID Select setzt sowohl im Aktien- als auch im Anleihenbereich auf ETFs und auf aktive Fonds. Denn diese können, gezielt eingesetzt, in manchen Branchen und Märkten einen Mehrwert bieten. In einigen Situationen über- oder untergewichtet unser Investment-Team kurzfristig die Aktienquote, um Marktchancen zu nutzen.

Kann man das alles als Anleger nicht auch selbst tun?

Im Prinzip schon. Aber wenn Sie es vernünftig machen wollen, brauchen Sie dafür sehr viel Zeit und müssen sich mit der Materie genau auskennen. Die meisten unserer Kunden sind beruflich stark beansprucht und verfolgen ihre eigenen Projekte mit Leidenschaft. Sie haben einfach nicht die Zeit oder die Muße, sich selbst um ihr hart verdientes Geld zu kümmern. Damit beauftragen sie lieber uns. Denn sie wissen, dass es bei uns in guten Händen ist. Das sehen auch unabhängige Experten so. Das Finanz- und Wirtschaftsmagazin Capital zum Beispiel hat uns im August 2019 zum besten digitalen Vermögensverwalter und im September 2019 sogar zum besten Vermögensverwalter überhaupt in Deutschland gekürt. Und in den Performance-Ranglisten des unabhängigen Rating-Instituts firstfive belegen wir regelmäßig Spitzenplätze.

Viele Anleger Ihrer Zielgruppe scheuen Anlageformen wie Aktien, die bei LIQID einen Schwerpunkt bilden. Wie wollen Sie potenziellen Kunden die Angst vor dem Kapitalmarkt nehmen?

Hier müssen wir, aber auch andere, noch viel Aufklärungsarbeiten leisten, keine Frage. Entscheidend ist, dass sich durch die niedrigen Zinsen die Rahmenbedingungen bei der Geldanlage völlig verändert haben. Wenn Sie vernünftig fürs Alter vorsorgen möchten, kommen Sie heute am Aktienmarkt nicht mehr vorbei. In der Vergangenheit hat ein breit aufgestelltes Portfolio aus Aktien- und Anleihenfonds, wie Sie es bei uns bekommen, über längere Zeiträume fast immer attraktive Renditen eingebracht. Mit unserem ausgeklügelten Risikomanagement sorgen wir zudem dafür, dass die Schwankungen geringer ausfallen, ohne damit die Renditechancen zu beeinträchtigen.

Vermögensverwaltung ist aber mehr als nur Fonds zu managen. Was bieten Sie darüber hinaus an?

Ab 200.000 Euro können erfahrene Anleger bei uns in Private Equity investieren, also in ausgewählte private Unternehmensbeteiligungen. Mit Private Equity sind die Renditeaussichten noch höher als am Aktienmarkt. Dank unseres Partners HQ Trust eröffnen wir für unsere Kunden Zugang zu den besten Private-Equity-Fonds. Darüber hinaus haben wir ab 200.000 Euro auch unternehmerische Immobilienbeteiligungen im Angebot – auch Private Equity Real Estate genannt. Das sind Investments, die ganz anders bei der Auswahl und dem Management der Objekte vorgehen als Immobilienfonds für Privatanleger.

Muss man als Kunde bei einem digitalen Anbieter im Vergleich zu einer klassischen Privatbank beim Service Abstriche machen?

Keineswegs. Unsere Mitarbeiter sind tagsüber jederzeit per Telefon, Chat oder E-Mail erreichbar. Auch erhalten unsere Kunden alle drei Monate einen detaillierten Quartalsbericht über die Entwicklung ihres Vermögens und können jederzeit online den aktuellen Stand einsehen.

Das Produktangebot ist das eine. Was unterscheidet den LIQID-Ansatz noch von anderen digitalen Vermögensverwaltern?

Da sind in erster Linie unsere rund 70 Mitarbeiter: Alles bestens ausgebildete Menschen jeden Alters, mit den unterschiedlichsten Hintergründen aus allen Regionen der Welt. Und alle ziehen an einem Strang – so wie in einem Ruderboot, das voller unterschiedlicher Charaktere besetzt ist, die aber alle nur eines wollen: gemeinsam als erste durchs Ziel gehen.

Diesen Vergleich haben Sie jetzt nicht zufällig gewählt. Sie sind ein passionierter Ruderer.

Richtig. Meine Leidenschaft fürs Rudern habe ich während meines Studiums in Oxford entdeckt. Britische Universitäten fördern solche Mannschaftssportarten, weil das im Berufsleben weiterhilft. Wer als Einzelkämpfer versucht, Dinge durchzuboxen, erlebt herbe Enttäuschungen. Wenn Sie Ihre Mannschaft dagegen mitnehmen und für dasselbe Ziel begeistern, dann können Sie es sehr weit bringen. Das gilt im Sport wie im Job.

Wie würden Sie das Arbeitsklima bei LIQID beschreiben?

Es ist unheimlich positiv, kreativ und zielorientiert. Und das spüren auch die Kunden, wenn sie zum Beispiel mit uns in Kontakt treten. Wir treffen damit, glaube ich, einen Nerv. Und wir treten nicht auf der Stelle. Wir entwickeln uns immer weiter, arbeiten stetig an neuen Angeboten, um unseren Kunden noch mehr bieten zu können und unseren Service zu verbessern. Unsere Kunden sind auch so: Leistungsträger, die über das hinaus gehen, was eigentlich von ihnen gefordert wird. Diese Menschen verdienen es, dass wir uns bei der Verwaltung ihres Vermögens genauso viel Mühe geben, wie sie es täglich mit ihrer eigenen Arbeit tun.

Verraten Sie uns doch einmal, was Sie noch im Köcher haben?

Ich kann natürlich nicht en Detail über alle unsere Pläne sprechen. Aber ich kann Ihnen zum Beispiel verraten, dass wir Anlegern demnächst anbieten werden, ihr Geld auch als Tages- und Festgeld zu sehr attraktiven Konditionen bei uns zu parken – für kurze Zeit oder auch für länger. Außerdem werden wir verstärkt auch den persönlichen Kontakt zu Anlegern suchen. Denn es gibt noch immer Menschen, die sich bei der Geldanlage wohler fühlen, wenn Sie sich persönlich davon überzeugen können, dass hinter LIQID nicht nur Maschinen stecken, sondern auch zahlreiche Menschen aus Fleisch und Blut.

Wie sehen Ihre langfristigen Ziele für LIQID aus?

Wir glauben, dass traditionelle Vermögensverwalter, die nicht auf die Digitalisierung setzen, nur noch eine Nische bleiben werden. Die Zukunft gehört Unternehmen mit schlanken Prozessen, wie wir eines sind. Als einer der ersten digitalen Anbieter am Markt und durch unsere Fokussierung auf eine anspruchsvolle Zielgruppe sind wir bestens aufgestellt. Wir wollen möglichst bald die Gewinnzone erreichen und weiterhin stark wachsen, möglicherweise auch über eine internationale Expansion. Denn anspruchsvolle Anleger, die das Bedürfnis nach einer Dienstleistung haben, wie wir sie bieten, gibt es auch in anderen Ländern. Wir möchten uns als feste Größe in der Welt der Finanzdienstleister etablieren.

 

Das Gespräch führte Sebastian Wolff.

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