Private Markets

Interview: Künstliche Intelligenz bleibt auch 2024 das Zugpferd von Venture Capital

LIQID Smart Letter

Februar 2024

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2023 war ein anspruchsvolles Jahr für die Venture-Capital-Branche mit vergleichsweise wenigen Unternehmenskäufen und -verkäufen.
  • Trotzdem befinden wir uns mitten in einer technologischen Revolution, angetrieben von den Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz.
  • Die Venture-Capital-Branche hat schon früh in diesen Bereich investiert und sieht hier auch für die aktuellen Fondsgenerationen großes Potenzial.

Das Jahr 2023 war ein besonderes Jahr für Venture Capital. Nach der Pleite der Silicon Valley Bank zu Beginn des Jahres war die Branche in Aufruhr. Das alles überschattende Thema war nichtsdestotrotz der kometenhafte Aufstieg von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) und vor allem vom Chatbot ChatGPT. In lediglich zwei Monaten gewann die Anwendung der amerikanischen Firma OpenAI mehr als 100 Millionen Nutzer. Zum Vergleich: WhatsApp brauchte für dieselbe Anzahl an Registrierungen etwa dreieinhalb Jahre. Heute sind Applikationen, die auf Basis von KI laufen, aus dem Arbeitsalltag vieler Menschen bereits nicht mehr wegzudenken.

Wir haben zum vergangenen Jahr, zu der Entwicklung im Bereich KI und zu den Prognosen für den Venture-Capital-Markt mit Heinrich Riehl gesprochen. Herr Riehl ist Director of Fundraising und Client Services bei unserem Partner VenCap, der bereits seit Jahrzehnten aktiv in Venture Capital und unter anderem auch über den Venture-Capital-Manager Khosla Ventures an der faszinierenden Entwicklung von OpenAI und ChatGPT beteiligt ist.

Was hat den Venture-Capital-Markt im Jahr 2023 besonders bewegt?

Heinrich Riehl: Das Jahr 2023 ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches. Nach den Boom-Jahren 2020 und 2021, in denen wir im Bereich Venture Capital massive Bewertungsaufschläge sowie rekordverdächtige Zuflüsse und Exits gesehen haben, setzte sich die in 2022 einsetzende Konsolidierung 2023 fort.

Heinrich Riehl, Director of Fundraising & Client Services bei VenCap

Um dies mit ein paar Zahlen zu untermalen: Seit dem zyklischen Bewertungshoch Ende 2021 sind die Unternehmensbewertungen insgesamt um etwa 25 bis 30 Prozent gesunken. Fundraising, also das Einsammeln frischen Kapitals der Venture-Manager, ging im Jahr 2023 um 60 Prozent zurück. Das bedeutet, dass deutlich weniger Kapital von den Endinvestoren, also von Pensionsfonds, Versicherungen, Privatbanken und anderen, bereitgestellt wurde.

Dies ist sicherlich auch eine Folge der aktuell sehr niedrigen Ausschüttungen der Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds. Da die Exits, also Börsengänge und Unternehmensverkäufe, in 2023 um weitere 50 Prozent rückläufig waren, nachdem sie bereits 2022 um 80 Prozent eingebrochen waren, ergab sich für die Manager eine Herausforderung: 2023 konnten schlichtweg kaum Kapitalgewinne realisiert und dementsprechend auch kaum Ausschüttungen vorgenommen werden.

Nach den Boom-Jahren von 2020 und 2021, in denen wir zu viel Kapital zur Verfügung hatten, ist das Kapital am Venture-Capital-Markt also wieder knapper. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir ein sehr attraktives Marktumfeld vorfinden und Venture-Manager zu deutlich günstigeren Bewertungen und zu deutlich besseren Konditionen investieren können als in den vergangenen Jahren. Und das kommt direkt Investoren zugute, die jetzt in den Markt einsteigen und weiterhin Neuinvestitionen tätigen.

Interessanterweise ist die Start-up Finanzierung gemessen am Rekordvolumen von 2021 zwar rückläufig, sie liegt aber deutlich über dem langfristigen Investitionsniveau. Das heißt, dass die Venture-Manager von diesem außergewöhnlichen Marktumfeld tatsächlich profitiert und selektiv die besten Start-ups mit Kapital versorgt haben.

Jenseits des Marktumfeldes ist 2023 allerdings auch aus anderer Sicht außergewöhnlich. 2023 sah den Durchbruch einer neuen Technologie – der Künstlichen Intelligenz. Mit der Präsentation von Chat GPT Anfang 2023 wurde uns allen bewusst, wie weit die Technologie mittlerweile fortgeschritten ist und was bereits heute möglich ist. Bei genauer Betrachtung können wir feststellen, dass die Künstliche Intelligenz das Stadium der reinen Entwicklung verlassen hat und bereits in viele Produkte integriert ist. Die Produkte von Microsoft oder Photoshop liefern exzellente Beispiele, wie Künstliche Intelligenz bereits heute im Arbeitsalltag produktiv eingesetzt werden kann.

Die Frage, ob sich Künstliche Intelligenz durchsetzen wird oder nicht, stellt sich so nicht mehr. Es geht vielmehr darum zu sehen, in welchem Ausmaß Künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, verändern wird. Und es gilt auch zu verstehen, welche Herausforderungen damit auf uns zukommen und wie wir diese bewältigen können.

Für Venture-Capital-Investoren geht es natürlich darum zu bestimmen, wer die Gewinner und Verlierer dieser neuen Technologie sein werden und wie wir uns an den Gewinnern beteiligen können. Und genau hier kommen unsere Core Manager ins Spiel, also die renommiertesten und über Fondsgenerationen hinweg besten Venture-Manager weltweit, die regelmäßig beweisen, dass sie Zugang zu den besten Unternehmern und Technologien haben und damit außergewöhnlich erfolgreiche Unternehmen entwickeln können. Genau das erwarten wir auch für unsere Investitionen in den Bereich Künstliche Intelligenz.

Wie ordnen Sie die Wichtigkeit des Themas Künstliche Intelligenz im Venture-Capital-Markt ein?

Heinrich Riehl: Bahnbrechende neue Technologien und der technische Fortschritt, der damit einhergeht, werden etwa in einem Rhythmus von 15 bis 20 Jahren entwickelt. Als Beispiele können wir die Entwicklung des PCs Anfang der 80er Jahre, die Erfindung des Internets Mitte der 90er und das mobile Internet, das iPhone und Cloud Computing ab Mitte der 2000er Jahre nennen.

Die nächste große technologische Revolution, die ansteht oder genauer, in der wir uns bereits befinden, ist die Künstliche Intelligenz. Die Künstliche Intelligenz wird die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben, massiv verändern. Und wie wir meinen positiv verändern. Und damit ergeben sich für den Bereich Venture Capital ganz besondere Investitionsmöglichkeiten.

Venture ist die einzige Assetklasse, die die Erfahrung, das Kapital und die Geduld hat, Unternehmen von der Gründung bis zum erfolgreichen IPO zu finanzieren. Und dies über Zeiträume hinweg, die regelmäßig zehn oder 15 Jahre in Anspruch nehmen. Venture hat das Vertrauen in Unternehmen zu investieren, die in den ersten fünf Jahren oder sogar noch länger Verluste erwirtschaften. Weder Private Equity noch die Aktienmärkte können dies leisten.

Die Chancen, die sich damit für Venture Capital ergeben, sind vergleichbar mit den Chancen, die sich aus der technologischen Revolution von 2007, also wieder dem mobilen Internet, dem Smartphone und dem Cloud Computing ergeben haben.

Wir können feststellen, und jetzt wird es spannend, dass die heute wertvollsten Unternehmen weltweit, also Facebook, Alibaba, Google, Amazon und Apple, sich alle im Umfeld der neuen Technologie des mobilen Internets und des iPhones seit 2007 entwickelt oder neu erfunden haben.

Wir denken, dass sich die Geschichte hier wiederholen wird und dass die in zehn oder 15 Jahren wertvollsten Unternehmen heute gegründet werden. Unternehmen, die vollkommen neue Wege aufzeichnen, wie Künstliche Intelligenz als Produkt für Unternehmen und Verbraucher effektiv eingesetzt werden kann.

Natürlich birgt eine neue und bahnbrechende Technologie wie die Künstliche Intelligenz auch Risiken. Wenn wir davon sprechen, dass Künstliche Intelligenz die Effizienz von Unternehmen maßgeblich steigern wird, heißt dies auch, dass Arbeitsplätze der Künstlichen Intelligenz zum Opfer fallen. Wir sehen das größte Risiko der Künstlichen Intelligenz also nicht in irgendwelchen utopischen Weltuntergangsszenarien, sondern konkret in der Herausforderung, dass Arbeitsplätze möglicherweise schneller abgebaut werden, als neue durch die Künstliche Intelligenz geschaffen werden.

Was bedeutet all dies für das Jahr 2024 und welche besonderen Chancen bieten sich für Venture-Capital-Investoren?

Heinrich Riehl: Wir befinden uns heute in einer Situation, wie wir sie als Investor vielleicht alle 15 oder 20 Jahre sehen: ein extrem attraktives Marktumfeld mit knappem Kapital auf dem Venture-Capital-Markt und der Entfaltung einer neuen Technologie, der Künstlichen Intelligenz mit nahezu unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem ist Venture Capital die Assetklasse, die am besten positioniert ist, von den außergewöhnlichen Chancen der Künstlichen Intelligenz zu profitieren. Wir erwarten deshalb, dass die Venture-Jahrgänge 2023, 2024 und 2025 ausgesprochen hohes Performance-Potenzial bieten.

Allerdings ist Erfolg in Venture nie ein Selbstläufer. Es bleibt unbestritten wichtig, ein konzentriertes Portfolio der ausschließlich besten Venture-Manager zu bilden. Wir bei VenCap konzentrieren uns seit knapp 20 Jahren auf Venture-Capital-Fonds unserer Core Manager, die regelmäßig beweisen, dass sie frühzeitig in die dann erfolgreichsten Unternehmen mit den führenden Technologien investieren.

Über unsere Core Manager haben wir bereits jetzt Zugang zu Unternehmen wie Open AI und co:here im Bereich großer Sprachmodelle, zu Pinecone im Bereich Datenbank Infrastruktur und zu Replit, Ambient.ai und Character.ai im Bereich Software-Applikationen.

Wir sind also bereits in die drei großen Bereiche der Künstlichen Intelligenz investiert über Unternehmen mit einem starken Wachstumspotenzial. Wir verfügen zudem über das Kapital, weitere Investitionen in Künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren folgen zu lassen.

Letztendlich gehen wir davon aus, dass jedes Unternehmen in den kommenden zehn Jahren zu einem Unternehmen der Künstlichen Intelligenz werden wird, ähnlich wie heute jedes Unternehmen ein Internetunternehmen ist, also ein Unternehmen, das ohne Internetauftritt oder mobile Konnektivität kaum mehr vorstellbar ist. Und von diesem Potenzial der Künstlichen Intelligenz wollen wir heute profitieren.

Gut zu wissen: VenCap ist unser Partner bei LIQID Venture. Die aktuelle Generation unserer Venture-Capital-Dachfonds steht kurz vor dem finalen Zeichnungsschluss. Das bedeutet, Sie haben nur noch für kurze Zeit die Möglichkeit, zusammen mit den führenden Venture-Capital-Managern, von den Chancen, die sich zur Zeit im Bereich Venture auftun, zu profitieren. Sie können hier mehr über die aktuelle Generation von LIQID Venture erfahren.

Hinweis: Investitionen in Venture Capital richten sich nur an erfahrene Anleger, die in der Lage sind, mindestens 200.000 Euro zu investieren. Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise.