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Was ist Korrelation?

18. September 20269 Min. LesezeitFrederik Simon

Anlage- und Unteranlageklassen reagieren unterschiedlich auf Wachstum, Inflation und Zinsen. Korrelation misst, wie eng sich ihre Renditen gemeinsam bewegen – und zeigt, wie wirksam ein Portfolio seine Risiken streut.

Key Takeaways
  1. Der Korrelationskoeffizient misst den linearen Zusammenhang der Renditen von Anlage- und Unteranlageklassen auf einer Skala von –1 bis +1.

  2. Positive Werte zeigen Gleichlauf, negative Werte Gegenlauf. Bei 0 ist kein linearer Zusammenhang erkennbar. Andere Abhängigkeiten bleiben möglich.

  3. Nicht vollständig korrelierte Anlageklassen können die Portfoliovolatilität senken. Wie stark, hängt auch von ihren Gewichten und Einzelrisiken ab.

  4. Zeitraum, Bewertungsmethode und Marktumfeld beeinflussen die gemessenen Korrelationen. In Stressphasen können sie steigen, Kausalität zeigen sie jedoch nicht.

Einführung

Ein Portfolio verbindet Anlageklassen, die auf unterschiedliche wirtschaftliche Kräfte reagieren. Aktien hängen stark von Wachstum und Unternehmenserträgen ab, Staatsanleihen von Zinsen und Inflation. Auch Unteranlageklassen – etwa Aktien aus verschiedenen Regionen oder Anleihen unterschiedlicher Bonität – teilen manche Risikotreiber, reagieren aber unterschiedlich stark auf sie.

Entscheidend ist daher, wie diese Bausteine zusammenwirken. Der Korrelationskoeffizient fasst dieses Zusammenspiel in einer vergleichbaren Kennzahl zusammen. Er macht sichtbar, welche Anlage- und Unteranlageklassen ähnliche Risikotreiber teilen und welche zusätzliche Renditequellen erschließen. Damit unterstützt er die systematische Portfoliokonstruktion.

Was bedeutet Korrelation?

In der Portfoliokonstruktion beschreibt Korrelation die statistische Beziehung zwischen den Renditen zweier Anlage- oder Unteranlageklassen. Sie zeigt, ob und wie stark sich beide Reihen tendenziell in dieselbe oder in die entgegengesetzte Richtung bewegen.

Meist ist damit der Pearson-Korrelationskoeffizient gemeint. Er misst die Stärke eines linearen Zusammenhangs und liegt zwischen –1 und +1.

Der standardisierte Wert macht Beziehungen zwischen unterschiedlichen Renditereihen vergleichbar. Ein positives Vorzeichen beschreibt einen Gleichlauf, ein negatives einen Gegenlauf. Der Betrag zeigt, wie eng die lineare Beziehung im betrachteten Datensatz war.

  • +1: Die Renditen bewegen sich in einem perfekten linearen Gleichlauf. Ihre Ausschläge müssen dabei nicht gleich groß sein.
  • –1: Die Renditen bewegen sich in einem perfekten linearen Gegenlauf. Steigt die eine Reihe, fällt die andere nach einem festen Verhältnis.
  • 0: Zwischen den Renditen besteht kein linearer Zusammenhang. Andere, nicht lineare Abhängigkeiten können dennoch vorliegen.

Perfekte Werte von +1 oder –1 sind an den Finanzmärkten selten. Meist liegen Korrelationen dazwischen und verändern sich im Zeitverlauf.

Welche Arten von Korrelation gibt es?

Die Einordnung in positive, negative und geringe Korrelation veranschaulicht, wie Anlage- und Unteranlageklassen zusammenwirken.

Positive Korrelation

Bei einer positiven Korrelation bewegen sich zwei Anlage- oder Unteranlageklassen tendenziell in dieselbe Richtung. Je näher der Wert an +1 liegt, desto stärker ist ihr linearer Gleichlauf.

Aktien aus Industrie- und Schwellenländern können positiv korrelieren. Beide reagieren häufig auf globales Wachstum, Finanzierungsbedingungen und die Risikobereitschaft der Anleger.

Eine hohe positive Korrelation bedeutet nicht, dass beide Unteranlageklassen dieselbe Rendite erzielen. Sie zeigt nur, dass ihre Bewegungen im betrachteten Zeitraum eng gleichgerichtet waren. Gemeinsame Risikotreiber können deshalb trotz verschiedener Regionen oder Marktsegmente zu einer Scheindiversifikation führen.

Negative Korrelation

Bei einer negativen Korrelation entwickeln sich zwei Anlageklassen tendenziell gegenläufig. Ein solcher Zusammenhang kann Schwankungen im Portfolio abfedern.

Aktien und hochwertige Staatsanleihen bewegten sich in vielen Phasen gegenläufig. Diese Beziehung ist jedoch nicht stabil. Bei hoher Inflation und raschen Zinserhöhungen können beide Anlageklassen gleichzeitig verlieren, wie 2022.

In klassischen Krisenphasen schichten Anleger häufig aus riskanteren Aktien in hochwertige Staatsanleihen um. Die steigende Nachfrage stützt dann die Anleihekurse, während Aktien fallen. Verändern Inflation und Geldpolitik beide Märkte zugleich, kann dieser Gegenlauf ausbleiben.

Geringe oder keine lineare Korrelation

Ein Wert nahe 0 zeigt keinen stabilen linearen Zusammenhang. So können sich globale Aktien und Gold über bestimmte Zeiträume weitgehend unabhängig voneinander bewegen. Aus einem niedrigen Wert folgt dennoch keine vollständige statistische Unabhängigkeit.

Warum ist Korrelation für die Diversifikation wichtig?

Diversifikation verteilt Kapital über unterschiedliche Rendite- und Risikotreiber. Korrelation hilft zu beurteilen, ob sich Anlage- und Unteranlageklassen tatsächlich verschieden verhalten.

Harry Markowitz stellte dieses Zusammenspiel in den Mittelpunkt der modernen Portfoliotheorie. Nicht allein die Schwankung einer Anlageklasse bestimmt ihren Portfolioeffekt, sondern auch ihre Beziehung zu den übrigen Anlageklassen.

Wirkung auf das Portfoliorisiko

Nicht vollständig korrelierte Anlageklassen erreichen ihre Höchst- und Tiefpunkte nicht immer gleichzeitig. Ihre Kombination kann deshalb die Volatilität des Gesamtportfolios senken.

Ein reines Aktienportfolio bleibt in einem Aktiencrash stark vom gemeinsamen Marktfaktor abhängig. Hochwertige Staatsanleihen, Gold oder Private Markets können zusätzliche Renditetreiber einbringen. Sie gleichen Verluste nicht zuverlässig aus, können die Abhängigkeit vom Aktienmarkt aber verringern.

Dieser Effekt hängt nicht allein von der Korrelation ab. Auch Schwankungsbreite und Gewichtung der einzelnen Anlage- und Unteranlageklassen bestimmen das Portfoliorisiko. Eine niedrige Korrelation macht eine riskante Anlageklasse nicht automatisch defensiv.

Rolle in der strategischen Asset Allokation

Die strategische Asset Allokation legt die langfristigen Gewichte der Anlageklassen fest. Erwartete Korrelationen helfen, Aktien, Anleihen, Rohstoffe und weitere Anlageklassen gezielt zu kombinieren. Ein Rebalancing stellt diese Zielgewichte nach Marktbewegungen wieder her.

Korrelation, Diversifikation und Rebalancing erfüllen damit verschiedene Aufgaben. Korrelation misst einen Zusammenhang. Diversifikation verteilt Risiken. Rebalancing hält die geplante Verteilung aufrecht.

Das Investment-Team von LIQID analysiert die Korrelationsstruktur aller Portfolios mit liquiden oder semi-liquiden Instrumenten – von den SAVE- über die CORE- bis zu den NXT-Portfolios. Es beurteilt, wie stabil die Beziehungen zwischen Anlageklassen und Risikotreibern über verschiedene Zeiträume und Marktphasen sind. Diese Analyse fließt systematisch in die strategische Asset Allokation und die laufende Portfoliosteuerung ein. So entsteht Diversifikation nicht aus der bloßen Zahl vertretener Anlageklassen, sondern aus der gezielten Kombination ökonomisch unterschiedlicher Rendite- und Risikotreiber.

Wie korrelieren verschiedene Anlageklassen?

Historische Daten liefern Anhaltspunkte, aber keine festen Eigenschaften. Dieselbe Anlage- oder Unteranlageklasse kann in unterschiedlichen Zeiträumen anders mit Aktien oder Anleihen zusammenwirken.

Aktien und Staatsanleihen

Über längere Phasen zeigten Aktien und hochwertige Staatsanleihen eine geringe oder negative Korrelation. In Krisen stieg die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen häufig, während Aktien fielen. Inflation und abrupte Zinsänderungen können diesen Zusammenhang umkehren.

Rohstoffe, Gold und Immobilien

Gold wies historisch in vielen Zeiträumen eine niedrige oder negative Korrelation zu Aktien auf. Rohstoffe reagieren je nach Konjunktur und geopolitischer Lage unterschiedlich. Immobilien folgen eigenen Ertrags- und Bewertungszyklen, sind als Direktanlage jedoch weniger liquide.

Die Bezeichnungen der Anlageklassen reichen für eine Einordnung nicht aus. Gold kann auf Realzinsen und Krisenerwartungen reagieren, Öl stärker auf Nachfrage und geopolitische Schocks. Bei Immobilien beeinflussen Nutzung, Finanzierung und Bewertungsrhythmus den beobachteten Zusammenhang.

Private Markets

Private Equity, Private Debt und Infrastruktur erschließen zusätzliche Unternehmen, Kredite und Projekte. Ihre wirtschaftlichen Renditetreiber unterscheiden sich teilweise von öffentlichen Aktien- und Anleihemärkten.

Gemeldete Korrelationen müssen dennoch vorsichtig interpretiert werden. Anlagen in Private Markets werden seltener und stärker modellbasiert bewertet. Das kann Verluste, Volatilität und die gemessene Korrelation mit öffentlichen Märkten zeitweise verdecken.

Welche Grenzen hat die Korrelation?

Korrelation verdichtet eine historische Beziehung zu einer Zahl. Für die Portfoliokonstruktion ist sie nützlich, aber nicht allein entscheidend.

Korrelation ist nicht Kausalität

Ein Gleichlauf beweist nicht, dass eine Variable die andere verursacht. Beide können auf einen dritten Faktor reagieren oder nur zufällig gemeinsam auftreten.

Gut zu wissen: Eisverkäufe und Haiangriffe können im Sommer gleichzeitig steigen. Nicht das Eis verursacht die Angriffe. Warmes Wetter erhöht sowohl den Eiskonsum als auch die Zahl der Badenden.

Korrelationen verändern sich

Korrelationswerte hängen von Datenfrequenz, Zeitraum und Marktumfeld ab. In Stressphasen reduzieren Anleger häufig ihre Engagements in mehreren riskanten Anlageklassen gleichzeitig. Dann können Korrelationen steigen und die Diversifikationswirkung nimmt ab.

Die Finanzkrise 2008 und der Beginn der Corona-Pandemie 2020 zeigen dieses Muster. Eine robuste Strategie stützt sich deshalb nicht auf einen einzelnen historischen Wert.

Auch ein langfristiger Durchschnitt kann kurzfristige Veränderungen verdecken. Für die Portfoliosteuerung sind deshalb mehrere Zeiträume und plausible wirtschaftliche Ursachen wichtiger als eine scheinbar präzise Einzelzahl.

Fazit

Korrelation misst Richtung und Stärke linearer Zusammenhänge zwischen den Renditen von Anlage- und Unteranlageklassen. Sie zeigt, welche ähnlich reagieren und welche unterschiedliche Risikotreiber ins Portfolio bringen.

Für die Diversifikation sind niedrige oder negative Korrelationen zwischen Anlageklassen wertvoll. Sie sind aber weder konstant noch ein Beweis für Kausalität. Wer Zeitraum, Bewertung und Marktumfeld berücksichtigt, nutzt Korrelation sinnvoll für die strategische Asset Allokation.

Autor

Frederik Simon

Quantitative Investment Associate

Frederik Simon verantwortet als Quantitative Investment Associate im Investment Team von LIQID die liquiden Kapitalmarktstrategien mit. Nach dem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth absolvierte er einen Master in Finance an der Universität zu Köln. Im Anschluss forschte und lehrte er vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Köln zu Portfoliooptimierung und promovierte 2024 summa cum laude zum Dr. rer. pol. Seine Forschung zu Deep Learning in der Portfoliooptimierung wurde im Fachjournal Management Science veröffentlicht und auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt. Im September 2024 kam er zu LIQID, seit Dezember 2025 in der heutigen Funktion.


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