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Was ist ein Börsenindex?

21. September 20269 Min. LesezeitDr. Martin Meuter

Ein Börsenindex verdichtet die Wertentwicklung ausgewählter Wertpapiere in einer Kennzahl und macht Märkte und Branchen so vergleichbar. Als Benchmark liefert er Anlegern einen Maßstab und über Indexfonds können sie direkt an seiner Entwicklung teilhaben.

Key Takeaways
  1. Ein Börsenindex bildet die Wertentwicklung ausgewählter Wertpapiere eines Marktes, einer Region oder einer Branche nach festen Regeln ab.

  2. Kursindizes zeigen reine Kursbewegungen, Performanceindizes beziehen zusätzlich reinvestierte Dividenden mit ein und bilden so den Total Return ab.

  3. Ein Index ist nicht direkt investierbar: ETFs bilden viele Aktien- und Anleihenindizes nach, Private-Equity-Indizes beruhen dagegen auf Fondsbewertungen.

Einführung

An den Finanzmärkten bewegen sich täglich Tausende Wertpapiere. Ein Börsenindex verdichtet einen ausgewählten Ausschnitt zu einer Kennzahl und erleichtert damit Beobachtung und Vergleich. Seine Aussagekraft hängt von Auswahlregeln, Gewichtung und Berechnungsmethode ab.

Was ist ein Börsenindex?

Ein Börsenindex bündelt die Wertentwicklung mehrerer Wertpapiere, die nach festgelegten Regeln ausgewählt und gewichtet werden. Steigt der Index, gewinnt dieser Wertpapierkorb an Wert – fällt er, verliert der Korb entsprechend.

Die Zusammensetzung folgt festen Regeln. Sie legen fest, welche Unternehmen oder Wertpapiere aufgenommen werden und wie stark sie zählen. Häufige Kriterien sind Marktkapitalisierung, Handelsvolumen und Unternehmenssitz.

Indizes machen die Entwicklung eines Marktes oder einer Branche auf einen Blick sichtbar. Für Anleger dienen sie als Indikator, als Benchmark und als Grundlage für Anlageinstrumente wie ETFs.

Welche Arten von Indizes gibt es?

Indizes bilden unterschiedliche Segmente der Finanzmärkte ab:

Aktienindizes

Aktienindizes bündeln Unternehmen einer Region, eines Landes oder einer Branche. Weil Aktienmärkte häufig stark schwanken, erhalten sie große mediale Aufmerksamkeit. Viele gelten als Barometer für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Marktsegments.

Anleihenindizes

Anleihen- oder Rentenindizes bilden die Entwicklung von Staats- oder Unternehmensanleihen ab. Sie können Papiere mit unterschiedlichen Laufzeiten und Bonitäten zusammenfassen. Anlegern dienen sie als Benchmark für festverzinsliche Portfolios.

Rohstoffindizes und weitere Segmente

Rohstoffindizes spiegeln die Preisentwicklung von Rohstoffen wie Öl, Gold oder Agrarprodukten wider. Weitere Indizes erfassen Immobilien, Währungen oder Strategien wie Dividenden- und Nachhaltigkeitsansätze (ESG).

Für Private Markets berechnen Datenanbieter ebenfalls Indizes. Diese beruhen auf gemeldeten Fondsbewertungen und Zahlungsströmen statt auf laufenden Börsenkursen.

Welche Aktienindizes sind weltweit relevant?

Einige Indizes prägen die Berichterstattung und dienen als Referenz für wichtige Aktienmärkte:

  • MSCI World: Er bildet rund 1.300 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern ab, darunter etwa Apple und NVIDIA.
  • MSCI ACWI: Der All Country World Index erweitert den MSCI World um 24 Schwellenländer. Seine rund 2.500 Aktien decken etwa 85 % des weltweit investierbaren Aktienmarktes ab.
  • FTSE All-World: Der Financial Times Stock Exchange All-World Index ist eine verbreitete globale Alternative zum MSCI ACWI und umfasst über 4.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.
  • MSCI Emerging Markets: Der Index bündelt rund 1.200 Unternehmen aus 24 Schwellenländern, also aus Volkswirtschaften mit noch vergleichsweise geringerem Entwicklungsstand als etablierte Industrienationen. Er gilt als zentrale Referenz für diese Märkte.
  • S&P 500: Er bündelt 500 große börsennotierte US-Unternehmen, wie etwa Apple und Microsoft, und gilt als zentrale Referenz für den US-Aktienmarkt.
  • Dow Jones Industrial Average: Als einer der ältesten Indizes der Welt umfasst er 30 große US-Unternehmen (etwa Coca-Cola). Seine Gewichtung richtet sich nach den Aktienkursen statt nach der Marktkapitalisierung.
  • Nasdaq-100: Er konzentriert sich auf 100 große Nichtfinanzunternehmen der Nasdaq, darunter Amazon und Alphabet (Google), und ist stark von Technologiewerten geprägt.
  • Russell 2000: Rund 2.000 kleinere US-Unternehmen bilden eine verbreitete Benchmark für amerikanische Nebenwerte.
  • STOXX Europe 600: Der Index umfasst 600 große, mittlere und kleinere Unternehmen aus 17 europäischen Ländern.
  • EURO STOXX 50: Er bildet 50 große Unternehmen des Euroraums ab und dient als kompakte Blue-Chip-Benchmark.
  • DAX: Der Deutsche Aktienindex umfasst 40 große Unternehmen des regulierten Marktes der Frankfurter Börse.
  • Nikkei 225: Der kursgewichtete Index bündelt 225 Unternehmen des Prime Market der Börse Tokio und gilt als wichtige Referenz für Japan.

Jeder dieser Indizes bildet nur den Markt ab, den seine Regeln definieren. Der MSCI World enthält beispielsweise keine Schwellenländer, während der DAX auf deutsche Unternehmen konzentriert ist.

Welche Anleihen- und Rohstoffindizes sind international relevant?

Auch für Anleihen und Rohstoffe gibt es etablierte Benchmarks. Eine kurze Auswahl deckt die wichtigsten globalen Marktsegmente ab.

Anleihenindizes

  • Bloomberg Global Aggregate Bond Index: Er bildet globale Staats-, Unternehmens- und verbriefte Anleihen mit Investment-Grade-Rating aus Industrie- und Schwellenländern ab.
  • FTSE World Government Bond Index: Der WGBI erfasst festverzinsliche Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating in lokalen Währungen aus mehr als 20 Ländern.
  • J.P. Morgan EMBI Global Diversified: Er misst liquide, auf US$ lautende Staats- und staatsnahe Anleihen aus Schwellenländern. Gewichtungsgrenzen reduzieren die Dominanz großer Schuldner.

Laufzeit, Bonität, Währung und Zinsbindung unterscheiden sich zwischen diesen Indizes erheblich. Anleger müssen deshalb prüfen, ob eine Benchmark zum Risikoprofil ihres Anleiheportfolios passt.

Rohstoffindizes

  • Bloomberg Commodity Index: Gewichtungsgrenzen für einzelne Rohstoffe und Sektoren sorgen für eine vergleichsweise breite Verteilung.
  • S&P GSCI: Der produktionsgewichtete Index bildet Terminkontrakte auf liquide Rohstoffe ab. Dadurch fällt sein Energieanteil häufig höher aus.

Rohstoffindizes beruhen meist auf Terminkontrakten statt auf physischen Beständen. Ihre Rendite hängt daher auch vom regelmäßigen Wechsel auslaufender Kontrakte ab. Spot-, Excess-Return- und Total-Return-Varianten desselben Index können sich deutlich unterscheiden.

Wie funktionieren Private-Equity-Indizes?

Preqin ist ein Datenanbieter für Private Markets, der aus den Daten geschlossener Fonds Indizes und Benchmarks berechnet. Ein Beispiel ist der Preqin Private Capital Quarterly Index: Er verbindet gemeldete Nettoinventarwerte mit Kapitalabrufen und Ausschüttungen zu einer vierteljährlichen Renditereihe. Teilindizes bilden einzelne Segmente wie Private Equity, Buy-out oder Venture Capital ab.

Technisch ist ein solcher Private-Equity-Index kein Börsenindex. Er enthält keinen fortlaufend gehandelten Wertpapierkorb und besitzt keinen laufend festgestellten Marktpreis. Anleger können ihn auch nicht durch den Kauf seiner Bestandteile passiv nachbilden. Er dient als datenbasierter Vergleichsmaßstab für Fonds und Portfolios.

Die Berechnung ist anspruchsvoller als bei börsennotierten Aktien. Private-Equity-Fonds melden Bewertungen meist nur quartalsweise. Bis zu einem Verkauf beruhen die Nettoinventarwerte teilweise auf Schätzungen. Marktveränderungen können deshalb verzögert erscheinen. Kurzfristige Schwankungen wirken häufig geringer als bei täglich bewerteten Aktien.

Auch Kapitalabrufe und Ausschüttungen fallen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an. Renditen hängen zudem stark von Strategie, Region, Auflagejahr und Fondsreife ab. Ein breiter Index passt daher nicht automatisch zu jedem Portfolio. Für Vergleiche mit Aktienindizes werden häufig Public-Market-Equivalent-Methoden genutzt, die den Zeitpunkt der privaten Zahlungsströme berücksichtigen.

Wie wird ein Index berechnet?

Die Berechnung hängt von der Anlageklasse und der jeweiligen Indexmethodik ab. Bei Aktienindizes ist vor allem der Unterschied zwischen Kurs- und Performanceindex relevant.

Kursindex

Ein Kursindex berücksichtigt nur die Kursveränderungen der enthaltenen Aktien. Dividenden fließen nicht in die Berechnung ein. Viele internationale Indizes, darunter der S&P 500 und der EURO STOXX 50, werden üblicherweise als Kursindex dargestellt.

Performanceindex

Ein Performanceindex berücksichtigt neben Kursbewegungen auch ausgeschüttete Dividenden. Die Berechnung unterstellt, dass diese Zahlungen sofort in die enthaltenen Aktien reinvestiert werden. Damit bildet er die Gesamtrendite, den Total Return, ab.

Der DAX wird gewöhnlich als Performanceindex angegeben. Seine Entwicklung enthält deshalb rechnerisch reinvestierte Dividenden. Ein direkter Vergleich mit einem Kursindex würde unterschiedliche Berechnungsmethoden vermischen.

Wie können Anleger in einen Index investieren?

Ein Index ist eine statistische Kennzahl und lässt sich nicht direkt kaufen. Für viele Aktien- und Anleihenindizes ermöglichen börsengehandelte Indexfonds, die Exchange Traded Funds oder ETFs, eine weitgehend passive Nachbildung.

Ein Aktien-ETF bildet einen Index wie den MSCI World möglichst genau nach. Mit einem ETF-Anteil investieren Anleger mittelbar in alle enthaltenen Unternehmen. Das ermöglicht eine breite Risikostreuung mit einem Wertpapier und zu vergleichsweise niedrigen Kosten.

Eine eigenständige Nachbildung durch den Kauf aller Einzelaktien wäre kapital- und arbeitsintensiv. Erfüllt eine Aktie die Kriterien nicht mehr, entfernt der Indexanbieter sie und nimmt einen Nachrücker auf. Bei einem ETF setzt der Fonds diese Änderungen um.

Rohstoffindizes werden häufig über Exchange Traded Commodities (ETCs), also börsengehandelte Schuldverschreibungen, oder über Fonds mit Terminkontrakten abgebildet. Bei Private Equity führt der Zugang dagegen über einzelne Fonds oder Fondsportfolios. Preqin-Indizes dienen dazu, deren Wertentwicklung einzuordnen.

Welche Rolle spielen Indizes in einem Portfolio?

Indizes schaffen Transparenz über Marktbewegungen und bilden die Grundlage vieler passiver Anlagestrategien. Ein ETF kann einen Markt breit abdecken. Ob daraus ein diversifiziertes Gesamtportfolio entsteht, hängt jedoch vom gewählten Index und der Kombination mit weiteren Anlageklassen ab.

Auch digitale Vermögensverwalter wie LIQID nutzen ETFs, um Portfolios breit und kosteneffizient über Märkte zu strukturieren. Die Auswahl und Gewichtung der Indizes ordnet sich dabei der langfristigen Anlagestrategie unter.

Fazit

Ein Börsenindex fasst die Wertentwicklung eines klar definierten Marktsegments in einer Kennzahl zusammen. Auswahlregeln, Gewichtung und Berechnungsmethode bestimmen, welche Aussage der Index erlaubt.

Private-Equity-Indizes erfüllen eine andere Aufgabe. Sie verdichten Fondsbewertungen und Zahlungsströme zu einer Benchmark, sind aber weder Börsenindizes noch direkt investierbar.

Indexfonds und andere indexgebundene Instrumente machen viele Aktien-, Anleihen- und Rohstoffindizes investierbar. Wer den zugrunde liegenden Index versteht, kann Reichweite, Risiken und Funktion eines solchen Portfoliobausteins besser beurteilen.

Autor

Dr. Martin Meuter

Managing Director und Head of Portfolio Management

Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger Berman. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.


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