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Was ist eine Risikoklasse?

18. September 20267 Min. LesezeitFrederik Simon

Eine Risikoklasse ordnet ein, wie stark ein Finanzprodukt oder Portfolio schwanken und an Wert verlieren kann. Sie erleichtert den Vergleich, ersetzt aber nicht den Blick auf die konkreten Risiken. Die Einstufung muss zu Anlageziel, Zeithorizont und Verlusttragfähigkeit passen.

Key Takeaways
  1. Risikoklassen fassen unterschiedliche Risiken in einer verständlichen Einstufung zusammen. Höhere Klassen stehen gewöhnlich für stärkere mögliche Wertschwankungen und Verluste.

  2. Es gibt keine weltweit einheitliche Skala. Anbieterinterne Portfolioklassen und gesetzlich vorgeschriebene Produktindikatoren können unterschiedliche Methoden verwenden.

  3. Der Gesamtrisikoindikator für verpackte Anlageprodukte, kurz SRI, reicht von 1 (niedrigstes Risiko) bis 7 (höchstes Risiko) und verbindet Markt- und Kreditrisiko. Auch Stufe 1 bedeutet dabei nicht, dass ein Produkt völlig risikofrei ist.

  4. Die Risikoklasse eines Produkts ist nicht dasselbe wie das Risikoprofil eines Anlegers. Dieses berücksichtigt auch, welche Verluste er sich leisten kann, welche Schwankungen er aushält, sowie seine Kenntnisse, Ziele und seinen Anlagehorizont.

  5. Für NXT und PRO gilt der gesetzliche SRI. Für CORE, das LIQID als Finanzportfolioverwaltung anbietet, nutzt LIQID 10 eigene Risikoklassen.

Einführung

Zwei Anlagen können dieselbe erwartete Rendite haben und dennoch sehr unterschiedliche Risiken tragen. Eine kann täglich stark schwanken, eine andere schwer verkäuflich sein oder vom Ausfall eines Schuldners abhängen.

Risikoklassen verdichten solche Eigenschaften zu einer Kennzahl oder Kategorie. Das schafft Orientierung, kann die Einzelheiten aber nicht vollständig abbilden. Anleger sollten deshalb immer prüfen, welche Methode hinter einer Einstufung steht und welche Risiken darin berücksichtigt werden.

Was bedeutet Risikoklasse?

Eine Risikoklasse zeigt, wie riskant ein Finanzprodukt oder Portfolio ist – entweder nach einem einheitlichen Standard oder nach einem eigenen Maßstab des jeweiligen Anbieters. Je höher die Klasse, desto größer sind in der Regel die möglichen Wertschwankungen oder Verluste.

Die Einstufung kann sich auf verschiedene Merkmale stützen:

  • Volatilität der Wertentwicklung,
  • mögliches Verlustausmaß,
  • Bonität eines Emittenten (Herausgeber der Anleihe oder Aktie),
  • Liquidität und Handelbarkeit,
  • Laufzeit und empfohlene Haltedauer,
  • Hebelwirkung sowie
  • Zusammensetzung und Konzentration eines Portfolios.

Welche Faktoren tatsächlich einfließen, hängt vom jeweiligen Verfahren ab. Eine Risikoklasse ist daher nur zusammen mit ihrer Definition aussagekräftig.

Welche Arten von Risikoklassen gibt es?

Der Begriff wird in mehreren Zusammenhängen verwendet. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Produktkennzahlen, internen Portfolioklassen und dem persönlichen Risikoprofil.

Gesetzlicher Gesamtrisikoindikator

Für viele Anlageprodukte, wie etwa Fonds, Zertifikate oder fondsgebundene Versicherungen, schreibt eine EU-Verordnung namens PRIIPs (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products) ein Basisinformationsblatt vor. Darin zeigt der Gesamtrisikoindikator (englisch Summary Risk Indicator) oder SRI das Risiko auf einer Skala von 1 (niedrigstes Risiko) bis 7 (höchstes Risiko).

Der SRI kombiniert ein Maß für das Marktrisiko mit einer Einstufung des Kreditrisikos. Die Berechnung berücksichtigt zudem die empfohlene Haltedauer. Ein vorzeitiger Verkauf kann das tatsächliche Risiko erhöhen. Die niedrigste Stufe bedeutet deshalb weder Kapitalgarantie noch Risikofreiheit.

Anbieterinterne Portfolioklassen

Banken und Vermögensverwalter können eigene Skalen nutzen, um Portfolios nach ihrer strategischen Zusammensetzung zu ordnen. Eine solche Klasse kann beispielsweise an den Anteil stark schwankender Anlageklassen anknüpfen.

Diese Skalen sind nicht automatisch mit dem SRI vergleichbar. Eine interne Klasse 4 muss nicht dasselbe bedeuten wie SRI-Stufe 4. Entscheidend sind Definition, Berechnung und Geltungsbereich.

Persönliches Risikoprofil

Das Risikoprofil beschreibt nicht das Produkt, sondern den Anleger. In der Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung müssen Kenntnisse und Erfahrungen, die finanzielle Situation einschließlich der Fähigkeit, Verluste zu tragen, Anlageziele und Risikobereitschaft berücksichtigt werden.

Ein Produkt kann objektiv in eine hohe Risikoklasse fallen und dennoch für einen Anleger geeignet sein, wenn er Verluste tragen kann, einen langen Horizont hat und die Risiken versteht. Für einen anderen Anleger kann dasselbe Produkt ungeeignet sein.

Wie funktioniert der SRI von 1 bis 7?

Der SRI soll das relative Risiko eines Produkts gegenüber anderen PRIIPs darstellen:

StufeGrundsätzliche Einordnung
1niedrigere Risikoklasse
2 bis 3eher niedrigere Risikoklassen
4mittlere Risikoklasse
5 bis 6eher höhere Risikoklassen
7höchste Risikoklasse

Diese Einordnung erlaubt keine feste Zuordnung ganzer Produktgruppen. Nicht jeder Aktienfonds gehört in dieselbe Stufe und nicht jede Anleihe ist risikoarm. Währung, Laufzeit, Bonität, Anlagepolitik und Struktur können die Einstufung verändern.

Bis Ende 2022 nutzten viele Publikumsfonds den Synthetic Risk and Reward Indicator oder SRRI. Auch er hatte 7 Stufen, beruhte aber im Wesentlichen auf historischer Volatilität. Seit Januar 2023 gilt für diese Fonds grundsätzlich der PRIIPs-SRI, der Markt- und Kreditrisiko nach einer anderen Methode kombiniert.

Welche Risiken bildet eine einzelne Klasse nicht vollständig ab?

Eine Zahl kann komplexe Risiken nur zusammenfassen. Besonders genau sollten Anleger deshalb auf folgende Punkte achten:

  • Liquiditätsrisiko: Ein Produkt kann selten handelbar oder nur mit Abschlägen verkäuflich sein.
  • Konzentrationsrisiko: Wenige Emittenten, Regionen oder Branchen können das Ergebnis dominieren.
  • Währungsrisiko: Wechselkurse können Gewinne verstärken oder Verluste vergrößern.
  • Ausfallrisiko: Der Emittent oder ein Vertragspartner kann Zahlungen nicht leisten.
  • Modellrisiko: Historische Daten und Annahmen müssen künftige Marktphasen nicht abbilden.

Auch die Haltedauer ist wichtig. Die PRIIPs-Darstellung weist ausdrücklich darauf hin, dass das Risiko höher sein kann, wenn ein Produkt nicht bis zur Fälligkeit oder nicht über die empfohlene Dauer gehalten wird.

Wie findet man eine passende Risikoklasse?

Entscheidend ist nicht das maximal tragbare Risiko, sondern die Risikoklasse, die zum Anlageziel passt.

Vier Fragen helfen bei der Einordnung:

  1. Wann wird das investierte Kapital voraussichtlich benötigt?
  2. Welcher Verlust wäre finanziell tragbar, ohne andere Ziele zu gefährden?
  3. Welche zwischenzeitlichen Schwankungen hält der Anleger erfahrungsgemäß aus?
  4. Welche Risiken und Produkte versteht er ausreichend?

Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft können voneinander abweichen. Ein Anleger kann einen Verlust wirtschaftlich verkraften, aber bei starken Schwankungen vorschnell verkaufen. Umgekehrt kann jemand hohe Risiken eingehen wollen, obwohl finanzielle Verpflichtungen wenig Spielraum lassen. In beiden Fällen sollte sich die Risikoklasse an der konservativeren Grenze orientieren.

Ein längerer Anlagehorizont schafft mehr Zeit, zwischenzeitliche Marktverluste auszusitzen. Er garantiert jedoch weder deren Aufholung noch eine positive Rendite. Kapital, das kurzfristig benötigt wird, sollte daher nicht allein wegen höherer Renditechancen einer hohen Risikoklasse zugeordnet werden.

Wie unterscheiden sich die Risikoklassen bei LIQID?

Bei LIQID hängt die Risikoeinstufung von der Art des Angebots ab. Die Private-Markets-Produkte von NXT und PRO weisen im Basisinformationsblatt den gesetzlichen SRI auf einer Skala von 1 bis 7 aus.

CORE dagegen ist eine Finanzportfolioverwaltung. Dafür nutzt LIQID 10 eigene Risikoklassen, die für CORE Future, CORE Global und CORE Select gelten.

Die Klassen richten sich nach dem Anteil stärker schwankender Anlageklassen wie Aktien. Ein Portfolio der Risikoklasse 10 enthält demnach 10 % solcher Anlagen. Risikoklasse 100 steht entsprechend für 100 %.

Die Zahl beschreibt die strategische Risikostruktur des verwalteten Portfolios. Je höher sie ist, desto größer sind die langfristigen Renditechancen, aber auch die möglichen Wertschwankungen und Verluste.

Der SRI und die CORE-Risikoklassen folgen unterschiedlichen Maßstäben. Der SRI klassifiziert ein einzelnes Produkt nach der gesetzlichen PRIIPs-Methode. Die CORE-Skala beschreibt die strategische Zusammensetzung eines individuell verwalteten Portfolios.

Fazit

Eine Risikoklasse macht das Risiko eines Produkts oder Portfolios vergleichbarer. Ihre Aussage hängt jedoch von der verwendeten Methode ab. Besonders der gesetzliche SRI, interne Portfolioklassen und das persönliche Risikoprofil dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Für eine passende Anlageentscheidung reicht die Kennzahl allein nicht aus. Anleger müssen auch Anlageziel, Zeithorizont, Verlusttragfähigkeit, Risikobereitschaft und die konkreten Einzelrisiken berücksichtigen.

Autor

Frederik Simon

Quantitative Investment Associate

Frederik Simon verantwortet als Quantitative Investment Associate im Investment Team von LIQID die liquiden Kapitalmarktstrategien mit. Nach dem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth absolvierte er einen Master in Finance an der Universität zu Köln. Im Anschluss forschte und lehrte er vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Köln zu Portfoliooptimierung und promovierte 2024 summa cum laude zum Dr. rer. pol. Seine Forschung zu Deep Learning in der Portfoliooptimierung wurde im Fachjournal Management Science veröffentlicht und auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt. Im September 2024 kam er zu LIQID, seit Dezember 2025 in der heutigen Funktion.


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