Was unterscheidet eine digitale von einer klassischen Vermögensverwaltung?
24. September 20267 Min. LesezeitDr. Martin Meuter
Die digitale Vermögensverwaltung macht eine bislang exklusive Finanzdienstleistung zugänglich. Anleger geben ihre Ziele und finanzielle Lage über eine Plattform an, der Verwalter entwickelt daraus eine Strategie und steuert das Portfolio laufend. Wie viel persönliche Betreuung dazugehört, hängt vom Anbieter ab.
Digitale und klassische Vermögensverwaltung folgen demselben Anlageprozess. Ein digitaler Ansatz verändert, wie die einzelnen Schritte organisiert und begleitet werden.
Digitale Systeme helfen bei Anlegerprofil, Überwachung und Umsetzung. Für die Anlageentscheidungen im Mandat bleibt der Verwalter verantwortlich.
Angebote unterscheiden sich bei Anlageuniversum, Steuerung und persönlicher Betreuung. Die Bandbreite reicht vom einfachen Robo-Advisor bis zur digitalen Vermögensverwaltung auf Private-Banking-Niveau.
Digitale Abläufe können Mindestanlage und Kosten senken. Ein fairer Vergleich berücksichtigt immer auch die Leistungen und sämtliche Anlagekosten.
Die besten digitalen Angebote verbinden professionelles Portfoliomanagement und persönliche Ansprechpartner mit einem einfachen Zugang in einer App.
Eine Online-Plattform oder App ist nur die sichtbare Seite der digitalen Vermögensverwaltung. Entscheidend ist, wie der Anbieter das Portfolio zusammenstellt und über Jahre steuert. Manche beschränken sich auf einfache Modellportfolios. Andere verbinden digitale Abläufe mit differenzierten Strategien, einer größeren Auswahl an Anlagen und persönlicher Betreuung. Anleger sollten deshalb den gesamten Anlageprozess betrachten.
Was bleibt bei digitaler Vermögensverwaltung gleich?
Digitale und klassische Vermögensverwaltung folgen im Kern denselben fünf Schritten. Der Verwalter erfasst die Situation des Anlegers, entwickelt daraus eine Strategie und hält den Rahmen in Anlagerichtlinien fest. Danach legt er das Geld an, überwacht das Portfolio, passt es bei Bedarf an und berichtet über Wertentwicklung und Kosten.
Auch für das Depot und die Anlageentscheidungen gelten dieselben Regeln. Das Depot wird auf den Namen des Anlegers eröffnet. Innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien entscheidet der Verwalter über Käufe und Verkäufe, ohne für jede Transaktion eine neue Zustimmung einzuholen.
Wie werden die fünf Schritte digital umgesetzt?
Digitale Prozesse und Systeme unterstützen den Verwalter bei allen fünf Schritten. Wie viel automatisch geschieht und ob Anleger einen persönlichen Ansprechpartner haben, hängt vom Anbieter ab.
- Anlegerprofil. Anleger beantworten online Fragen zu ihren Zielen, zum Anlagehorizont, zur finanziellen Lage und zu ihren Erfahrungen mit Geldanlagen. Sie geben auch an, welches Risiko sie tragen können und möchten. Je nach Anbieter können sie ihre Angaben im Gespräch ergänzen.
- Anlagestrategie. Aus dem Anlegerprofil leitet der Verwalter die langfristige Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen ab und bestimmt, welche Wertpapiere infrage kommen. Die Anlagerichtlinien halten fest, in welchem Rahmen er entscheiden darf.
- Erstanlage. Identifizierung und Vertragsschluss erfolgen online. Depot und Konto werden auf den Namen des Anlegers eröffnet. Sobald das Geld eingegangen ist, legt der Verwalter es entsprechend der vereinbarten Strategie an.
- Laufende Steuerung. Algorithmen helfen dem Verwalter, Portfolio und Risiken laufend zu überwachen, Abweichungen zu erkennen und Umschichtungen umzusetzen. Je nach Anbieter prüft ein Investmentteam außerdem die eingesetzten Anlagen und passt das Portfolio innerhalb des Mandats an.
- Berichterstattung und Austausch. Auf einer Plattform oder in einer App sehen Anleger, welche Anlagen sie halten und wie sich das Portfolio entwickelt. Regelmäßige Berichte informieren auch über Kosten und Änderungen im Portfolio. Ob es persönliche Ansprechpartner gibt, hängt vom Anbieter ab.
Worin unterscheiden sich digitale Anbieter?
Dass ein Angebot digital ist, sagt noch wenig über seinen Leistungsumfang aus. Drei Punkte sind besonders wichtig.
- Anlageuniversum. ETF-Portfolios reichen von wenigen Standardbausteinen bis zu einer differenzierten Aufteilung über mehrere Anlage- und Unteranlageklassen. Manche Anbieter ergänzen sie um aktive Fonds oder eröffnen über geeignete Fonds Zugang zu Private Equity. Institutionelle Anteilsklassen können die Fondskosten spürbar senken.
- Portfoliosteuerung. Einige Angebote halten vor allem die vorgegebene Aufteilung nach festen Regeln ein. Diese Regeln können schlicht oder differenziert sein: Einfache Regeln greifen zu festen Terminen oder Schwellen, differenzierte wägen in mehreren Stufen ab, ob ein Eingriff das Portfolio tatsächlich verbessert. Der Unterschied zeigt sich im Ergebnis. Andere Angebote prüfen laufend Kapitalmarktannahmen, Fonds und Risiken und können das Portfolio innerhalb der Anlagerichtlinien auch taktisch anpassen. Mehr Aktivität allein ist noch kein Qualitätsmerkmal.
- Persönliche Betreuung. Manche Anbieter setzen ausschließlich auf digitale Kommunikation. Andere bieten feste Ansprechpartner, mit denen Anleger die Strategie und Veränderungen in ihrer Lebenssituation besprechen können.
Insgesamt reicht die Bandbreite von einfachen Robo-Advisor-Angeboten mit wenigen Modellportfolios bis zu digitalen Vermögensverwaltern mit breiter Anlageauswahl, erfahrenem Investmentteam und persönlicher Betreuung. Solche Angebote kommen dem Private Banking im Leistungsumfang nahe und bieten zugleich einen einfachen digitalen Zugang.
Was haben Anleger von digitalen Abläufen?
Online erfasste Angaben, digitale Verträge und standardisierte Abläufe bei Überwachung und Handel können den Aufwand pro Mandat senken. Dadurch wird professionelle Vermögensverwaltung teils schon unterhalb der hohen Mindestanlagen klassischer Privatbanken möglich. Die Mindestanlage variiert allerdings stark. Bei manchen digitalen Anbietern beginnt sie bei wenigen Euro, bei anderen erst ab 100.000 €.
Auf einer digitalen Plattform oder in einer App sehen Anleger jederzeit, wie ihr Portfolio zusammengesetzt ist und sich entwickelt, ohne auf den nächsten Bericht oder Gesprächstermin zu warten. Regelmäßige Berichte ergänzen diesen Einblick um Details zu Kosten und Änderungen im Portfolio. Bei Anbietern mit persönlicher Betreuung lassen sich Fragen weiterhin im Gespräch klären.
Digitale Abläufe können auch die Verwaltungsgebühr senken. Ob Anleger insgesamt weniger zahlen, zeigt sich erst, wenn auch Depot-, Handels- und Fondskosten berücksichtigt sind. Ein Vergleich ist nur sinnvoll, wenn Strategie, Anlageuniversum und Betreuung ähnlich sind.
Wie unterscheiden sich beide Formen im Überblick?
| Merkmal | Klassische Vermögensverwaltung | Digitale Vermögensverwaltung |
|---|---|---|
| Anlageauftrag | Verwalter entscheidet innerhalb des Mandats | Verwalter entscheidet innerhalb des Mandats |
| Anlegerprofil | Häufig im persönlichen Gespräch | Online, je nach Anbieter ergänzt durch ein Gespräch |
| Vertrag und Depot | Vertragsschluss oft persönlich, Depot auf den Namen des Anlegers | Vertrag und Identifizierung online, Depot auf den Namen des Anlegers |
| Portfoliosteuerung | Laufende Prüfung und Anpassung durch den Verwalter | Laufende Prüfung und Anpassung durch den Verwalter, unterstützt durch digitale Systeme |
| Einblick | Regelmäßige Berichte und persönliche Auskunft | Plattform oder App und regelmäßige Berichte |
| Persönlicher Kontakt | Meist ein fester Ansprechpartner | Je nach Anbieter rein digital oder mit persönlicher Betreuung |
| Mindestanlage | Oft im hohen sechs- oder siebenstelligen Bereich | Teilweise deutlich niedriger |
| Kosten | Gesamtkosten hängen vom Mandat ab | Digitale Abläufe können Kosten senken, Gesamtkosten bleiben entscheidend |
Worauf sollten Anleger bei der Wahl achten?
Wer Vermögen nach eigenem Ermessen verwaltet, braucht dafür eine Erlaubnis der BaFin. Anleger können sie in deren Unternehmensdatenbank prüfen. Für die Qualität eines Angebots sind darüber hinaus die Erfahrung des Investmentteams, ein nachvollziehbarer Anlageprozess und die Gesamtkosten wichtig.
Vor dem Abschluss sollten Anleger verstehen, wer ihre Strategie festlegt, welche Anlagen infrage kommen und wie das Portfolio überwacht wird. Ebenso wichtig ist, ob sie bei Fragen einen fachkundigen Ansprechpartner erreichen. Der Preis lässt sich erst beurteilen, wenn der Leistungsumfang klar ist.
Bei LIQID bildet die strategische Asset Allokation der LGT die Grundlage der CORE Portfolios. Die internationale Privatbank im Eigentum der Fürstenfamilie von Liechtenstein ist Gesellschafterin und Investmentpartnerin von LIQID. Bei der Auswahl von Fonds und ETFs nutzt das LIQID Investmentteam die Analysen der LGT. Beide Teams stimmen sich regelmäßig über Märkte und Portfolios ab. Bei CORE Select fließen auch taktische Einschätzungen der LGT in die laufende Steuerung ein. CORE Global und CORE Future folgen einem passiven Ansatz, wobei CORE Future nachhaltig orientiert ist. CORE Select kann zudem ausgewählte aktive Fonds enthalten.
Das Anlegerprofil ermittelt LIQID mit einem Algorithmus, der gemeinsam mit Professoren der Universitäten Zürich und St. Gallen entwickelt wurde. Kunden erteilen ihr Mandat online und verfolgen ihr Portfolio über die LIQID Plattform oder App. Dort finden sie auch regelmäßige Berichte zu Wertentwicklung, Kosten und Anpassungen. Bei Fragen erreichen sie erfahrene Ansprechpartner per E-Mail, Telefon, Video oder persönlich.
LIQID ist ein von der BaFin zugelassener Vermögensverwalter und Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland. Die Mindestanlage für Neukunden beträgt 100.000 €. Die Pauschalgebühr für CORE deckt Portfolioverwaltung, Handel und Depotführung ab und liegt je nach Strategie und Anlagebetrag zwischen 0,25 und 0,90 % pro Jahr. Eine Erfolgsgebühr fällt nicht an. Hinzu kommen die Kosten der eingesetzten Fonds.
Eine gute digitale Vermögensverwaltung verbindet fachliche Tiefe und persönliche Betreuung mit dem einfachen Zugang und laufenden Überblick einer Plattform. Ob ein Anbieter das schafft, zeigt sich an seiner Strategie, der laufenden Portfoliosteuerung und der persönlichen Betreuung.


Dr. Martin Meuter leitet das Portfolio Management und ist Geschäftsführer der LIQID Asset Management. Er ist seit 2022 bei LIQID und steuert unser Investmentteam sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern LGT, HQ Capital, VenCap und Neuberger. Zuvor beriet er Banken und Versicherungen im Bereich Investment- und Risikomanagement. Er hat einen Bachelor der TU München, einen Master der Erasmus Universität Rotterdam und einen Doktortitel in Finanzwirtschaft der Universität zu Köln.