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Anlagestrategie: Ein Blick auf die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen

September 2023

Das Wichtigste in Kürze:

  • Während die Kurse von Aktien und Anleihen im vergangenen Jahr quasi parallel gefallen sind, konnten diese in 2023 zunächst parallel steigen. Nun ist die Korrelation erstmals seit langem wieder deutlich negativ.
  • Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass eine negative Korrelation vor allem in Phasen langfristig erhöhter Inflationsraten von Dauer war. Da wir davon ausgehen, dass die Inflation weiter fällt, rechnen wir nicht mit einer dauerhaft negativen Korrelation.
  • Eine positive Korrelation erfordert mittelfristig sowohl Aktien als auch Anleihen in einem Portfolio, da diese Möglichkeiten zur Diversifikation bieten. Das gilt insbesondere bei den aktuell hohen Renditeniveaus bei Anleihen.

Im vergangenen Monat war der Anstieg der 10-jährigen Renditen ein Hauptgrund für die Schwäche der Aktienmärkte. Generell gilt: Ein nachlassendes Wirtschaftswachstum und steigende Renditen bei Anleihen stellen für Aktien keine gesunde Kombination dar. Denn ein geringeres Wirtschaftswachstum reduziert die Gewinnerwartungen für Unternehmen und höhere Renditen bei Anleihen erhöhen die Kapitalkosten. Im aktuellen Umfeld ist die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen derzeit deutlich negativ (Abb. 1).

Abb. 1: Historische Korrelation zwischen Aktien- und Anleihenrenditen

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Quelle: LIQID, Bloomberg. Aktien: S&P 500 Index. Anleihen: Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen. Zeitraum: 31.12.1967 – 31.08.2023.

Das bedeutet aber nicht, dass die Verbindung zwischen den Renditen von Aktien und Anleihen immer gleich bleibt. In den letzten 60 Jahren haben wir zwei langfristige Trends bemerkt. Die Abbildung zeigt, dass die Beziehung zwischen Aktien- und Anleiherenditen nicht konstant ist. Diese Veränderungen werden durch die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflusst.

 

Ein Blick in die Vergangenheit der US-Kapitalmärkte

Von Ende der 1960er bis Ende der 1990er Jahre hatte die US-Wirtschaft mit Phasen hoher Inflation zu kämpfen, wobei der Verbraucherpreisindex (VPI) in diesem Zeitraum im Durchschnitt 5,2 Prozent betrug. In einem solchen Umfeld konzentrierte sich die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) darauf, die Inflation unter Kontrolle zu halten, denn die steigenden Preise stellten damals die größte Bedrohung für die Wirtschaft dar. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die FED mit einem Doppelmandat beauftragt ist, das neben Preisstabilität auch maximale Beschäftigung zum Ziel hat.

Im Rahmen ihres Doppelmandats musste die FED in dieser Periode also der Preisstabilität Vorrang vor der Maximierung einer nachhaltigen Beschäftigung einräumen. Infolgedessen war die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen in diesem Zeitraum meist negativ, da hohe Inflationserwartungen wahrscheinlich die Hauptursache für steigende Renditen bei Anleihen waren.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Verbraucherpreisindex in den USA jedoch gut verankert und lag in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt bei nur 2,5 Prozent. In diesem Umfeld konnte sich die Zentralbank auf die Steuerung des Wirtschaftswachstums und nicht der Inflation konzentrieren. Der Anstieg der Renditen war in dieser zweiten Periode wahrscheinlich Ausdruck eines starken Wachstumsumfelds, weshalb die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen meist positiv war.

 

Die Notenbanken könnten sich wieder auf das Wachstum fokussieren

Angesichts der hohen Inflation in den letzten 18 Monaten hat sich die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen wieder ins Negative gedreht und ein Niveau erreicht, das zuletzt vor mehr als 20 Jahren beobachtet wurde. Wir glauben jedoch nicht, dass dies der Beginn eines neuen strukturellen Regimes ist, wie wir es zwischen den 1960er und 1990er Jahren erlebt haben – also eine Welt, in der steigende Aktienkurse mit fallenden Anleihenkurse einhergehen und umgekehrt.

Stattdessen sind wir der Meinung, dass die Inflation in den nächsten Jahren gut verankert sein wird und dass die Zentralbanken sich wieder auf die Steuerung des Wachstums und nicht der Inflation konzentrieren können. Dies ist ein wichtiger Punkt für Anleger und bedeutet, dass sowohl Aktien als auch Anleihen in einem Portfolio eine zentrale Rolle spielen werden. Denn wenn die Korrelation zwischen Aktien- und Anleiherenditen positiv ist, bieten Anleihen für ein Aktienportfolio eine Möglichkeit zur Diversifizierung. Dies gilt insbesondere bei den derzeit hohen Renditeniveaus, die Anleihen unserer Ansicht nach aktuell so attraktiv machen.

 

Was heißt das für Anleger?

Auf sehr kurze Sicht dürfte die Geldpolitik der Zentralbanken nach wie vor in erster Linie von der Inflation bestimmt werden, insbesondere wenn der Arbeitsmarkt stark und die Beschäftigung weiterhin hoch bleibt. Mittelfristig sind wir aber der Überzeugung, dass die Korrelation nicht negativ bleiben wird. Zur Diversifikation von Portfolios sollten Anleger daher sowohl Aktien als auch Anleihen einbeziehen.