Was ist die BhFS (Behavioural Finance Solutions GmbH)?
21. September 20265 Min. LesezeitDr. Martin Meuter
Die BhFS (Behavioural Finance Solutions GmbH) überträgt Erkenntnisse der Verhaltensökonomie auf Anlageentscheidungen. Das Schweizer Unternehmen hat sich unter anderem auf Verfahren zur Ermittlung individueller Risikoprofile spezialisiert. LIQID setzt den BhFS-Anlegertest bei den Portfolios von CORE und CORE Plus ein.
BhFS ging 2007 als akademische Ausgründung der Universitäten Zürich und St. Gallen hervor und verbindet Forschung mit Werkzeugen für die Anlageberatung.
Gegründet wurde das Unternehmen von Enrico De Giorgi, Thorsten Hens und Dieter Niggeler, deren Fachgebiete Entscheidungstheorie, Finanzökonomie und Softwareentwicklung verbinden.
Auf Grundlage der Behavioural Finance konzipiert BhFS Beratungsmodelle und digitale Werkzeuge für Banken, Anlageberater, Vermögensverwalter und Versicherungen.
Bei der Erstellung eines Risikoprofils berücksichtigt BhFS nicht nur Renditevorstellungen, Anlageziele und Erfahrung, sondern auch Risikopräferenzen und mögliche Wahrnehmungsfehler.
LIQID setzt den von BhFS entwickelten Anlegertest ein, um das persönliche Risikoprofil für die Portfolios von CORE und CORE Plus zu ermitteln.
Einführung
Anlageentscheidungen entstehen nicht allein aus Zahlen. Menschen reagieren unterschiedlich auf Verluste, Unsicherheit und starke Marktschwankungen: Sie überschätzen mitunter ihr Wissen, orientieren sich an jüngsten Erfahrungen oder betrachten einzelne Vermögensteile isoliert statt im Zusammenhang.
Behavioural Finance untersucht solche Verhaltensmuster – BhFS macht diese Forschung für die Anlageberatung nutzbar. Aus Angaben zu Zielen, Wissen, Erfahrung und Risikopräferenzen entsteht so ein strukturierteres Bild davon, welche Anlagestrategie zu einem Anleger passt.
Was ist BhFS?
BhFS steht für Behavioural Finance Solutions. Das Unternehmen wurde 2007 als Ausgründung der Universitäten Zürich und St. Gallen gegründet.
Die drei Gründer bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen:
- Enrico De Giorgi forscht zu Entscheidungstheorie, Behavioural Finance und Risikomanagement.
- Thorsten Hens ist Finanzökonom und beschäftigt sich unter anderem mit dem Anlageverhalten privater Investoren.
- Dieter Niggeler bringt Erfahrung in Softwareentwicklung und Finanztechnologie ein.
BhFS entwickelt Konzepte und digitale Anwendungen für Banken, Anlageberater, Vermögensverwalter und Versicherungen. Im Mittelpunkt stehen Beratungsprozesse, Kundenprofile und deren Verbindung mit geeigneten Anlagestrategien.
Was bedeutet Behavioural Finance?
Die klassische Finanztheorie geht häufig davon aus, dass Anleger alle verfügbaren Informationen gleichmäßig berücksichtigen und rational entscheiden. Behavioural Finance ergänzt dieses Bild um Erkenntnisse aus der Psychologie: Sie untersucht, wie Menschen tatsächlich entscheiden.
Sie zeigt beispielsweise, wie die Angst vor Verlusten, die eigene Selbstüberschätzung oder der Fokus auf Informationen, die gerade präsent oder leicht zugänglich sind, Entscheidungen beeinflussen. Solche Muster bedeuten nicht, dass Anleger grundsätzlich unvernünftig handeln. Sie zeigen vielmehr, warum Entscheidungen unter Unsicherheit oft anders ausfallen, als ein rein rechnerisches Modell vorhersagen würde.
Für die Anlageberatung ist das relevant, weil ein Portfolio nicht nur finanziell tragfähig sein muss. Anleger müssen seine Schwankungen auch emotional aushalten können. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie eine langfristige Strategie gerade in einer schwachen Marktphase aufgeben.
Wie ermittelt BhFS ein Risikoprofil?
Das Risikoprofiling von BhFS verbindet gezielte Fragen mit Modellen, die auf tatsächlichem Anlegerverhalten basieren. Dabei können mehrere Dimensionen einfließen:
- Anlageziele und finanzielle Verpflichtungen,
- Fähigkeit und Bereitschaft, Verluste zu tragen,
- Haltung gegenüber Unsicherheit,
- Erfahrung und Wissen über Geldanlagen,
- Erwartungen an Rendite und Schwankungen sowie
- typische Reaktionen in belastenden Marktphasen.
Diese Angaben erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die finanzielle Risikotragfähigkeit beschreibt, welche Verluste ein Anleger wirtschaftlich verkraften kann. Die Risikobereitschaft betrifft dagegen, wie viel Schwankung jemand persönlich aushält. Beide Werte müssen nicht übereinstimmen: Wer sich finanziell hohe Verluste leisten könnte, muss sie deshalb noch lange nicht gelassen hinnehmen – und umgekehrt.
Ein Risikoprofil ist deshalb mehr als eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von vorsichtig bis offensiv. Es betrachtet Ziele, finanzielle Grenzen und Verhalten gemeinsam und schafft daraus eine nachvollziehbare Grundlage für die Wahl des passenden Portfolios.
Welche Rolle spielt BhFS bei LIQID?
BhFS hat auf Grundlage der Behavioural Finance einen Algorithmus entwickelt, der beim Anlegertest von LIQID zum Einsatz kommt. Interessenten beantworten dabei Fragen, aus denen sich ihr persönliches Risikoprofil ableiten lässt.
Bei LIQID bildet dieses Risikoprofil die Grundlage für die Portfolios von CORE und CORE Plus. Gemeinsam mit weiteren Angaben hilft das Testergebnis, die langfristige Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen an die persönlichen Voraussetzungen des Anlegers anzupassen.
Der Test bringt Struktur in die Portfoliowahl: Er verbindet persönliche Angaben mit einem systematischen Verfahren und stellt sicher, dass Renditewünsche stets zusammen mit möglichen Verlusten betrachtet werden.
Wie aussagekräftig das Ergebnis ist, hängt von den Angaben des Anlegers ab. Ändern sich Vermögen, Ziele, Anlagehorizont oder die persönliche Bereitschaft, Verluste zu tragen, sollte das Risikoprofil überprüft werden.
Was kann ein verhaltensorientierter Anlegertest leisten?
Ein strukturierter Test kann widersprüchliche Erwartungen sichtbar machen. Wer hohe Renditen anstrebt, zugleich aber kaum Schwankungen akzeptiert, muss diesen Zielkonflikt auflösen. Fragen zu konkreten Verlustsituationen sind dabei oft aussagekräftiger als eine abstrakte Frage nach der eigenen Risikobereitschaft.
Ein Anlegertest kann dennoch nicht vorhersagen, wie sich jemand in jeder künftigen Marktphase verhalten wird. Auch Marktkenntnis, Lebenssituation und finanzielle Reserven verändern sich mit der Zeit. Das Risikoprofil ist daher eine fundierte Momentaufnahme und sollte bei wesentlichen Veränderungen überprüft werden.
Fazit
BhFS verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse der Behavioural Finance mit praktischen Werkzeugen für Anlageberatung und Risikoprofilierung. Das Unternehmen ging 2007 aus dem Umfeld der Universitäten Zürich und St. Gallen hervor.
Bei LIQID unterstützt ein von BhFS entwickelter Algorithmus den Anlegertest für CORE und CORE Plus. Ziel ist eine Anlagestrategie, die nicht nur Renditevorstellungen berücksichtigt, sondern auch finanzielle Ziele, Risikotragfähigkeit und die persönliche Reaktion auf Verluste einbezieht.


Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger Berman. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.
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