Wie Portfolio-Rebalancing Anleger in turbulenten Zeiten schützt

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig regelmäßiges Rebalancing des Portfolios ist. Auch wenn alle Depots vorübergehend an Wert verloren: Mit der richtigen Asset Allocation ließen sich Verluste begrenzen und nach der Krise schneller wieder aufholen als mit anderen Anlagestrategien.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rebalancing bedeutet, dass in einem Wertpapier-Portfolio regelmäßig Vermögenswerte wie Aktien und Anleihen gekauft und verkauft werden.
  • Rebalancing erfolgt immer dann, wenn ein Depot nicht mehr der ursprünglich gewählten Strategie entspricht.
  • Auch Anleger, die ihr Depot selbst verwalten, sollten ihre Investitionen regelmäßig auf den Prüfstand stellen.

Wir schreiben den Januar 2020. Die Börsen florieren, die Kurse vieler Aktien befinden sich auf Rekordhochs. Aus China hört man zwar Nachrichten über ein neues, hoch ansteckendes Virus. Aber dass es sich weltweit ausbreiten und das Leben nachhaltig verändern wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt kaum jemand.

Nur wenige Wochen später kommt es zu dem Szenario, das sich bis dahin niemand vorstellen konnte: Corona wird zur Pandemie. Das Virus verbreitet Angst in der Bevölkerung, legt den weltweiten Handel lahm und löst eine Wirtschaftskrise aus. Als Folge brechen die Aktienmärkte ein. Die Kurse fast aller Wertpapiere fallen – besonders stark sind Unternehmen aus der Tourismusbranche betroffen.

Die meisten Anleger, die ihre Entscheidungen selbst treffen, mussten in den Wochen mit ansehen, wie sich die Kursverluste ungebremst auf ihren Depotwert auswirkten, weil sie keine konkrete Risikoabsicherungsstrategie verfolgten. In derartigen Situationen sind Anleger im Vorteil, die ihr Vermögen von Experten verwalten lassen, die intelligente Absicherungsstrategien anwenden. Dazu gehört unter anderem das Portfolio-Rebalancing.

Rebalancing hält das Depot in der Waage

Grundsätzlich galt natürlich sowohl für selbst- als auch für fremdverwaltete Depots: Je höher die Aktienquote zu Beginn der Konsolidierung war, desto höher fielen auch die Verluste für die Anleger aus. Intelligente Anlagestrategien steuern die Aktienquoten in den Depots jedoch so, dass die Risiken für den Anleger immer unter Kontrolle bleiben.

Wie Rebalancing funktioniert, lässt sich am besten anhand eines Beispiels erläutern. Nehmen wir an, ein Anleger hat ein LIQID Global-50-Depot, das vereinfacht ausgedrückt aus rund 50 Prozent Aktien-Indexfonds (ETFs) und 50 Prozent Anleihen-ETFs besteht. Steigen nun die Aktienkurse über einen längeren Zeitraum kräftig, wie das bis Mitte Februar 2020 der Fall war, steigt automatisch auch der Aktienanteil im Portfolio.

Ohne Rebalancing wären die Verluste in den Depots zu Beginn der Coronakrise deutlich höher ausgefallen.

 

Das bedeutet, dass die Portfolioaufteilung im Zeitverlauf von der ursprünglich festgelegten Anlagestruktur, der strategischen Asset Allocation, abweichen kann. Sobald gewisse Schwellenwerte erreicht sind, greift jedoch ein von LIQID entwickelter Algorithmus ein. Er verkauft automatisch Aktien-ETFs zugunsten von Anleihen-ETFs. Auf diese Weise wird der Aktienanteil im Portfolio regelmäßig auf die gewählten 50 Prozent zurückgefahren.

Klare Vorteile für Anleger

Ohne Rebalancing wäre der aktienbasierte ETF-Anteil in dem beispielhaft gewählten Global-50-Depot je nach Startzeitpunkt über die Jahre vielleicht auf 70, 80 oder gar 90 Prozent angestiegen. Das Verhältnis von Aktien und Anleihen hätte also nicht mehr zur ursprünglich gewählten Strategie gepasst.

Erhalten Sie alle Details zu LIQIDs preisgekrönten Anlagestrategien, Portfoliostrukturen, Kosten und Renditechancen.

Jetzt mehr erfahren

Damit wären die Verluste in diesem Depot seit Beginn der Kursschwäche Mitte Februar ungleich höher ausgefallen als es tatsächlich der Fall war. Der LIQID-Algorithmus hat also permanent für eine Begrenzung der Risiken gesorgt, was sich in der Konsolidierungsphase an den Märkten ausgezahlt hat.

Für seine Performance in Krisenzeiten hat das Wirtschaftsmagazin Capital LIQID im Test unter Vermögensverwaltern mit der Höchstpunktzahl ausgezeichnet. „Die Berliner haben bewiesen, dass ihre Strategie auch eine Krise besteht“, urteilten die Tester. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die transparente Gebührenstruktur, während die Verwaltungskosten bei Banken häufig wenig transparent kommuniziert werden.

Warum Value at Risk riskanter ist

Nicht alle Anbieter setzen indes auf Portfolio-Rebalancing. Eine andere gerne angewandte Strategie nennt sich Value at Risk (VaR). Es handelt sich um ein dynamisches (oder quantitatives) Risikomodell, das zu stark schwankenden Aktienquoten in den Portfolios führt. Konkret wird die Aktienquote bei der VaR-Strategie in Zeiten mit geringen Kursschwankungen hochgefahren und in Zeiten mit hohen Schwankungen deutlich reduziert. Die Idee dahinter: Gewinne werden laufen gelassen und Verluste werden begrenzt.

Doch was sich erfolgversprechend anhört, hat in der Praxis seine Tücken. Denn in Phasen steigender Aktienkurse ist die Volatilität (also die Kursschwankungen) tendenziell relativ gering, in Konsolidierungsphasen schnellt sie dagegen meist hoch. So auch im Februar 2020: Als die Aktienmärkte weltweit noch auf Rekordniveau standen, war die Volatilität an den Börsen außerordentlich niedrig. Die Anbieter, die auf die VaR-Strategie setzen, hatten ihre Aktienquoten also entsprechend hochgefahren.

Als die Kurse dann stark fielen, interpretierte der Algorithmus die steigende Volatilität als Signal, um Aktien zu verkaufen. Da war es dann allerdings schon zu spät – und so erwischte es die Kunden der Anbieter mit der einsetzenden Konsolidierung der Aktienmärkte überproportional stark.

Unterschiede bei den zu erwartenden Renditen

Während das Rebalancing also eine antizyklische Anlagephilosopihie verfolgt, bei der Aktien möglichst teuer verkauft und nach Konsolidierungen günstig zurückgekauft werden, führt ein Value-at-Risk-Ansatz zu einem gegenteiligen, prozyklischen Verhalten: In positiven Marktphasen werden Aktien teuer gekauft und bei sinkenden Kursen verkauft und Verluste somit realisiert.

Wie problematisch die Value-at-Risk-Strategie für Anleger ist, verdeutlicht auch eine Studie des renommierten Instituts für Vermögensaufbau in München. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Risiken bei Value at Risk deutlich höher sind als beim Rebalancing. Dieses höhere Risiko werde aber nicht durch entsprechend höhere Renditen für Value at Risk kompensiert. Im Gegenteil: Die Renditen von Rebalancing-Strategien seien höher.

„Die simulierte Risikostreuung (gemeint ist Value at Risk) weist über alle Zeiträume hinweg höhere Risikokennzahlen auf als der Rebalancing-Ansatz“, heißt es in der Studie. Und weiter: „Selbst nach einer Haltedauer von zehn Jahren können bei der volatlitätsgesteuerten Anlagestrategie noch relevante Verlustrisiken gemessen werden, während beim Rebalancing-Ansatz nach einer Haltedauer von zehn Jahren nur noch überschaubare Verluste plausibel erscheinen.“

Deutlicher hätten die Autoren der Studie die Defizite von Value at Risk und die Überlegenheit von Portfolio-Rebalancing kaum zum Ausdruck bringen können.

Erstellen Sie sich in wenigen Minuten Ihren persönlichen Anlagevorschlag.

Anlagestrategie ermitteln

Portfolio-Rebalancing als Teil des Risikomanagements

Rebalancing beschränkt sich indes nicht auf das Verhältnis von Aktien zu Anleihen. In einem gut strukturierten Portfolio hat es elementaren Anteil am Risikomanagement. Denn auf eine Krise sollten Anleger nicht erst reagieren, wenn sie da ist – sondern bereits vorher ihr Depot so diversifizieren, dass es möglichst krisenfest ist.

Strategisches Portfolio-Rebalancing verhindert beispielsweise Übergewichtungen einzelner Regionen. Haben sich nach dem Buy-and-hold-Prinzip in einem Depot über die Jahre 70 Aktien ausschließlich deutscher Unternehmen angesammelt, ist es sehr schwankungsanfällig. Für ein effektives Risikomanagement müsste der Aktienanteil deutlich reduziert werden. Zudem sollten einzelne Aktien aus anderen Ländern gekauft werden.

Das Depot umzuschichten, wäre in diesem Fall also unumgänglich. Aber auch wenn es für Privatanleger kaum möglich ist, das eigene Portfolio so tiefgreifend zu überprüfen wie ein ausgeklügelter Algorithmus, sollten sie sich regelmäßig Zeit dafür nehmen. Viele Anleger tun dies in einem jährlichen Rebalancing.

Das beschriebene Vorgehen hat jedoch den Nachteil, dass beim Verkauf von Aktien Kapitalertragsteuer anfällt. Um das zu verhindern, können Anleger – die nötige Liquidität vorausgesetzt – auch das so genannte Cash Flow Rebalancing anwenden. Cash Flow Rebalancing bedeutet, dass neues Geld auf das Depot überwiesen wird, um weitere Käufe tätigen zu können und so die strategische Anlagestruktur des Portfolios wiederherzustellen. Steuerpflichtige Veräußerungsgewinne fallen damit nicht an.

Präsentation zu LIQID erhalten