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Was ist eine Due Diligence?

18. September 202612 Min. LesezeitMartin Kaelble

Wer in Private Markets investiert, legt sich meist für viele Jahre fest. Umso wichtiger ist es, Chancen und Risiken vorab gründlich zu prüfen. Genau das leistet die Due Diligence: Sie untersucht Fondsmanager und Fonds ebenso wie einzelne Unternehmen, Kredite oder Projekte.

Key Takeaways
  1. Eine Due Diligence prüft vor einer Investition systematisch Informationen und Annahmen und schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

  2. Fondsselektoren prüfen Manager und Fonds. Fondsmanager analysieren Unternehmen, Kredite oder Projekte, bevor ihre Fonds investieren.

  3. Beide Prüfprozesse verbinden Unterlagen und Kennzahlen mit Gesprächen sowie wirtschaftlicher, rechtlicher und steuerlicher Analyse.

  4. Je nach Anlageklasse liegen die Schwerpunkte auf Wertschöpfung, Technik, Regulierung, Kreditqualität oder auch Sicherheiten.

  5. Langjährige Erfahrung und Spezialwissen helfen dabei, Daten einzuordnen, Annahmen zu prüfen und Warnsignale früh zu erkennen.

Einführung

An öffentlichen Märkten liefern laufende Preise und standardisierte Berichte eine breite Informationsbasis. In Private Markets fehlen solche kontinuierlichen Marktsignale. Beteiligungen, private Kredite und Infrastrukturinvestments werden individuell strukturiert und meist über Jahre gehalten.

Weil sich eine Kapitalzusage später nur eingeschränkt korrigieren lässt, muss die Prüfung vorab besonders gründlich sein. In Private Markets entstehen daraus zwei unterschiedliche Prüfaufgaben. Fondsselektoren beurteilen den Manager, seine Strategie, seine Organisation und die Bedingungen des Fonds. Der Fondsmanager prüft auf einer zweiten Ebene jedes Unternehmen, jeden Kredit und jedes Projekt, in das der Fonds investieren soll. Beide Due-Diligence-Prozesse verbinden vorliegende Daten mit einer Einschätzung künftiger Chancen und Risiken.

Was bedeutet Due Diligence in Private Markets?

Der Begriff Due Diligence bezeichnet die strukturierte Prüfung vor einer Investition. Der englische Ausdruck lässt sich sinngemäß mit „gebotener Sorgfalt“ übersetzen und beschreibt den Maßstab für die Prüfung aller entscheidungsrelevanten Angaben. Eine solche Prüfung testet Informationen und Annahmen auf Plausibilität und macht Risiken sowie Interessenkonflikte sichtbar. Ihr Ergebnis liefert eine dokumentierte Grundlage dafür, die Investition zu befürworten, abzulehnen oder an Bedingungen zu knüpfen.

In Private Markets greifen zwei Prüfebenen ineinander. Fondsselektoren sind professionelle Anleger oder von ihnen beauftragte Spezialisten. In der Manager- und Fonds-Due-Diligence untersuchen sie Organisation und Team des Managers, Strategie, Prozesse, Track-Record und Fondsbedingungen.

Auf der zweiten Ebene führt der Fondsmanager oder sein Investmentteam die Investment-Due-Diligence durch. Sie untersucht das einzelne Unternehmen, den Kreditnehmer oder das Infrastrukturprojekt. Zur Manager- und Fonds-Due-Diligence gehört deshalb auch die Frage, wie systematisch der Manager seine Zielinvestments auswählt, genehmigt und überwacht.

Bei Bedarf ergänzen Rechts- und Steuerberater die wirtschaftliche Analyse auf beiden Ebenen. Der konkrete Umfang richtet sich nach Anlageklasse, Fondsstruktur und Zielinvestment.

Warum ist Due Diligence in Private Markets wichtig?

Vor einer Kapitalzusage können Fondsselektoren nur indirekt beurteilen, ob ein Manager seine bisherigen Ergebnisse wiederholen kann. Die Manager- und Fonds-Due-Diligence prüft deshalb, ob Strategie, Organisation, Team, Track-Record und Fondsbedingungen zusammenpassen.

Der Fondsmanager steht vor einer anderen Entscheidung. Seine Investment-Due-Diligence prüft, ob ein konkretes Zielinvestment zur Fondsstrategie passt und ob die Annahmen zu Wertentwicklung, Rückzahlung und Risiken belastbar sind.

Schon die große Zahl und Vielfalt potenzieller Fonds erschwert den Vergleich. Im Januar 2026 zählte das Private-Equity-Segment mehr als 14.000 aktive Fonds mit unterschiedlichen regionalen, sektoralen und strategischen Schwerpunkten. Auch erfolgreiche Manager erzielen nicht mit jedem Fonds die gleichen Ergebnisse. Weil das Kapital meist langfristig gebunden ist, wirkt sich eine Fehlentscheidung über Jahre auf das Portfolio aus.

Fehler auf beiden Prüfebenen haben langfristige Folgen. Eine ungeeignete Fondsauswahl bindet Anlegerkapital an einen ungeeigneten Manager oder Fonds. Eine unzureichend geprüfte Zielinvestition kann dagegen das Ergebnis des Fonds belasten.

Das Video erläutert den Prozess am Beispiel von Private Equity. Die verwendeten Grafiken und Daten befinden sich auf dem Stand vom 30. September 2022 und können von den im Text genannten Daten abweichen.

Was wird bei einer Due Diligence geprüft?

Was geprüft wird, hängt zunächst von der Prüfebene ab. Beide Ebenen folgen einem strukturierten Prozess, untersuchen aber unterschiedliche Gegenstände.

Manager- und Fonds-Due-Diligence

Ein gemeinsamer Kriterienkatalog erleichtert Fondsselektoren den Vergleich von Managern und Fonds. Die Gewichtung der einzelnen Kriterien hängt von Strategie und Anlageklasse ab.

  • Managementteam: Entscheidend sind Erfahrung in der jeweiligen Anlageklasse, Reputation, Kapazitäten, Referenzen sowie Dauer und Stabilität der Zusammenarbeit.
  • Anreize: Vergütungs- und Beteiligungsmodelle zeigen, wie die Interessen des Managers und der Investoren aufeinander ausgerichtet sind.
  • Organisation: Funktionen, Verantwortlichkeiten und mögliche Interessenkonflikte müssen klar geregelt und nachvollziehbar sein.
  • Strategie und Portfolio: Anlageuniversum, Fondsgröße, Diversifikation und Portfoliokonstruktion müssen zur formulierten Strategie passen.
  • Investitionsprozess: Der Manager muss zeigen, wie er Investments findet, analysiert, genehmigt und über die Haltedauer oder Kreditlaufzeit begleitet.
  • Track-Record: Belegbare Ergebnisse früherer Fonds werden im Kontext der Marktphase, der Strategie und der verantwortlichen Teammitglieder eingeordnet.
  • Dealflow und Netzwerk: Der Zugang zu geeigneten Transaktionen und ein belastbares Netzwerk entscheiden maßgeblich darüber, welche Investitionen der Manager prüfen kann.
  • Standards und Konditionen: Berichterstattung, Buchführung, Verträge, Fondsbedingungen und Kosten müssen zur Strategie und zu den Anforderungen der Investoren passen.

Kein Kriterium steht für sich allein. Ein überzeugender Track-Record ersetzt weder eine tragfähige Organisation noch einen plausiblen Prozess. Umgekehrt reicht eine schlüssige Strategie ohne ein erfahrenes Team und Zugang zu geeigneten Transaktionen nicht aus. Branchenstandards wie der Due Diligence Questionnaire der Institutional Limited Partners Association strukturieren den Prozess, ersetzen aber nicht die eigenständige, vertiefte Analyse.

Investment-Due-Diligence

Bei der Investment-Due-Diligence prüft der Fondsmanager ein einzelnes Zielinvestment. Anlageklassenübergreifend stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Strategiepassung: Das Zielinvestment muss zur Strategie, Größenordnung und Portfoliokonstruktion des Fonds passen.
  • Investmentthese: Das Team prüft, welche Annahmen den erwarteten Wertzuwachs oder die Rückzahlung tragen und wodurch sie scheitern könnten.
  • Wirtschaftlichkeit: Analysiert werden Geschäftsmodell, Markt, Cashflows, Bewertung, Finanzierung und Kapitalbedarf, soweit sie für das Ziel relevant sind.
  • Management und Umsetzung: Das Prüfteam bewertet Führung, operative Prozesse, technische Voraussetzungen und die Fähigkeit, den Plan umzusetzen.
  • Recht und Steuern: Eigentumsverhältnisse, Verträge, Genehmigungen, Compliance und steuerliche Struktur müssen belastbar sein.
  • Risiken und Realisierung: Die Prüfung erfasst wesentliche Risiken, Gegenmaßnahmen, Monitoring sowie den geplanten Exit oder die Rückzahlung.

Wie unterscheidet sich Due Diligence nach Anlageklasse?

Auf beiden Prüfebenen bleibt die Grundstruktur ähnlich. Die konkreten Fragen unterscheiden sich jedoch, weil Renditetreiber, Datenlage und Risiken der vier Anlageklassen verschieden sind.

Private Equity: Wertschöpfung und Exit

Manager- und Fonds-Due-Diligence: Fondsselektoren prüfen Dealflow, Preisdisziplin, Finanzierungs- und Wertschöpfungskompetenz sowie die Exit-Erfahrung des Managers. Sie trennen realisierte Ergebnisse von vorläufigen Bewertungen und ordnen einzelne Transaktionen den verantwortlichen Teammitgliedern zu.

Investment-Due-Diligence: Der Fondsmanager untersucht das einzelne Zielunternehmen. Im Mittelpunkt stehen Geschäftsmodell, Marktposition, Ertragslage, Cashflows, Managementteam, Kaufpreis und Kapitalstruktur. Wertschöpfungs- und Exit-Plan müssen aus diesen Erkenntnissen schlüssig hervorgehen.

Venture Capital: Zugang und Portfoliokonstruktion

Manager- und Fonds-Due-Diligence: Fondsselektoren bewerten Branchenkenntnis, Netzwerk, Auswahlqualität und die Begleitung späterer Finanzierungsrunden. Ebenso wichtig sind Portfoliokonstruktion, Reserven für Folgeinvestitionen und der Umgang mit Ausfällen.

Investment-Due-Diligence: Bei jungen Unternehmen liegen meist nur wenige historische Finanzdaten vor. Das Investmentteam prüft deshalb besonders das Gründerteam, Produkt, Technologie, Markt, Umsatzmodell, Kapitalbedarf und Skalierbarkeit. Annahmen und Szenarien haben hier mehr Gewicht als eine lange Finanzhistorie.

Infrastruktur: technische und regulatorische Tragfähigkeit

Manager- und Fonds-Due-Diligence: Fondsselektoren prüfen, ob das Team technische, rechtliche und finanzielle Expertise abdeckt und bei Bedarf externe Spezialisten einbindet. Ebenso wichtig ist die Erfahrung mit Bau, Betrieb und langfristiger Projektüberwachung.

Investment-Due-Diligence: Der Fondsmanager untersucht das konkrete Projekt. Im Mittelpunkt stehen Bau- und Betriebsrisiken, Genehmigungen, Konzessions- oder Abnahmeverträge, Erlösannahmen, Finanzierung sowie Umwelt- und Sozialrisiken.

Private Debt: Kreditqualität und Verlustschutz

Manager- und Fonds-Due-Diligence: Fondsselektoren bewerten die Standards der Kreditprüfung und -vergabe, die Portfolioüberwachung, den Umgang mit Covenants sowie die Erfahrung des Managers mit Restrukturierungen und Kreditausfällen.

Investment-Due-Diligence: Der Fondsmanager prüft die Rückzahlungsfähigkeit des einzelnen Kreditnehmers. Analysiert werden Geschäftsmodell, Cashflows, Kapitalstruktur, Verschuldung, Sicherheiten und Covenants. Die europäischen Leitlinien zur Kreditvergabe betonen ebenfalls Kreditwürdigkeitsprüfung, Governance, Monitoring und Sicherheitenbewertung.

Wie läuft die Prüfung in der Praxis ab?

Beide Arten der Due Diligence verlaufen selten streng linear. Neue Erkenntnisse aus Dokumenten, Daten und Gesprächen führen häufig zu Rückfragen oder vertieften Analysen. Die Phasen ähneln sich, doch Akteure und Informationsquellen unterscheiden sich.

Typischerweise lassen sich fünf Arbeitsschritte unterscheiden:

  • Vorauswahl: Der Fondsselektor prüft, ob Manager, Strategie und Fonds zum Portfolio passen. Das Investmentteam des Managers gleicht ein mögliches Zielinvestment mit den Anlagekriterien des Fonds ab.
  • Informationsaufnahme: Für die Manager- und Fondsprüfung stellt der Manager Angaben zu Team, Organisation, Strategie und bisherigen Fonds bereit. Für die Prüfung des Zielinvestments liefern Unternehmen, Kreditnehmer oder Projektbeteiligte operative, finanzielle, rechtliche und technische Informationen.
  • Vertiefung: Der Fondsselektor analysiert Track-Record, Team und Referenzen. Das Investmentteam prüft Investmentthese, Bewertung und Risiken des Zielinvestments. Spezialisten sowie Rechts- und Steuerberater vertiefen einzelne Fragen.
  • Entscheidung: Auf der ersten Ebene entscheidet das zuständige Gremium über die Kapitalzusage an den Fonds. Auf der zweiten entscheidet das Investitionskomitee des Managers über das Zielinvestment und mögliche Bedingungen.
  • Monitoring: Nach der Kapitalzusage überwacht der Fondsselektor Manager und Fonds. Nach dem Investment überwacht der Fondsmanager das Unternehmen, den Kredit oder das Projekt.

Warum sind Erfahrung und Spezialwissen entscheidend?

Auf Ebene der Fondsselektion zeigen Dokumente und Daten, was bisher geschehen ist. Sie erklären aber nicht automatisch, ob Ergebnisse aus einem wiederholbaren Prozess oder günstigen Marktbedingungen entstanden sind. Erfahrene Fondsselektoren trennen realisierte Renditen von noch nicht realisierten Wertzuwächsen, die auf modellbasierten Bewertungen beruhen. Sie prüfen, welche Ergebnisse das heutige Team tatsächlich verantwortet hat.

Bei Zielinvestments ist ein anderer Vergleichsmaßstab gefragt. Das Investmentteam muss beurteilen, ob Annahmen zu Markt, Cashflows, Technologie, Bau, Sicherheiten oder Rückzahlung für das konkrete Investment plausibel sind.

Langjährige Erfahrung über mehrere Marktphasen ist auf beiden Ebenen unverzichtbar. Spezialwissen hilft, die entscheidenden Fragen der jeweiligen Anlageklasse zu stellen und Warnsignale früh zu erkennen.

Professionelle Anleger, darunter Family Offices, arbeiten deshalb häufig mit Spezialisten für einzelne Anlageklassen der Private Markets. Auch LIQID bindet solche Partner ein. Neuberger bringt Expertise in Private Equity und Infrastruktur ein, Ares in Private Debt und VenCap in Venture Capital. HQ Capital unterstützt die Auswahl und Prüfung von Private-Equity-Zielfonds. Die Partner bringen ihre Expertise je nach Aufgabe in die Manager- und Fondsauswahl oder in die Prüfung und Steuerung von Zielinvestments ein.

Fazit

Due Diligence in Private Markets unterscheidet zwei ineinandergreifende Prüfebenen. Fondsselektoren beurteilen Manager und Fonds. Fondsmanager prüfen die Unternehmen, Kredite und Projekte, in die ihre Fonds investieren sollen. Beide Prozesse folgen einem strukturierten Rahmen, setzen aber je nach Anlageklasse andere Schwerpunkte.

Belastbare Entscheidungen setzen auf beiden Ebenen verlässliche Daten, langjährige Erfahrung und anlageklassenspezifisches Wissen voraus. Erfahrene Spezialisten prüfen Annahmen und identifizieren Interessenkonflikte sowie Schwachstellen. So entsteht auf jeder Ebene eine fundierte Grundlage für die Auswahl eines Fonds und seiner späteren Zielinvestments.

Autor

Martin Kaelble

Advisor

Martin ist seit 2026 Advisor von LIQID. Er verbindet drei Perspektiven auf die Finanz- und Contentwelt: die des Gründers, die des Medienmanagers und die des Wirtschaftsjournalisten. Seine Laufbahn begann er im Jahr 2000 in der Tech-Branche, wo er in jungen Jahren den Content-Bereich des Berliner Startups Jamba mitverantwortete. Nach dem Studium der Management and Economics an der London School of Economics and Political Science und einem Diplom der Universität der Künste Berlin wechselte er in den Wirtschaftsjournalismus. Von 2009 bis 2012 berichtete er als Korrespondent und Redakteur der Financial Times Deutschland über Weltwirtschaft und Politik. 2013 wurde er Teil des Relaunch-Teams von Capital, half das Wirtschaftsmagazin bei Gruner + Jahr neu zu konzipieren und leitete zunächst das Ressort Leben. Als Digitalchef und Leiter der Online-Redaktion prägte er anschließend bis 2021 die digitale Ausrichtung von capital.de. 2021 kehrte er auf die Unternehmerseite zurück und gründete informed mit, eine Plattform, die kuratierten Journalismus internationaler Medien in einem Abonnement bündelt. Als Mitgründer und CEO verantwortet er dort heute Produkte im B2C-Content- und B2B-KI-Bereich. Diese Kombination aus Gründer-Perspektive, digital- und KI-strategischem Know-how sowie einem journalistisch-redaktionellen Blick bringt er als Advisor bei LIQID ein.


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