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Was ist Illiquidität?

18. September 20265 Min. LesezeitDr. Martin Meuter

Illiquidität bedeutet, dass sich ein Vermögenswert nicht kurzfristig zu einem verlässlichen Preis verkaufen lässt. Für Anleger ist die Kapitalbindung tragbar, wenn Anlagehorizont und verfügbare Reserven dazu passen.

Key Takeaways
  1. Illiquidität beschreibt die eingeschränkte Handelbarkeit eines Vermögenswerts. Sie ist von Zahlungsunfähigkeit zu unterscheiden.

  2. Ein Markt ist illiquide, wenn wenige Käufer und Verkäufer handeln und schon kleine Aufträge deutliche Preisbewegungen auslösen.

  3. Die Illiquiditätsprämie ist eine erwartete Zusatzrendite. Dass Anleger sie nach langer Kapitalbindung tatsächlich erzielen, ist nicht garantiert.

  4. Wer illiquide Anlagen hält, braucht einen ausreichend großen Puffer für laufende Verpflichtungen und unerwartete Ausgaben.

Einführung

Ein Vermögen kann auf dem Papier groß sein und dennoch im entscheidenden Moment nicht als Bargeld zur Verfügung stehen. Der Verkauf einer Immobilie oder Unternehmensbeteiligung braucht Zeit. In einem engen Markt kann zusätzlicher Verkaufsdruck zudem den erzielbaren Preis mindern.

Der Begriff Illiquidität berührt damit zwei getrennte Fragen. Die Handelbarkeit zeigt, wie schnell und zu welchen Bedingungen aus einem Vermögenswert Bargeld wird. Für den Eigentümer zählt, ob diese Eigenschaften zu seinem Zahlungsbedarf passen.

Was bedeutet Illiquidität?

Illiquidität bezeichnet die eingeschränkte Möglichkeit, einen Vermögenswert zeitnah und ohne nennenswerten Preisabschlag in Bargeld umzuwandeln. Maßgeblich sind Verkaufsdauer und Transaktionskosten, die Zahl potenzieller Käufer und der Einfluss der Auftragsgröße auf den Preis.

Die Liquiditätslage von Anlegern und Unternehmen

Bei Anlegern und Unternehmen entscheidet das Verhältnis zwischen verfügbaren Mitteln und fälligen Zahlungen über die eigene Liquiditätslage. Reichen Barmittel oder schnell veräußerbare Wertpapiere nicht aus, entsteht ein Liquiditätsengpass. Ein hohes Gesamtvermögen verhindert ihn nicht, wenn ein großer Teil langfristig gebunden ist. Wer etwa Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen besitzt, benötigt für deren Verkauf Zeit und muss womöglich Preisabschläge akzeptieren.

Marktbedingte und strukturelle Illiquidität

Ein Markt gilt als illiquide, wenn dort nur wenig gehandelt wird. Gibt es wenige Käufer oder Verkäufer, können bereits kleine Aufträge den Preis deutlich bewegen. Beispiele sind Märkte für seltene Sammlerstücke, bestimmte Unternehmensanleihen oder Aktien sehr kleiner Unternehmen, auch Small Caps genannt.

Bei Fonds kann die eingeschränkte Verfügbarkeit zusätzlich aus der Struktur entstehen. Feste Laufzeiten oder begrenzte Rückgabemöglichkeiten bestimmen dann mit, wann Anleger wieder über ihr Kapital verfügen können.

Worin unterscheiden sich Illiquidität und Insolvenz?

Die Illiquidität eines Vermögenswerts betrifft seine Handelbarkeit. Insolvenz ist dagegen ein rechtlicher Begriff. Nach der Insolvenzordnung liegt Zahlungsunfähigkeit vor, wenn ein Schuldner seine fälligen Zahlungspflichten nicht erfüllen kann. Bei juristischen Personen kann auch Überschuldung ein Eröffnungsgrund sein.

Ein Anleger kann Anteile an einem Private-Equity-Fonds halten, die langfristig gebunden sind, und zugleich genügend liquide Mittel besitzen. Umgekehrt kann ein Vermögen auf dem Papier hoch sein, während kurzfristig das Geld für fällige Zahlungen fehlt. Für die Liquiditätsplanung zählt deshalb das Verhältnis zwischen verfügbaren Reserven, fälligen Zahlungen und langfristig gebundenem Kapital.

Welche Rolle spielt Illiquidität in der Anlagestrategie?

In einem gut strukturierten Portfolio kann die bewusste Entscheidung für illiquide Anlagen strategisch sinnvoll sein. Wer einen Teil seines Kapitals langfristig entbehren kann, erweitert sein Anlageuniversum um Private Markets und reale Vermögenswerte. Als Ausgleich für die eingeschränkte Verfügbarkeit erwarten Anleger eine Illiquiditätsprämie.

Die Illiquiditätsprämie als Ausgleich

Die Illiquiditätsprämie bezeichnet eine erwartete Zusatzrendite gegenüber einer vergleichbaren liquiden Anlage. Sie ist der erwartete Ausgleich für die längere Kapitalbindung und eingeschränkte Handelbarkeit. Weniger Anleger sind bereit oder in der Lage, diese Einschränkungen zu tragen.

Ob der erwartete Aufschlag tatsächlich erzielt wird, zeigt sich erst im Ergebnis. Die Prämie ist weder fest noch garantiert. Sie hängt vom Marktumfeld, von der Qualität des Vermögenswerts und bei Fonds von der Auswahl des Managers ab.

Beispiele für illiquide Anlagen

Zu den typischen illiquiden Anlagen gehören:

  • Private Equity und Venture Capital: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Das Kapital ist meist für 7 bis 12 Jahre gebunden.
  • Private Debt: Kredite, die direkt an Unternehmen vergeben werden und keinen öffentlichen Handelsplatz haben.
  • Immobilien: Direkte Investitionen in Gebäude oder Grundstücke benötigen für Kauf und Verkauf meist mehrere Monate.
  • Infrastruktur: Beteiligungen an Flughäfen, Mautstraßen oder Energienetzen sind auf lange Zeiträume ausgelegt.

Was gibt es bei Illiquidität zu beachten?

Der größte Nachteil illiquider Anlagen ist der eingeschränkte Zugriff auf das investierte Kapital. Ändern sich die persönlichen Umstände unerwartet, steht es möglicherweise nicht rechtzeitig zur Verfügung. Ein vorzeitiger Verkauf kann unmöglich sein oder erhebliche Preisabschläge verursachen.

Die Bewertung illiquider Vermögenswerte ist meist komplexer und weniger transparent als bei börsennotierten Wertpapieren. Es fehlen laufende Marktpreise. Bei Fonds kommen lange Laufzeiten sowie die Abhängigkeit von Auswahl und Umsetzung des Managers hinzu.

Wie viel Illiquidität passt ins Portfolio?

Vor einer Investition sollten Anleger absehbare Ausgaben, Notfallreserven und bestehende illiquide Vermögenswerte gemeinsam betrachten. Erst der verbleibende langfristige Kapitalanteil eignet sich für zusätzliche Illiquidität.

Die passende Quote folgt deshalb nicht aus einer allgemeinen Faustregel. Sie richtet sich nach Zahlungsbedarf, Anlagehorizont, bestehenden Verpflichtungen und der Verteilung des übrigen Vermögens.

Fazit

Illiquidität ist eine Eigenschaft von Vermögenswerten, Märkten und Anlagestrukturen. Für Anleger wird sie relevant, wenn ihr Zahlungsbedarf auf langfristig gebundenes Kapital trifft. Deshalb müssen sie die Liquidität ihres Gesamtvermögens realistisch planen.

Mit einem ausreichend großen liquiden Puffer und passendem Anlagehorizont erweitern illiquide Anlagen das Portfolio um Private Markets und reale Vermögenswerte. Damit beziehen Anleger langfristige Kapitalbindung bewusst in ihre Anlagestrategie ein.

Autor

Dr. Martin Meuter

Managing Director und Head of Portfolio Management

Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger Berman. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.


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