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Was ist eine Benchmark?

18. September 20266 Min. LesezeitMartin Kaelble

Eine Rendite allein sagt wenig über den Anlageerfolg aus. Eine Benchmark setzt sie ins Verhältnis zu einem passenden Markt oder einer vergleichbaren Strategie. So können Anleger Leistung, Kosten und Ausrichtung eines Portfolios fundierter beurteilen.

Key Takeaways
  1. Eine Benchmark ist ein Vergleichsmaßstab, meist ein Index, an dem Anleger die Wertentwicklung eines Portfolios oder Fonds messen können.

  2. Der Vergleich ordnet absolute Renditen ein und macht Fonds, Portfolios und Vermögensverwalter über denselben Zeitraum vergleichbar.

  3. Eine aussagekräftige Benchmark muss zur Asset Allokation, zur geografischen Streuung und zum Anlagestil des Portfolios passen.

  4. Bei Strategien mit mehreren Anlageklassen bilden kombinierte, investierbare Benchmarks die Gewichtung und das Risikoprofil genauer ab als ein einzelner Index.

Einführung

Zwei Portfolios können dieselbe Rendite erzielen und dennoch unterschiedlich erfolgreich sein. Entscheidend ist, welche Märkte, Risiken und Vorgaben hinter dem Ergebnis stehen.

Eine Benchmark ist deshalb mehr als ein Messwert. Sie beschreibt das Vergleichsszenario, an dem eine Strategie sinnvoll beurteilt werden kann. Erst wenn dieses Szenario zum Portfolio passt, wird aus einer Rendite eine aussagekräftige Leistung.

Was ist eine Benchmark?

Eine Benchmark ist ein Referenzwert oder Vergleichsmaßstab für die Wertentwicklung eines Anlageportfolios oder Investmentfonds. Meist handelt es sich um einen breit gestreuten Marktindex, der einen bestimmten Markt oder eine Anlageklasse repräsentiert.

Wie im Sport zeigt erst der relevante Rekord oder die Leistung einer Vergleichsgruppe, wie gut ein Ergebnis tatsächlich ist. An den Finanzmärkten übernehmen Indizes wie der MSCI World oder der S&P 500 diese Funktion für bestimmte Marktsegmente.

Entwickelt sich ein Portfolio besser als seine Benchmark, spricht man von Outperformance. Bleibt es dahinter zurück, liegt eine Underperformance vor.

Der Vergleich muss dafür stets denselben Zeitraum wie die Wertentwicklung des Portfolios abdecken.

Warum sind Benchmarks für Anleger wichtig?

Benchmarks schaffen eine objektive Grundlage, um Anlageergebnisse zu bewerten und die eigene Strategie zu überprüfen:

Leistung im richtigen Kontext

Eine absolute Rendite von 5 % in einem Jahr wirkt zunächst positiv. Steigt der relevante Markt im selben Zeitraum jedoch um 10 %, hat die Strategie eine deutliche Underperformance erzielt. Die Benchmark setzt das Ergebnis ins Verhältnis und ermöglicht eine faire Beurteilung.

Überprüfung der Anlagestrategie

Ein systematischer Vergleich zeigt, ob die gewählte Strategie ihre Ziele erreicht. Bleibt ein Portfolio dauerhaft hinter seinem Vergleichsmaßstab zurück, können eine ungeeignete Strategie, hohe Kosten oder eine schwache Titelauswahl mögliche Ursachen sein.

Transparenz und Vergleichbarkeit

Standardisierte Benchmarks machen Fonds, Portfolios und Vermögensverwalter besser vergleichbar. Anleger können damit prüfen, welcher Ansatz in der Vergangenheit einen Mehrwert gegenüber dem breiten Markt geschaffen hat. Ein solcher Rückblick erlaubt jedoch keine sichere Aussage über künftige Ergebnisse.

Welche Arten von Benchmarks gibt es?

Benchmarks reichen von globalen Aktienindizes bis zu spezialisierten Nischenindizes. Häufig dienen diese Marktindizes als Vergleichsmaßstab:

  • S&P 500: Er umfasst 500 große börsennotierte US-Unternehmen und ist ein wichtiger Indikator für den US-Aktienmarkt.
  • MSCI World: Er bildet die Wertentwicklung von mehr als 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab und dient häufig als Benchmark für globale Aktienportfolios.
  • Global Aggregate Bond Index: Er repräsentiert Tausende Staats- und Unternehmensanleihen weltweit und eignet sich als Vergleichsmaßstab für global ausgerichtete Anleiheportfolios.

Mischindizes kombinieren mehrere Anlageklassen in einem Vergleichsmaßstab. Hinzu kommen Benchmarks für Rohstoffe, Immobilien, einzelne Branchen oder Nachhaltigkeitsstrategien. Je enger ein Index zugeschnitten ist, desto genauer muss geprüft werden, ob sein Marktsegment tatsächlich zur Strategie des Portfolios passt.

Wie wählt man die passende Benchmark aus?

Eine Benchmark ist aussagekräftig, wenn sie die Anlagestrategie möglichst genau widerspiegelt. Für ein ausschließlich aus deutschen Aktien bestehendes Portfolio wäre der MSCI World zu breit. Der DAX eignet sich umgekehrt nicht für ein weltweit diversifiziertes Portfolio, weil er nur 40 deutsche Aktien umfasst.

Entscheidend sind die strategische Asset Allokation, die geografische Streuung und der Anlagestil. Für gemischte Portfolios können individuell zusammengestellte Benchmarks sinnvoll sein. Sie verbinden beispielsweise einen globalen Aktien-ETF und einen globalen Anleihe-ETF in denselben Gewichten wie das Kundenportfolio.

So wird der Aktienanteil am Aktienmarkt und der Anleihenanteil am Anleihenmarkt gemessen. Die gemeinsame Gewichtung ermöglicht anschließend den Vergleich mit dem gesamten Portfolio.

Wie sieht eine Benchmark in der Praxis aus?

Ein konkretes Beispiel liefert LIQID. Für die CORE Global, CORE Future und CORE Select Portfolios verwendet der Vermögensverwalter keinen abstrakten Index. Die Benchmark ist ein investierbares Vergleichsportfolio aus zwei tatsächlich handelbaren ETFs. Das ist für eine Vermögensverwaltung ungewöhnlich transparent: Anleger können genau nachvollziehen, welche passive Alternative der aktiven Strategie gegenübersteht.

Den Anleihebaustein bildet der iShares Global Aggregate Bond ETF. Er umfasst rund 20.000 festverzinsliche Wertpapiere guter bis sehr guter Bonität aus verschiedenen Ländern und Marktsegmenten. Währungsrisiken gegenüber dem Euro sind abgesichert. Der Aktienbaustein besteht aus dem SPDR MSCI ACWI IMI ETF. Er bündelt etwa 4.200 große, mittlere und kleinere Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.

Die Gewichtung beider ETFs richtet sich nach der strategischen Aktien- und Anleihenquote der gewählten Risikoklasse. Deshalb besitzt jede Risikoklasse eine Benchmark, die ihre langfristige Risikostruktur möglichst genau abbildet. Für die Berechnung werden die Tagesrenditen der ETFs mit ihren tagesaktuellen Gewichten multipliziert. Bei Umschichtungen werden angenommene Handelskosten von 0,40 % des bewegten Transaktionsvolumens berücksichtigt. Referenzwährung ist der Euro.

Damit liegt die Messlatte deutlich höher als bei einem Vergleich mit dem DAX oder einem anderen einzelnen Aktienindex. Die LIQID-Portfolios müssen sich an einer kostengünstigen, global diversifizierten und praktisch umsetzbaren Alternative mit vergleichbarem Risikoprofil messen lassen.

Fazit

Eine Benchmark liefert den Kontext, in dem sich Renditen, Strategien und Kosten fair beurteilen lassen. Dafür muss der Vergleichsmaßstab zum Anlageuniversum und zur Struktur des Portfolios passen.

Je präziser die Benchmark die tatsächliche Strategie abbildet, desto besser können Anleger die Wertentwicklung einordnen und fundierte Entscheidungen treffen.

Autor

Martin Kaelble

Advisor

Martin ist seit 2026 Advisor von LIQID. Er verbindet drei Perspektiven auf die Finanz- und Contentwelt: die des Gründers, die des Medienmanagers und die des Wirtschaftsjournalisten. Seine Laufbahn begann er im Jahr 2000 in der Tech-Branche, wo er in jungen Jahren den Content-Bereich des Berliner Startups Jamba mitverantwortete. Nach dem Studium der Management and Economics an der London School of Economics and Political Science und einem Diplom der Universität der Künste Berlin wechselte er in den Wirtschaftsjournalismus. Von 2009 bis 2012 berichtete er als Korrespondent und Redakteur der Financial Times Deutschland über Weltwirtschaft und Politik. 2013 wurde er Teil des Relaunch-Teams von Capital, half das Wirtschaftsmagazin bei Gruner + Jahr neu zu konzipieren und leitete zunächst das Ressort Leben. Als Digitalchef und Leiter der Online-Redaktion prägte er anschließend bis 2021 die digitale Ausrichtung von capital.de. 2021 kehrte er auf die Unternehmerseite zurück und gründete informed mit, eine Plattform, die kuratierten Journalismus internationaler Medien in einem Abonnement bündelt. Als Mitgründer und CEO verantwortet er dort heute Produkte im B2C-Content- und B2B-KI-Bereich. Diese Kombination aus Gründer-Perspektive, digital- und KI-strategischem Know-how sowie einem journalistisch-redaktionellen Blick bringt er als Advisor bei LIQID ein.


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