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Wie funktioniert der Börsenhandel?

18. September 20267 Min. LesezeitDr. Martin Meuter

Börsen führen Kauf- und Verkaufsaufträge nach festen Regeln zusammen. Welchen Preis Anleger erhalten und welche Kosten entstehen, hängt vor allem von Ordertyp, Handelsplatz und Liquidität ab.

Key Takeaways
  1. Beim Börsenhandel wechseln Wertpapiere über geregelte Handelsplätze den Besitzer. Der fortlaufende Handel findet am Sekundärmarkt statt.

  2. Banken und Broker leiten Orders an den Handelsplatz weiter, wo passende Kauf- und Verkaufsaufträge im Orderbuch zusammengeführt werden.

  3. Market-Orders zielen auf schnelle Ausführung. Limit-Orders begrenzen den höchsten Kauf- oder den niedrigsten Verkaufspreis.

  4. Hohe Liquidität zeigt sich in engen Spreads und einem tiefen Orderbuch. Geringe Liquidität erhöht Ausführungs- und Preisrisiken.

  5. Zum Handelsergebnis zählen direkte Entgelte sowie indirekte Kosten durch den Spread und die Marktpreiswirkung einer Order.

Einführung

Der zuletzt festgestellte Börsenkurs zeigt den Preis des jüngsten abgeschlossenen Geschäfts. Hinter ihm stehen Kauf- und Verkaufsaufträge mit unterschiedlichen Preisen und Stückzahlen. Erst wenn zwei Aufträge zusammenpassen, entsteht die nächste Transaktion.

Der Unterschied zwischen einem angezeigten Kurs und einem ausführbaren Angebot ist zentral für das Verständnis des Börsenhandels. Er erklärt, warum Ordertyp, Liquidität und Handelsplatz den tatsächlich erzielten Preis beeinflussen.

Wozu dient der Börsenhandel?

An Börsen werden vor allem Aktien, Anleihen, börsengehandelte Indexfonds (ETFs), Investmentfonds und Derivate gehandelt. Die Börse bündelt Kauf- und Verkaufsinteressen und organisiert die Preisfeststellung nach transparenten Regeln.

Bei einer Neuemission erwerben Anleger Wertpapiere am Primärmarkt. Das Kapital fließt dann an den Emittenten. Im späteren Sekundärmarkt wechseln bereits ausgegebene Wertpapiere zwischen Anlegern den Besitzer.

Der Marktpreis einer Aktie heißt Aktien- oder Börsenkurs. Der Kurswert bezeichnet den gesamten Preis der gekauften Aktien vor Kosten. Er ergibt sich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der Stückzahl.

Wie läuft eine Order an der Börse ab?

Anleger handeln in der Regel nicht unmittelbar an der Börse. Sie erteilen ihrer Bank oder ihrem Broker einen Kauf- oder Verkaufsauftrag, die Order.

  • Orderaufgabe: Die Order nennt das Wertpapier, die Stückzahl, den Handelsplatz, den Ordertyp und ihre Gültigkeit.
  • Weiterleitung: Die Bank oder der Broker prüft den Auftrag und leitet ihn an den gewählten Handelsplatz.
  • Orderbuch: Noch nicht ausgeführte Limit-Orders werden nach Preis und Eingangszeit sortiert. Auf Xetra gilt grundsätzlich die Preis-Zeit-Priorität.
  • Ausführung: Ein Geschäft entsteht, sobald eine Kauf- und eine Verkaufsorder zusammenpassen. Größere Aufträge können teilweise oder zu mehreren Preisen ausgeführt werden.
  • Abwicklung: Nach dem Handel werden Geld und Wertpapiere verrechnet und zwischen den beteiligten Depots übertragen.

Wie entsteht ein Börsenkurs?

Kauforders bilden die Geldseite, auch Bid genannt. Verkaufsorders bilden die Briefseite oder Ask. Der höchste Geldkurs und der niedrigste Briefkurs sind die besten aktuell verfügbaren Angebote. Ihre Differenz heißt Geld-Brief-Spanne oder Spread.

Ein neuer Börsenkurs entsteht, wenn passende Orders ausgeführt werden. Der zuletzt festgestellte Kurs muss deshalb nicht dem Preis entsprechen, zu dem die nächste Order ausgeführt wird.

Eine Market-Order priorisiert die Ausführung und wird zum nächsten verfügbaren Preis gehandelt. Eine Limit-Order setzt dagegen einen höchsten Kauf- oder niedrigsten Verkaufspreis. Sie schützt vor ungünstigeren Kursen, kann aber unausgeführt bleiben.

Welche Rolle spielt die Liquidität?

Liquidität beschreibt, wie schnell und in welcher Größenordnung ein Wertpapier handelbar ist, ohne den Preis deutlich zu bewegen. Enge Spreads, viele Aufträge und ein tiefes Orderbuch sprechen für hohe Liquidität.

Die Aktien der 40 DAX-Konzerne werden sehr häufig gehandelt. Viele aktive Marktteilnehmer erleichtern es, passende Gegenorders zu finden. Auch größere Aufträge lassen sich dann meist mit geringerem Einfluss auf den Preis ausführen.

Bei kleineren Unternehmen ist die Liquidität häufig geringer. Ihre Aktien werden seltener gehandelt. Spreads können breiter ausfallen. An einzelnen Tagen kommen gegebenenfalls überhaupt keine Börsenumsätze zustande.

Wo findet der Börsenhandel statt?

In Deutschland gibt es 7 Wertpapierbörsen. Sie befinden sich in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover und Düsseldorf. In Berlin fusionierten die frühere Berliner Börse und die Tradegate Exchange zum 1. Januar 2026 zur Tradegate BSX.

Manche Banken und Broker bieten auch außerbörslichen Handel an. Sie treten dann häufig selbst als Handelspartner auf und stellen An- und Verkaufspreise. Das Geschäft findet direkt mit dem Anbieter statt und nicht über das Orderbuch einer Börse.

Handelszeiten, verfügbare Stückzahlen und ausführbare Preise unterscheiden sich zwischen den Handelsplätzen. Ein Gebührenvergleich allein reicht deshalb für die Wahl des Handelsplatzes nicht aus.

Welche Kosten entstehen beim Börsenhandel?

Für die Ausführung einer Order können Börsenplatz- und Brokerkosten anfallen. Zusammen bilden sie die direkten Transaktionskosten. Ihre Höhe richtet sich unter anderem nach Handelsplatz, Anbieter und Auftragsgröße. Bei Vermögensverwaltern wie LIQID sind diese Kosten durch die jährliche Verwaltungspauschale abgedeckt.

Hinzu kommen indirekte Handelskosten. Der Spread belastet das Ergebnis, weil Käufer zum höheren Briefkurs kaufen und Verkäufer zum niedrigeren Geldkurs verkaufen. Bei geringer Liquidität kann eine Order zudem mehrere Preisstufen im Orderbuch auslösen. Dadurch verschlechtert sich der durchschnittliche Ausführungspreis.

Direkte Entgelte, Spread und Marktpreiswirkung bestimmen gemeinsam, wie stark ein Kauf oder Verkauf das Anlageergebnis belastet.

Wie können Anleger auf fallende Kurse reagieren?

Wer mit fallenden Kursen rechnet, kann eigene Wertpapiere verkaufen und sie später günstiger zurückkaufen. Ein Leerverkauf ermöglicht dieses Geschäft ohne eigenen Bestand. Der Anleger leiht sich gegen Gebühr ein Wertpapier, verkauft es und kauft es später zur Rückgabe zurück.

Steigt der Kurs, verteuert sich der Rückkauf und der Verlust wächst. Hinzu kommen Kosten und der Aufwand der Wertpapierleihe. Leerverkäufe sind deshalb für Privatanleger besonders anspruchsvoll.

Eine Verkaufsoption, auch Put genannt, gibt ihrem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen. Fallende Kurse des Basiswerts wirken grundsätzlich positiv auf ihren Wert. Der Optionspreis hängt jedoch auch von Ausübungspreis, Restlaufzeit und Volatilität ab.

Käufer eines Puts können die gezahlte Prämie vollständig verlieren. Eine dauerhafte Absicherung verursacht laufende Kosten und mindert damit die Rendite einer langfristigen Anlage.

Was brauchen Anleger für den Börseneinstieg?

Börsenzugang und Anlageentscheidung sind zwei verschiedene Ebenen. Die Order bestimmt, wie ein Geschäft ausgeführt wird. Die Portfoliokonstruktion bestimmt, welche Risiken ein Anleger langfristig übernimmt.

  • Depot: Voraussetzung ist ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Broker. Ein Vergleich von Gebühren, Handelsplätzen und Leistungen schafft Transparenz.
  • Orderbedingungen: Anleger sollten ausführbare Geld- und Briefkurse vergleichen und bei marktengen Wertpapieren ein Preislimit setzen.
  • Kostenstruktur: Online-Broker und Direktbanken bieten meist günstigere Konditionen als Filialbanken. Flatrates lohnen sich in der Regel nur bei häufigen Umschichtungen.
  • Breite Streuung: Ein Portfolio über Anlageklassen, Branchen und Regionen verteilt das Kapital auf mehrere Rendite- und Risikoquellen. Der passende Mix richtet sich nach Zielen, Anlagehorizont und Risikobereitschaft.
  • Anlagehorizont: Ein langer Horizont ermöglicht es, vorübergehende Schwächephasen auszusitzen. Er garantiert jedoch keine Erholung einzelner Wertpapiere.
  • Bedachter Handel: Trading-Apps vereinfachen Käufe und Verkäufe. Die leichte Bedienung ersetzt jedoch weder eine Anlagestrategie noch die sorgfältige Erteilung einer Order.

Fazit

Börsen organisieren Preisfeststellung und Handel, indem sie Kauf- und Verkaufsaufträge nach festen Regeln zusammenführen. Ordertyp, Liquidität, Handelsplatz sowie direkte und indirekte Kosten bestimmen das Ergebnis einer Transaktion. Wer Ausführung und Portfoliostrategie getrennt betrachtet, kann Handelskosten und Anlagerisiken gezielter steuern.

Autor

Dr. Martin Meuter

Managing Director und Head of Portfolio Management

Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger Berman. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.


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