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Was ist ein Family Office?

18. September 202610 Min. LesezeitMartin Kaelble

Family Offices tauchen in den Medien als Unternehmenskäufer, Start-up-Investoren oder Verwalter milliardenschwerer Vermögen auf. Sie sind weder Fonds noch Banken, sondern koordinieren große Familienvermögen über Generationen.

Key Takeaways
  1. Ein Family Office ist die Organisation hinter einem großen Familienvermögen – und weder ein Fonds noch eine klassische Bank.

  2. Family Offices übersetzen die Ziele der Familie in eine Anlagestrategie, wählen Manager aus und kontrollieren Risiken sowie Liquidität.

  3. Ein Single Family Office arbeitet für eine einzelne Familie. Ein Multi Family Office teilt Spezialisten, Systeme und Kosten.

  4. Family Offices investieren langfristig über liquide und illiquide Anlagen. Deshalb zählen Liquiditätsplanung, Managerauswahl und breite Streuung.

  5. Ein eigenes Office lohnt sich meist erst bei sehr großen Vermögen. Seine Anlageprinzipien lassen sich jedoch auch so nutzen.

Einführung

Der Begriff taucht meist im Zusammenhang mit großen Transaktionen auf: Ein Family Office beteiligt sich an einem Start-up, kauft Immobilien oder investiert in Private Equity. An anderer Stelle plant dieselbe Organisation eine Nachfolge oder koordiniert Stiftungen. Gerade diese Bandbreite macht den Begriff zunächst schwer greifbar.

Der gemeinsame Nenner liegt nicht in einer bestimmten Organisationsform, sondern in der Herkunft des Kapitals. Häufig baut eine Familie zunächst ein Unternehmen auf. Mit dessen Erfolg wachsen Beteiligungen, Immobilien und liquide Anlagen. Später entscheiden mehrere Familienmitglieder und Generationen mit. Aus privater Vermögensanlage wird eine Organisationsaufgabe – und aus informeller Koordination ein Family Office.

Was ist ein Family Office?

Ein Family Office bündelt die Interessen und Entscheidungen der Vermögensinhaber. Es behält den Überblick über das Gesamtvermögen und richtet alle Beteiligten an gemeinsamen Zielen aus. Je nach Modell arbeiten an speziellen Themenbereichen eigene Teams oder externe Dienstleister.

Ein Family Office kann Vermögen selbst verwalten, vergibt aber häufig Mandate an Banken, Vermögensverwalter und spezialisierte Manager. Seine Aufgabe ist dann nicht jede einzelne Anlageentscheidung. Es legt den Rahmen fest, wählt die passenden Spezialisten aus und kontrolliert die Umsetzung.

Genau darin unterscheidet es sich von einer klassischen Vermögensverwaltung. Diese steuert in der Regel ein bestimmtes Portfolio oder Mandat. Das Family Office betrachtet dagegen alle Vermögenswerte und verbindet die Kapitalanlage mit Steuern, Governance, Nachfolge und häufig Philanthropie.

Welche Aufgaben übernimmt ein Family Office?

Die Aufgaben eines Family Office lassen sich in drei Ebenen gliedern:

Strategie für das Gesamtvermögen

Die Familie definiert ihre Ziele, ihren Zeithorizont und ihre Risikotragfähigkeit. Das Family Office leitet daraus eine strategische Asset Allokation ab. Sie ordnet liquide Portfolios, Beteiligungen, Immobilien und weitere Anlagen in einer gemeinsamen Struktur.

Umsetzung und Kontrolle

Das Family Office entscheidet, welche Aufgaben intern bleiben und welche Spezialisten übernehmen. Es prüft Manager, vergibt Mandate und überwacht Kosten sowie Ergebnisse. Konsolidiertes Reporting führt Daten aus verschiedenen Depots, Gesellschaften und Anlagen zusammen. So werden Konzentrationen, Risiken und Liquiditätsbedarf im Gesamtvermögen sichtbar.

Organisation über Generationen

Gremien und klare Entscheidungsprozesse schaffen Family Governance. Das Office koordiniert zudem Steuerberater und Anwälte bei Nachfolge, Stiftungen oder Schenkungen. Je nach Bedarf kommen Philanthropie, Immobilienverwaltung, Kunstsammlungen oder weitere administrative Aufgaben hinzu.

Für die Kapitalanlage entsteht daraus ein geschlossener Steuerungskreislauf. Ziele bestimmen die strategische Asset Allokation. Manager und Anlageinstrumente setzen sie um. Reporting und Risikokontrolle zeigen anschließend, ob Portfolio und Liquidität weiter zu den Zielen passen.

Welche Arten von Family Offices gibt es?

Family Offices lassen sich vor allem nach ihrem Mandantenkreis in zwei Modelle unterteilen. Entscheidend ist, ob eine Organisation ausschließlich für eine Familie arbeitet oder ihre Infrastruktur mehreren Familien zur Verfügung stellt. Namen, Rechtsformen und Anlageprofile können variieren. Die Zuordnung folgt dem Kreis der betreuten Vermögensinhaber.

Single Family Office (SFO)

Ein Single Family Office arbeitet ausschließlich für eine Familie. Die Familie beschäftigt das Team direkt und bestimmt Aufgaben, Systeme und Entscheidungswege. Dieses Modell bietet hohe Kontrolle, Privatsphäre und Gestaltungsfreiheit.

ATHOS, das Family Office der Unternehmerfamilie Strüngmann, ist ein besonders sichtbares deutsches Beispiel. Bekannt wurde das Office auch als früher Mehrheitsgesellschafter von BioNTech.

International verwaltet DFO Management das Vermögen von Michael Dell und seiner Familie über verschiedene Anlageklassen hinweg. Soros Fund Management wurde von George Soros gegründet und arbeitet heute als globaler Vermögensverwalter und Family Office. Das Anlageuniversum umfasst unter anderem börsennotierte Aktien, Private Equity, Kredite, Anleihen und alternative Anlagen.

In einem SFO trägt die Familie sämtliche Fixkosten für Mitarbeiter, Daten, Systeme, externe Beratung und Administration. Eine feste Vermögensschwelle gibt es nicht. Als häufig genannter Richtwert gelten mindestens 100 Mio. € Vermögen. Umfangreiche, vollständig interne Strukturen benötigen meist deutlich mehr.

Multi Family Office (MFO)

Ein Multi Family Office betreut mehrere Familien oder Vermögensinhaber. Gemeinsame Strukturen verteilen Kosten und erschließen spezialisiertes Wissen. Die Familien erhalten professionelle Steuerung, ohne selbst eine vollständige Organisation aufbauen zu müssen.

Ein Beispiel ist HQ Trust, das Multi Family Office der Familie Harald Quandt, das als größtes MFO in Deutschland gilt. Seine modularen Leistungen reichen von der Vermögensanalyse über strategische und taktische Asset Allokation bis zur Managerauswahl. Risikomanagement, Reporting und Controlling schließen den Investmentprozess ab.

Im Unterschied zu den zuvor genannten eigentümergeprägten Offices stellt HQ Trust seine Investmentkompetenz mehreren Familien und Vermögensinhabern zur Verfügung. Es verbindet die Eigentümerperspektive mit spezialisierten Investmentfunktionen. Die Mandanten definieren Ziele und Entscheidungsrechte. Das MFO übersetzt sie in Portfoliostrukturen, wählt Umsetzungswege und schafft eine konsolidierte Kontrolle.

KriteriumSingle Family OfficeMulti Family Office
MandantenEine FamilieMehrere Familien oder Vermögensinhaber
Kontrolle und IndividualitätSehr hoch mit eigenem TeamHoch mit modularen oder teilweise standardisierten Leistungen
InvestmentkompetenzIntern aufgebaut und extern ergänztGemeinsame Spezialisten und externe Manager
KostenEigene, hohe FixkostenGeteilte Infrastruktur und modellabhängige Gebühren
WirtschaftlichkeitMeist erst bei sehr großen und komplexen VermögenNiedrigere, anbieterabhängige Einstiegsschwellen

Welche Vorteile bietet ein Family Office?

Ein Family Office verbindet Entscheidungen, die bei getrennten Dienstleistern leicht nebeneinanderstehen. Daraus entstehen mehrere Vorteile.

  • Konsistente Portfoliosteuerung: Alle Anlagen folgen gemeinsamen Rendite-, Risiko- und Liquiditätszielen.
  • Langer Anlagehorizont: Eine generationenübergreifende Perspektive erleichtert Investitionen über Marktzyklen und die Einbindung illiquider Anlagen.
  • Professionelle Managerauswahl: Das Family Office bündelt Prüfung, Mandatsvergabe und laufende Kontrolle interner sowie externer Manager.
  • Transparenz über das Gesamtvermögen: Konsolidiertes Reporting macht Konzentrationen, Kosten, Liquidität und Ergebnisse über verschiedene Strukturen sichtbar.
  • Klare Interessen und Entscheidungswege: Besonders im SFO liegen Eigentümerschaft, Auftrag und Kontrolle eng beieinander.
  • Verbindung von Anlage und Nachfolge: Governance und langfristige Portfolioplanung lassen sich gemeinsam auf kommende Generationen ausrichten.

Wie investiert ein Family Office?

Family Offices investieren typischerweise langfristig und über viele Anlageklassen hinweg. Maßgeblich ist nicht ein einheitliches Musterportfolio, sondern die strategische Asset Allokation der jeweiligen Familie. Sie legt fest, welche langfristigen Anteile liquide und illiquide Anlagen erhalten.

Ziele und Governance

Am Anfang stehen Zweck, Zeithorizont und Risikotragfähigkeit des Vermögens. Hinzu kommen erwartete Ausschüttungen, Verpflichtungen und mögliche Konzentrationen im Familienunternehmen. Ein Anlageausschuss oder vergleichbares Gremium ordnet Entscheidungsrechte und dokumentiert die Investmentpolitik.

Strategische Asset Allokation und Liquidität

Mit der strategischen Asset Allokation legt die Familie fest, wie sie ihr Vermögen auf Portfolioquoten verteilt. Liquide Anlagen sichern Flexibilität und laufende Zahlungsfähigkeit. Illiquide Anlagen erweitern das Anlageuniversum, binden Kapital jedoch über längere Zeit. Das Family Office plant deshalb Reserven sowie erwartete Kapitalabrufe und Ausschüttungen gemeinsam.

Auswahl und Umsetzung

Das Portfolio kann Direktanlagen, Fonds und Mandate externer Vermögensverwalter verbinden. Das Family Office prüft Strategie, Team, Prozesse, Kosten und Interessenkongruenz. Bei Private Markets kommen Zugang, Streuung über Manager und Auflagejahre sowie die Planung der Kapitalflüsse hinzu.

Kontrolle und Anpassung

Konsolidiertes Reporting führt Daten aus verschiedenen Depots, Gesellschaften und Managern zusammen. Das Family Office vergleicht die tatsächliche Allokation mit den strategischen Zielquoten. Es steuert Liquidität, überwacht Risiken und bereitet notwendige Anpassungen für die zuständigen Gremien vor.

Einblick in die Portfolios gibt der UBS Global Family Office Report 2026. Die Studie beruht auf Angaben von 307 Family Offices aus mehr als 30 Märkten. Sie verwalteten durchschnittlich 1,3 Mrd. US-Dollar. Die Ergebnisse beschreiben diese Stichprobe und kein verbindliches Musterportfolio.

AnlagebereichDurchschnittlicher Portfolioanteil 2025
Traditionelle Anlagen insgesamt58 %
davon Aktien32 %
davon Anleihen17 %
davon liquide Mittel9 %
Alternative Anlagen insgesamt42 %
davon Private Equity17 %
davon Private Debt3 %
davon Immobilien11 %
davon Infrastruktur1 %
davon weitere alternative Anlagen10 %

Der hohe Anteil von Private Equity und weiteren illiquiden Bausteinen verdeutlicht, warum Liquiditätsplanung, Managerauswahl und breite Streuung zentrale Aufgaben sind.

Was gibt es bei einem Family Office zu beachten?

Das Family Office muss zur Familie und ihrer Situation passen. Dabei gilt es Folgendes zu beachten:

  • Hohe Fixkosten: Ein SFO benötigt Mitarbeiter, Systeme und Kontrollprozesse, deren Kosten die Familie allein trägt.
  • Schlüsselpersonen und Governance: Kleine Teams schaffen Abhängigkeiten. Unklare Zuständigkeiten können Anlageentscheidungen verzögern oder Konflikte verstärken.
  • Delegation und Interessenkonflikte: Bei externen Managern oder MFOs müssen Vergütung, Produktinteressen, Entscheidungsrechte und Kontrolle transparent geregelt sein.

Wie lassen sich Family-Office-Prinzipien ohne eigenes Office nutzen?

Ein eigenes Single Family Office rechnet sich erst bei sehr großen Vermögen. Multi Family Offices teilen Infrastruktur und Expertise, setzen jedoch meist ebenfalls ein gut zweistelliges Millionenvermögen voraus. Unterhalb dieser Größenordnung eröffnet eine professionelle Vermögensverwaltung einen praktikablen Zugang zu zentralen Family-Office-Prinzipien.

Im Mittelpunkt stehen klar definierte Ziele, eine strategische Asset Allokation und breite Diversifikation. Hinzu kommen die Auswahl der jeweils überzeugendsten Anlageinstrumente und Manager nach einem Best-in-Class-Ansatz, die laufende Überwachung des Portfolios und eine konsequente Kostenkontrolle.

HQ Trust, das Multi Family Office der Familie Harald Quandt, gehört zu den Gründungsgesellschaftern von LIQID. Dahinter stand eine gemeinsame Idee: bewährte Anlageprinzipien großer Family Offices einem breiteren Anlegerkreis zugänglich zu machen.

LIQID überträgt diese Prinzipien auf eine digital unterstützte Vermögensverwaltung. Liquide Anlageklassen werden systematisch kombiniert und überwacht, geeignete Anlageinstrumente und Manager unabhängig ausgewählt und Kosten konsequent kontrolliert. Private Markets erweitern das Anlageuniversum um zusätzliche Unternehmen und langfristige Renditequellen. So erhalten Anleger Zugang zu einem strukturierten, langfristig ausgerichteten Investmentansatz, ohne eine eigene Family-Office-Organisation aufbauen zu müssen.

Fazit

Ein Family Office ist die strategische Schaltzentrale komplexer Familienvermögen. Seine besondere Investmentrolle liegt in der Verbindung von Zielsystem, strategischer Asset Allokation, Managerauswahl, Liquiditätsplanung und konsolidierter Kontrolle.

Ein eigenes SFO bietet große Gestaltungsfreiheit, verlangt aber hohe Vermögen und eine leistungsfähige Organisation. MFOs teilen Infrastruktur und Expertise auf mehrere Familien. Viele ihrer Anlageprinzipien lassen sich auch in einer professionell strukturierten Vermögensverwaltung nutzen.

Autor

Martin Kaelble

Advisor

Martin ist seit 2026 Advisor von LIQID. Er verbindet drei Perspektiven auf die Finanz- und Contentwelt: die des Gründers, die des Medienmanagers und die des Wirtschaftsjournalisten. Seine Laufbahn begann er im Jahr 2000 in der Tech-Branche, wo er in jungen Jahren den Content-Bereich des Berliner Startups Jamba mitverantwortete. Nach dem Studium der Management and Economics an der London School of Economics and Political Science und einem Diplom der Universität der Künste Berlin wechselte er in den Wirtschaftsjournalismus. Von 2009 bis 2012 berichtete er als Korrespondent und Redakteur der Financial Times Deutschland über Weltwirtschaft und Politik. 2013 wurde er Teil des Relaunch-Teams von Capital, half das Wirtschaftsmagazin bei Gruner + Jahr neu zu konzipieren und leitete zunächst das Ressort Leben. Als Digitalchef und Leiter der Online-Redaktion prägte er anschließend bis 2021 die digitale Ausrichtung von capital.de. 2021 kehrte er auf die Unternehmerseite zurück und gründete informed mit, eine Plattform, die kuratierten Journalismus internationaler Medien in einem Abonnement bündelt. Als Mitgründer und CEO verantwortet er dort heute Produkte im B2C-Content- und B2B-KI-Bereich. Diese Kombination aus Gründer-Perspektive, digital- und KI-strategischem Know-how sowie einem journalistisch-redaktionellen Blick bringt er als Advisor bei LIQID ein.


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