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Infrastruktur: Wie Profis investieren und was Privatanleger lernen können

29. Oktober 20268 Min. LesezeitMartin Kaelble

Stromnetze, Rechenzentren, Mautstraßen: Infrastruktur ist längst eine eigenständige Anlageklasse. Wie Family Offices und institutionelle Anleger investieren, welche Strategien sie verfolgen und was Privatanleger daraus lernen können.

Key Takeaways
  1. Über die letzten 15 Jahre erzielte die Anlageklasse Infrastruktur eine annualisierte Rendite von rund 9,4 % bei einem maximalen Wertrückgang von nur 3,4 % – deutlich stabiler als der globale Aktienmarkt mit 11,5 % Rendite, aber 25,5 % maximalem Wertrückgang.

  2. Der Grund: Viele Infrastrukturprojekte wie Mautstraßen oder Versorgungsnetze erzielen langfristige, oft inflationsgekoppelte Cashflows, da Betreiber ihre Gebühren regelmäßig an das Preisniveau anpassen dürfen.

  3. Institutionelle Anleger nutzen dafür 4 unterschiedliche Zugangswege – von Direktinvestments bis zu börsennotierten Infrastrukturunternehmen –, mittlerweile öffnen ELTIFs diesen Markt auch für Privatanleger mit niedrigeren Mindestanlagesummen.

  4. Was bedeutet der wachsende Zugang zu dieser bislang institutionellen Anlageklasse für Privatanleger und die Struktur ihres eigenen Portfolios?

Infrastruktur ist das Rückgrat moderner Gesellschaften und für Investoren längst mehr als nur ein Nischenthema. Doch wie investieren Profis wie Family Offices und institutionelle Anleger in diese besondere Anlageklasse? Und was können Privatanleger daraus lernen?

Ob Stromnetze, Rechenzentren, Krankenhäuser oder Autobahnen – Infrastrukturanlagen ermöglichen unser tägliches Leben und sind ein wichtiger Grundpfeiler für die Wirtschaft. Lange war der Bereich fest in staatlicher Hand. Doch angesichts eines steigenden Finanzierungsbedarfs öffneten sich immer mehr Staaten dem privaten Kapital und so entstand im Laufe der Jahrzehnte eine eigenständige Anlageklasse: Infrastruktur.

Infrastrukturinvestitionen gelten heute als eine der stabilsten Komponenten im Portfolio professioneller Anleger und zeigen historisch geringe Korrelationen zu traditionellen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Sie liefern oft regelmäßige, planbare Cashflows und bieten die Chance auf Inflationsschutz. Viele Projekte, etwa Mautstraßen oder Versorgungsnetze, dürfen ihre Gebühren regelmäßig an das Preisniveau anpassen. So bleibt der reale Ertrag für Anleger selbst in Hochinflationsphasen stabil.

Wie investieren Profis in Infrastruktur?

Institutionelle Anleger, etwa Pensionskassen, Versicherungen oder Family Offices, nutzen verschiedene Wege, um Zugang zu Infrastrukturinvestitionen zu erhalten:

  • Direktinvestments: Große Investoren mit entsprechender Expertise investieren direkt in einzelne Projekte, z. B. in eine Windfarm oder ein Stromnetz. Diese Form erfordert jedoch eine Menge an freiem Kapital, tiefes operatives Know-how und Zugang zu exklusiven Deals.
  • Infrastrukturfonds: Der gängigste Weg für viele professionelle Anleger. Spezialisierte Manager bündeln mehrere Projekte in Fonds und übernehmen Auswahl, Betreuung und laufende Optimierung. So profitieren Investoren von breiter Diversifikation und professionellem Zugang zum Markt.
  • Börsennotierte Infrastrukturunternehmen: Eine liquide Alternative, bei der in Aktien von Unternehmen investiert wird, die Infrastruktur besitzen oder betreiben. Dazu gehören Betreiber von Flughäfen oder Telekommunikationsnetzen.
  • Co-Investments: Manche institutionellen Anleger beteiligen sich gemeinsam mit Fondsmanagern an einzelnen Projekten. So können Kosten gespart werden, ohne auf die Expertise der Manager bei der Auswahl und Entwicklung der Infrastrukturanlagen zu verzichten.

Welche Strategien werden verfolgt?

Die Welt der Infrastrukturinvestments lässt sich grob in 4 Strategieklassen einteilen:

  1. Core: Investitionen in stabile, regulierte Assets mit planbaren Einnahmen. Beispiel: Ein Stromversorger in einem reifen Markt.
  2. Core Plus: Etwas mehr Risiko, z. B. durch einen gewissen Optimierungsbedarf. Beispiel: eine bestehende Mautstraße mit Erweiterungspotenzial.
  3. Value-Add: Deutlich aktiverer Managementansatz mit höheren Risiken. Beispiel:. die Modernisierung eines Flughafens.
  4. Opportunistisch: Risikoreich, dafür mit potenziell sehr hohen Renditen. Beispiel: Greenfield-Projekte, also die Entwicklung von völlig neuen Anlagen, oder digitale Infrastruktur in frühen Entwicklungsphasen.

Warum setzen Profis auf Infrastruktur?

Die Gründe, warum professionelle Anleger in Infrastruktur investieren, sind vielfältig und meist strategisch motiviert. Einer der wichtigsten Faktoren sind die stabilen Cashflows: Viele Infrastrukturanlagen erwirtschaften regelmäßige, oft vertraglich fixierte Einnahmen. Häufig sind diese sogar an die Inflation gekoppelt, was sie besonders planbar macht.

Ein weiterer Vorteil ist die geringe Volatilität. Im Vergleich zu Aktien schwanken Infrastrukturwerte historisch deutlich weniger. Das macht sie besonders interessant für Family Offices, Stiftungen oder Versorgungswerke, die Wert auf stabile Rückflüsse und planbare Erträge legen.

[Bestehende Grafik (Quelle: Preqin Infrastructure Index, MSCI World TR US$ (Bloomberg). Zeitraum: 30.06.2010 bis 30.06.2025) bleibt hier unverändert bestehen.]

Historische Wertentwicklung ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Kapitalanlagen bergen Risiken.

Zudem bietet Infrastruktur starke Diversifikationseffekte. Als eigenständige Anlageklasse weist sie nur eine geringe Korrelation zu traditionellen Märkten wie Aktien oder Anleihen auf. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kann das helfen, das Risiko im Gesamtportfolio zu senken.

Schließlich spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle. Zahlreiche Infrastrukturprojekte zahlen auf Umwelt- oder Sozialziele ein – sei es durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Entwicklung von nachhaltigem Verkehr oder sozialen Einrichtungen. Für ESG-orientierte Investoren ist das ein entscheidender Pluspunkt.

Infrastruktur für Privatanleger: Geht das überhaupt?

Lange Zeit war der Zugang zu Infrastrukturprojekten institutionellen Investoren vorbehalten. Doch das ändert sich zunehmend:

  • Zugang über digitale Vermögensverwalter: Einige Anbieter ermöglichen Privatanlegern bereits ab niedrigeren Beträgen die Beteiligung an professionell verwalteten Infrastrukturfonds oder Co-Investments.
  • Publikumsfonds und ETFs: Auch wenn diese meist in börsennotierte Unternehmen investieren und nicht die gleichen Stabilitätsmerkmale wie Private Infrastructure aufweisen, bieten sie einen liquiden Einstieg.

Renditen im Vergleich: Stabilität mit Substanz

Daten zeigen: Über die letzten 15 Jahre erzielte die Anlageklasse Infrastruktur eine annualisierte Rendite von rund 9,4 %, bei einem maximalen Wertrückgang von etwa 3,4 %. Zum Vergleich: Der globale Aktienmarkt brachte mit rund 11,5 % zwar höhere Renditen, schwankte mit einem maximalen Wertrückgang von 25,5 % jedoch deutlich stärker.

[Bestehende Grafik (Quelle: Preqin Infrastructure Index, MSCI World TR US$ (Bloomberg). Zeitraum: 30.06.2010 bis 30.06.2025) bleibt hier unverändert bestehen.]

Historische Wertentwicklung ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Kapitalanlagen bergen Risiken.

Wohin geht der Markt?

Der Bedarf an Infrastruktur ist enorm und wächst weiter:

  • Energiewende und Klimaziele treiben Investitionen in erneuerbare Energien.
  • Digitalisierung fordert den Ausbau von Rechenzentren, Glasfaser und 5G.
  • Urbanisierung, vor allem in Schwellenländern, verlangt nach smarter Mobilität und nachhaltigem Städtebau.
  • Öffentliche Hand setzt zunehmend auf öffentlich-private Partnerschaften, um die Infrastruktur der Zukunft zu gestalten.

Prognosen zeigen: Die Rolle von privatem Kapital wird weiter wachsen, ebenso wie das Investoreninteresse.

Fazit

Infrastruktur ist weit mehr als nur Beton und Stahl. Für professionelle Investoren ist sie eine Säule der Portfoliostrategie: stabil, diversifizierend, inflationsgeschützt. Auch für Privatanleger kann sich der Einstieg lohnen, vorausgesetzt, sie verstehen die Besonderheiten der Anlageklasse und wählen den Zugang mit Bedacht.

Mittlerweile bieten ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) einen regulierten Zugang zu Infrastrukturinvestments, oft bereits mit niedrigeren Mindestanlagesummen. Wer langfristig denkt und bereit ist, Kapital zu binden, kann in Infrastruktur eine solide Brücke zwischen niedrigeren Schwankungen und Rendite finden.


Passt Infrastruktur zu Ihren Zielen?

Einordnung für Anleger

Betrifft das Thema Infrastruktur auch Anleger, die sich nicht gezielt für diese Anlageklasse interessieren?
Ja. Infrastruktur zeigt beispielhaft, wie sich Portfolios heute über traditionelle Aktien- und Anleihequoten hinaus diversifizieren lassen. Die historisch geringe Korrelation zu klassischen Märkten macht die Anlageklasse auch für Anleger interessant, die primär auf Stabilität und Risikostreuung im Gesamtportfolio setzen – unabhängig vom konkreten Interesse an einzelnen Infrastrukturprojekten.

Wie können Privatanleger heute Zugang zu Infrastrukturinvestments erhalten?
Neben börsennotierten Infrastrukturunternehmen und entsprechenden Publikumsfonds oder ETFs für einen liquiden Einstieg ermöglichen mittlerweile auch regulierte Fondsstrukturen wie ELTIFs sowie digitale Vermögensverwalter den Zugang zu professionell verwalteten Infrastrukturfonds – mit deutlich niedrigeren Mindestanlagesummen als früher üblich.

Was sollten Anleger dabei beachten?
Infrastrukturinvestments über Fonds oder Direktbeteiligungen sind in der Regel langfristig gebunden, ein vorzeitiger Verkauf ist meist nur eingeschränkt möglich und Rückgaben können Beschränkungen unterliegen. Zudem hängt der Erfolg stark von der Auswahl- und Managementkompetenz des jeweiligen Anbieters ab, etwa bei der Projektauswahl und operativen Steuerung. Wichtig ist zudem die Unterscheidung: Nur Private-Infrastructure-Investments bieten die beschriebenen Stabilitätsmerkmale, börsennotierte Infrastrukturwerte unterliegen dagegen den üblichen Aktienmarktschwankungen.

Autor

Martin Kaelble

Advisor

Martin ist seit 2026 Advisor von LIQID. Er verbindet drei Perspektiven auf die Finanz- und Contentwelt: die des Gründers, die des Medienmanagers und die des Wirtschaftsjournalisten. Seine Laufbahn begann er im Jahr 2000 in der Tech-Branche, wo er in jungen Jahren den Content-Bereich des Berliner Startups Jamba mitverantwortete. Nach dem Studium der Management and Economics an der London School of Economics and Political Science und einem Diplom der Universität der Künste Berlin wechselte er in den Wirtschaftsjournalismus. Von 2009 bis 2012 berichtete er als Korrespondent und Redakteur der Financial Times Deutschland über Weltwirtschaft und Politik. 2013 wurde er Teil des Relaunch-Teams von Capital, half das Wirtschaftsmagazin bei Gruner + Jahr neu zu konzipieren und leitete zunächst das Ressort Leben. Als Digitalchef und Leiter der Online-Redaktion prägte er anschließend bis 2021 die digitale Ausrichtung von capital.de. 2021 kehrte er auf die Unternehmerseite zurück und gründete informed mit, eine Plattform, die kuratierten Journalismus internationaler Medien in einem Abonnement bündelt. Als Mitgründer und CEO verantwortet er dort heute Produkte im B2C-Content- und B2B-KI-Bereich. Diese Kombination aus Gründer-Perspektive, digital- und KI-strategischem Know-how sowie einem journalistisch-redaktionellen Blick bringt er als Advisor bei LIQID ein.