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Was ist die Federal Reserve (Fed)?

21. September 20268 Min. LesezeitDr. Martin Meuter

Die Fed ist das Zentralbanksystem der USA. Ihr duales Mandat verpflichtet sie gesetzlich zu zwei Zielen zugleich: stabilen Preisen und hoher Beschäftigung. Ihre Entscheidungen, etwa zum Leitzins, bewegen dabei Märkte weltweit.

Key Takeaways
  1. Die Fed ist das dezentrale Zentralbanksystem der USA. Board of Governors, 12 Reservebanken und FOMC steuern Geldpolitik.

  2. Für stabile Preise und hohe Beschäftigung steuert die Fed die Finanzierungsbedingungen in den USA vor allem über ihr Zielband für die Federal Funds Rate.

  3. Fed-Entscheidungen und schon veränderte Zinserwartungen wirken weltweit auf Anleiherenditen, Aktienkurse, Wechselkurse und internationale Kapitalströme.

Einführung

Die USA bündelten ihre Geldpolitik 1913 bewusst nicht in einer einzigen Zentralbank, um eine zu große Machtkonzentration – etwa bei den Banken an der Ostküste – zu vermeiden und die wirtschaftliche Vielfalt der Regionen abzubilden. Das Federal Reserve System verbindet deshalb seitdem eine zentrale Aufsicht in Washington mit regionalen Reservebanken im ganzen Land.

Diese Konstruktion soll nationale Entscheidungen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort verbinden. Aus ihr erklärt sich, wie die Fed organisiert ist und warum ihre Beschlüsse weit über die USA hinauswirken.

Was ist die Federal Reserve?

Die Federal Reserve ist das dezentrale Zentralbanksystem der USA. Ihre geldpolitischen Entscheidungen trifft sie innerhalb des US-Regierungssystems unabhängig. Zentrale Gremien arbeiten mit regionalen Reservebanken zusammen.

Ihre geldpolitischen Beschlüsse benötigen keine Zustimmung des Präsidenten oder anderer Regierungsstellen. Diese Autonomie soll langfristige wirtschaftliche Ziele vor kurzfristigem politischem Druck schützen. Unabhängigkeit bedeutet dabei nicht, dass die Fed außerhalb staatlicher Strukturen steht. Ernennung und Bestätigung des Gouverneursrats folgen einem gesetzlich geregelten Verfahren.

Das duale Mandat der Fed ist gesetzlich verankert. Es verbindet maximale Beschäftigung mit stabilen Preisen. In der Praxis soll die Arbeitslosigkeit möglichst niedrig bleiben. Zugleich soll sich die Inflation auf einem niedrigen und stabilen Niveau bewegen, typischerweise um 2 %. Beide Ziele bestimmen gemeinsam, ob die Fed ihre Geldpolitik lockert, strafft oder unverändert lässt.

Wie ist die Fed aufgebaut?

Die Fed verbindet zentrale Aufsicht mit regionalen Perspektiven. Drei Komponenten formulieren und verwirklichen gemeinsam die Geldpolitik. Die Struktur soll wirtschaftliche Entwicklungen aus allen Landesteilen berücksichtigen und zugleich einheitliche Entscheidungen ermöglichen.

Board of Governors

Der Gouverneursrat, das Board of Governors, ist die zentrale Aufsichtsbehörde des Federal Reserve Systems. Er sitzt in Washington, D.C. Seine 7 Mitglieder werden vom US-Präsidenten ernannt und vom Senat bestätigt. Die gestaffelten Amtszeiten von 14 Jahren sollen politische Kontinuität sichern und den Einfluss einzelner Regierungen begrenzen. Dadurch reicht die Zusammensetzung des Gremiums meist über einzelne Präsidentschaften hinaus. Für den Vorsitz und den stellvertretenden Vorsitz gelten Amtszeiten von 4 Jahren.

12 regionale Federal Reserve Banken

Über die USA verteilen sich 12 regionale Federal Reserve Banken, beispielsweise in New York, Chicago und San Francisco. Als operative Einheiten versorgen sie Geschäftsbanken in ihrem Bezirk mit Bargeld und wickeln Zahlungen ab. Sie erstellen zudem Wirtschaftsanalysen und wirken an der Aufsicht über Finanzinstitute mit. Regionale Daten zu Beschäftigung, Preisen und Geschäftslage ergänzen dabei die landesweite Perspektive. So fließen die wirtschaftlichen Bedingungen verschiedener Landesteile in die geldpolitische Beratung ein.

Federal Open Market Committee

Das Federal Open Market Committee (FOMC), auf Deutsch Offenmarkt-Ausschuss, ist das wichtigste Gremium für die Geldpolitik. Es entscheidet über das Zielband für die Federal Funds Rate und weitere geldpolitische Instrumente. Zum FOMC gehören die 7 Mitglieder des Gouverneursrats und der Präsident der Federal Reserve Bank of New York. Hinzu kommen 4 Präsidenten regionaler Reservebanken, die jährlich rotieren. Der Ausschuss tagt in der Regel 8-mal im Jahr und bewertet dabei die wirtschaftliche Lage.

Welche Aufgaben und Instrumente hat die Fed?

Die Fed beeinflusst Finanzierungs- und Kreditbedingungen, um ihr duales Mandat zu erfüllen. Ihre Instrumente übertragen geldpolitische Beschlüsse über Banken, Kredite und Kapitalmärkte auf die Realwirtschaft.

Steuerung über den Leitzins

Ihr bekanntestes Instrument ist das Zielband für die Federal Funds Rate. Die Federal Funds Rate ist der Marktzins, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Zentralbankguthaben leihen. Die Fed richtet diesen Marktzins mithilfe ihrer geldpolitischen Instrumente am Zielband aus. Eine Anhebung des Zielbands verteuert meist auch Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Das dämpft Kreditnachfrage, Investitionen und Konsum. Dadurch bremst die Wirtschaft tendenziell ab und der Inflationsdruck lässt nach. Eine Senkung verbilligt Kredite, regt die Wirtschaft an und fördert die Beschäftigung.

Offenmarktgeschäfte

Mit Offenmarktgeschäften beeinflusst die Fed die Bankreserven und die Bedingungen am Geldmarkt. Dazu kauft oder verkauft sie Wertpapiere. Die Geschäfte verbinden das Zinsziel des FOMC mit der tatsächlichen Federal Funds Rate. In Krisenzeiten weitete die Fed ihre Wertpapierkäufe stark aus. Dieses Vorgehen wird als Quantitative Easing bezeichnet.

Aufsicht über das Bankensystem

Die Fed überwacht und reguliert Banken und Finanzinstitute, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Sie legt Kapitalanforderungen fest und führt Stresstests durch. Damit soll das Bankensystem Verluste besser auffangen können. In Krisenzeiten stellt die Fed als Kreditgeber der letzten Instanz Liquidität bereit, um Panik im Bankensektor zu verhindern.

Wie beeinflusst die Fed die globalen Finanzmärkte?

Anleger weltweit verfolgen die FOMC-Beschlüsse genau. Änderungen der US-Geldpolitik wirken direkt oder indirekt auf fast alle Anlageklassen. Der US-Dollar und der große amerikanische Kapitalmarkt übertragen Zinsimpulse über die Landesgrenzen hinaus. Deshalb bewegen nicht nur Beschlüsse, sondern auch Prognosen und Kommunikation die Märkte.

Zinsen und Anleihen

Eine Änderung des Leitzinses beeinflusst unmittelbar die Renditen von Staatsanleihen. Steigt der Leitzins, steigen in der Regel auch die Renditen neuer Anleihen. Zugleich fallen die Kurse bestehender Anleihen mit niedrigerer Verzinsung. US-Staatsanleihen gelten als eine der sichersten Anlagen weltweit. Ihre Rendite dient deshalb als Referenz für viele weitere Zinsprodukte und Finanzierungskonditionen.

Aktienmärkte

Auch Aktienmärkte reagieren sensibel auf die Fed. Höhere Zinsen verteuern die Finanzierung von Unternehmen und können das Wirtschaftswachstum dämpfen. Das belastet Aktienkurse tendenziell. Niedrigere Zinsen fördern dagegen Investitionen und Konsum und können die Märkte stützen. Höhere Zinsen machen zudem festverzinsliche Anlagen attraktiver und können Kapital aus Aktien in Anleihen lenken. Neben dem Beschluss beeinflusst deshalb auch der erwartete weitere Zinspfad die Bewertungen.

Wechselkurse und US-Dollar

Die Zinspolitik beeinflusst auch den Wert des US-Dollars. Hebt die Fed die Zinsen an, werden US-Anlagen für internationale Investoren attraktiver. Die höhere Nachfrage nach Dollar stärkt dessen Kurs gegenüber anderen Währungen. Ein starker Dollar verändert wiederum internationale Handelsströme und die Gewinne global tätiger Unternehmen. Damit reicht die Wirkung bis zu Unternehmen, Staaten und Anlegern außerhalb der USA.

Wie wägt die Fed Inflation und Konjunktur ab?

Hohe Inflation zwingt die Fed häufig zu deutlichen Zinserhöhungen. Diese sollen die Nachfrage bremsen und den Preisdruck verringern. Strafft die Fed ihre Geldpolitik jedoch zu stark, kann sie die Wirtschaft in eine Rezession führen.

Die Fed muss ihre Instrumente deshalb zwischen Preisstabilität, Beschäftigung und Wachstum kalibrieren. Sie kann die Inflation nicht bekämpfen, ohne zugleich Finanzierung und Nachfrage zu beeinflussen. Dieser Zielkonflikt erschwert Prognosen und verstärkt mitunter die Volatilität an den Finanzmärkten. Investoren versuchen fortlaufend, aus Wirtschaftsdaten und Kommunikation die nächsten Schritte abzuleiten. Schon veränderte Erwartungen können Anleiherenditen, Aktienkurse und den Dollar bewegen.

Was gibt es bei der Geldpolitik der Fed zu beachten?

Die Unabhängigkeit der Fed ist ein wiederkehrender Streitpunkt. Manche Kritiker halten sie für undemokratisch. Andere argumentieren, ihre Maßnahmen könnten in der Vergangenheit Finanzblasen begünstigt oder wirtschaftliche Ungleichheit verstärkt haben. Solche Einwände betreffen die Nebenwirkungen einer Politik, die über Vermögenspreise und Kreditbedingungen wirkt. Wie andere Zentralbanken muss die Fed zudem in einer komplexen, globalisierten Wirtschaft präzise Prognosen erstellen und rechtzeitig auf neue Risiken reagieren.

Wie können Anleger Fed-Entscheidungen einordnen?

Für Anleger zählt nicht nur der aktuelle Zinsentscheid, sondern auch der erwartete weitere Zinspfad. Weil die Reaktionen von Anleihen, Aktien und Währungen unterschiedlich ausfallen, sollte die Portfoliostruktur nicht von einer einzelnen Zinsprognose abhängen.

Wer sein Portfolio nicht fortlaufend an ein verändertes Marktumfeld anpassen möchte, kann Aufgaben an eine professionelle Vermögensverwaltung delegieren.

Fazit

Die Federal Reserve steuert Inflation und Beschäftigung in den USA und setzt damit wichtige Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft. Ihre Entscheidungen prägen Anleiherenditen, Aktienbewertungen und die Stärke des US$. Wer Aufbau, Mandat und Instrumente der Fed versteht, kann Marktbewegungen besser einordnen und die eigene Anlagestrategie fundierter ausrichten.

Autor

Dr. Martin Meuter

Managing Director und Head of Portfolio Management

Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger Berman. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.


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