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Was ist ESG und wie wird es bei der Geldanlage eingesetzt?

18. September 20266 Min. LesezeitFrederik Simon

Der Wert eines Unternehmens hängt nicht nur von Finanzkennzahlen ab. ESG ordnet Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und macht diese Faktoren für Anlageentscheidungen systematisch nutzbar.

Key Takeaways
  1. ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und ergänzt klassische Finanzkennzahlen um nichtfinanzielle Faktoren.

  2. Anleger nutzen ESG-Kriterien, um langfristige Chancen und Risiken zu analysieren und Nachhaltigkeitsziele im Portfolio abzubilden.

  3. Ausschlüsse, Best-in-Class und Impact Investing übersetzen Nachhaltigkeitsziele in unterschiedliche Auswahl- und Wirkungsansätze.

  4. Unterschiedliche Methoden und Datenlücken begrenzen die Vergleichbarkeit von ESG-Ratings. Anleger sollten zudem Greenwashing-Risiken prüfen.

Einführung

Unternehmen erwirtschaften nicht nur Umsatz und Gewinn. Sie verbrauchen Ressourcen, gestalten Arbeitsbedingungen und verteilen Verantwortung zwischen Management, Aufsicht und Eigentümern. Diese Faktoren können ihre langfristige Entwicklung ebenso prägen wie klassische Bilanzkennzahlen.

Die drei Perspektiven zeigen, wo sich wirtschaftliche Leistung und Nachhaltigkeit berühren. Sie erweitern die Finanzanalyse, ersetzen aber weder diese noch eine eigenständige Prüfung.

Was bedeutet ESG?

ESG ist die Abkürzung für die englischen Begriffe Environmental, Social und Governance. Auf Deutsch stehen sie für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der international etablierte Rahmen beschreibt ökologische, soziale und führungsbezogene Aspekte der Unternehmenspraxis.

Die Kriterien ergänzen die klassische Analyse von Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen. Dahinter steht die Annahme, dass Umweltmanagement, soziale Beziehungen und gute Unternehmensführung langfristige Chancen und Risiken beeinflussen. Eine starke ESG-Bewertung ist jedoch kein automatischer Beleg für wirtschaftlichen Erfolg.

Welche drei Bereiche umfasst ESG?

Jeder Bereich bündelt mehrere Kriterien. Welche davon wesentlich sind, hängt vom Geschäftsmodell, der Branche und dem jeweiligen Analyseansatz ab.

Environmental – Umwelt

Bei Umweltkriterien prüfen Anleger, wie ein Unternehmen Natur und Klima beeinflusst und wie gut sein Geschäftsmodell auf Klimawandel und Ressourcenknappheit vorbereitet ist.

  • Klimastrategie und CO₂-Emissionen: Unternehmen messen ihre Treibhausgasemissionen und legen Ziele sowie Maßnahmen zur Reduktion fest.
  • Ressourcenmanagement: Der Umgang mit Energie, Wasser und Rohstoffen zeigt, wie effizient ein Unternehmen produziert und wirtschaftet.
  • Abfall und Kreislaufwirtschaft: Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling verringern Abfallmengen und den Verbrauch neuer Ressourcen.
  • Biodiversität: Unternehmen erfassen, wie ihre Tätigkeit Ökosysteme und Artenvielfalt beeinflusst und wie sie negative Folgen begrenzen.

Social – Soziales

Bei sozialen Kriterien betrachten Anleger die Beziehungen eines Unternehmens zu Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und der Gesellschaft. Gute Arbeitsbedingungen stärken die Mitarbeiterbindung. Verlässliche Standards unterstützen Reputation und Risikomanagement.

  • Arbeitsbedingungen: Dazu gehören Arbeitssicherheit, faire Löhne, Weiterbildung und die Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte.
  • Vielfalt und Inklusion: Chancengleichheit soll unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder anderen persönlichen Merkmalen gelten.
  • Lieferketten: Unternehmen prüfen, ob ihre Zulieferer soziale und ethische Standards einhalten, etwa das Verbot von Kinderarbeit.
  • Produkte und Daten: Produktsicherheit und Datenschutz zeigen, wie verantwortungsvoll ein Unternehmen mit Kundeninteressen umgeht.

Governance – Unternehmensführung

Governance beschreibt die Qualität und Transparenz der Leitung und Kontrolle eines Unternehmens. Gute Strukturen sollen Interessen ausgleichen, Fehlverhalten begrenzen und langfristig verantwortliche Entscheidungen fördern.

  • Vorstand und Aufsichtsrat: Unabhängige und angemessen besetzte Kontrollgremien stärken die wirksame Überwachung des Managements.
  • Vergütung: Langfristige und nachvollziehbare Anreizsysteme richten die Interessen von Führungskräften und Eigentümern besser aufeinander aus.
  • Transparenz: Verlässliche Berichte machen Geschäftspraktiken und Nachhaltigkeitsleistungen für Anleger überprüfbar.
  • Aktionärsrechte und Ethik: Klare Regeln schützen Eigentümerrechte und helfen, Korruption sowie Interessenkonflikte zu verhindern.

Wie wird ESG in der Geldanlage umgesetzt?

Anleger können ESG-Prinzipien auf unterschiedliche Weise in eine Anlagestrategie integrieren. Die drei verbreiteten Ansätze verfolgen verschiedene Ziele und sind nicht austauschbar.

LIQID ist als Unternehmen B-Corp-zertifiziert und berücksichtigt mit LIQID CORE Future festgelegte Nachhaltigkeitskriterien in einem weltweit diversifizierten Portfolio aus ETFs und ETCs.

Ausschlussverfahren

Beim Negative Screening schließt eine Strategie bestimmte Branchen oder Unternehmen aus dem Anlageuniversum aus. Häufig betrifft das Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Waffen oder fossile Brennstoffe. Welche Ausschlüsse gelten, hängt von den festgelegten Kriterien ab.

Best-in-Class-Ansatz

Der Best-in-Class-Ansatz vergleicht Unternehmen innerhalb einer Branche und wählt diejenigen mit der besten ESG-Bewertung aus. Dadurch bleiben grundsätzlich alle Branchen investierbar. Ein Energiekonzern kann etwa ausgewählt werden, wenn er bei erneuerbaren Energien und Emissionsreduktion im Branchenvergleich führend ist.

Impact Investing

Impact Investing richtet Kapital gezielt auf Unternehmen oder Projekte mit einer messbaren positiven sozialen oder ökologischen Wirkung. Neben einer finanziellen Rendite steht ein konkretes Wirkungsziel. Beispiele sind sauberes Trinkwasser, bessere Bildung oder innovative Medizintechnik.

Welche Rolle spielen ESG-Ratings?

Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics oder ISS ESG sammeln Daten aus Unternehmensberichten, Medien und weiteren Quellen. Daraus leiten sie ESG-Ratings ab, die Anlegern eine erste Orientierung geben.

Die Bewertungen sind jedoch nicht einheitlich. Agenturen wählen unterschiedliche Kriterien, Gewichtungen und Datenquellen. Deshalb kann dasselbe Unternehmen je nach Methodik verschiedene Ratings erhalten. Anleger sollten neben dem Ergebnis auch verstehen, was ein Rating misst und welche Daten ihm zugrunde liegen.

Was gibt es bei ESG zu beachten?

ESG erweitert den Blick auf Unternehmen, löst aber nicht alle Bewertungsprobleme. Zwei Grenzen sind besonders relevant.

Greenwashing

Greenwashing bezeichnet den Versuch, Produkte oder Unternehmen nachhaltiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Einzelne positive Maßnahmen können dabei ein insgesamt problematisches Geschäftsmodell überdecken. Aussagekräftig sind deshalb nachvollziehbare Ziele, messbare Ergebnisse und konsistente Geschäftspraktiken.

Unterschiedliche Standards und Datenlücken

Für die ESG-Berichterstattung besteht kein weltweit einheitlicher, verbindlicher Standard. Das erschwert den Vergleich über Länder, Branchen und Unternehmen hinweg. Besonders bei kleineren Unternehmen oder in Schwellenländern fehlen mitunter verlässliche Daten. Auch ein hoher Datenumfang beseitigt methodische Unterschiede zwischen Bewertungsansätzen nicht.

Fazit

ESG verbindet Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu einem Rahmen für die erweiterte Unternehmensanalyse. Ausschlüsse, Best-in-Class-Auswahl und Impact Investing übersetzen ihn in unterschiedliche Anlagestrategien.

Für Anleger liefern ESG-Kriterien zusätzliche Informationen über langfristige Chancen, Risiken und Wirkungsziele. Ihre Aussagekraft hängt jedoch von Datenqualität, Methodik und klaren Zielen ab. Wer diese Grenzen berücksichtigt, kann Nachhaltigkeitsaspekte fundierter in Anlageentscheidungen einordnen.

Autor

Frederik Simon

Quantitative Investment Associate

Frederik Simon verantwortet als Quantitative Investment Associate im Investment Team von LIQID die liquiden Kapitalmarktstrategien mit. Nach dem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth absolvierte er einen Master in Finance an der Universität zu Köln. Im Anschluss forschte und lehrte er vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Köln zu Portfoliooptimierung und promovierte 2024 summa cum laude zum Dr. rer. pol. Seine Forschung zu Deep Learning in der Portfoliooptimierung wurde im Fachjournal Management Science veröffentlicht und auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt. Im September 2024 kam er zu LIQID, seit Dezember 2025 in der heutigen Funktion.


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