Lego, Whisky, Rolex: Was taugt wirklich als Investment?

Das Wichtigste in Kürze:
- Sammlerstücke wie Uhren, Whisky, Wein und Lego können attraktive Renditen liefern – aber nicht jedes seltene Objekt ist auch ein gutes Investment.
- Entscheidend sind nicht nur Knappheit und Nachfrage, sondern vor allem Markt, Preisbildung und Liquidität.
- Bei Whisky-Fässern zeigen spektakuläre Renditen, wie schnell einzelne Erfolgsgeschichten ein falsches Bild vom Gesamtmarkt zeichnen können.
- Collectibles können ein Portfolio ergänzen – als Kernanlage sind sie meist zu illiquide und wissensintensiv.
Zwischen 1987 und 2015 stiegen die Preise bestimmter Lego-Sets um rund 11 % pro Jahr und lagen damit über der historischen Wertentwicklung von Gold, Anleihen und einigen Aktienindizes. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2022 im Fachjournal Research in International Business and Finance veröffentlichte, peer-reviewte Studie. Doch historische Rendite allein macht noch kein gutes Investment. Entscheidend ist, wie belastbar der zugrunde liegende Markt ist.
Was die interessantesten Collectibles auszeichnet, ist mehr als ihre bloße Begehrtheit: Sie verfügen über etablierte Sekundärmärkte, über Jahre dokumentierte Preisentwicklungen und ein strukturell begrenztes Angebot. Ein Beispiel ist der Lego Millennium Falcon von 2007 (Set-Nr. 10179): Ursprünglich für 499 US$ erhältlich, wird er heute für ein Vielfaches gehandelt. Auch beim Macallan-Jahrgang 1926 ist das Angebot naturgemäß begrenzt – der Whisky kann nicht nachproduziert werden und die wenigen erhaltenen Flaschen erzielen entsprechend hohe Preise.
Was diese Anlagen von Aktien unterscheidet, ist die Art der Preisbildung: Wissen und Netzwerk können wichtiger sein als Kapital. Der erfahrene Sammler erkennt Liebhaberpreise – der unerfahrene Käufer zahlt sie.
Selten heißt noch lange nicht wertvoll
Die Welt seriöser Sammler-Investments ist kleiner, als der Hype vermuten lässt. Denn nicht alles, was rar oder begehrt ist, lässt sich auch sinnvoll als Investment bewerten. Entscheidend sind ein etablierter Markt, nachvollziehbare Preise und genügend Transaktionen, um den Wert eines Objekts einordnen zu können.
Fine Wine gehört zu den am längsten dokumentierten Anlageklassen unter den Collectibles. Die Finanzökonomen Dimson, Rousseau und Spaenjers haben die Preisentwicklung von 5 besonders renommierten Bordeaux-Weinen über mehr als 100 Jahre untersucht. Von 1900 bis 2012 kamen sie auf eine reale Rendite von 4,1 % pro Jahr. Das ist solide, nach Lager-, Versicherungs- und Transaktionskosten aber deutlich weniger spektakulär, als man vermuten könnte.
Auch klassische Musikinstrumente – etwa Stradivari- und Guarneri-Geigen oder frühe Steinway-Flügel – erzielen in dokumentierten Auktionen seit Jahrzehnten überdurchschnittliche Preise. Der Markt ist illiquide und die Expertise-Anforderungen sind hoch, zugleich ist die Preisfindung durch etablierte Auktionshäuser vergleichsweise nachvollziehbar.
Ähnlich ist es bei besonderen Büchern und Erstausgaben: Für ausgewählte Stücke gibt es etablierte Auktionsmärkte und damit über Jahre nachvollziehbare Preisentwicklungen. Entscheidend sind auch hier Faktoren wie Zustand, Provenienz und die genaue Ausgabe. Selbst 2 auf den ersten Blick identische Bücher können auf dem Sammlermarkt völlig unterschiedliche Werte haben.
Bei anderen Kategorien fehlt diese Grundlage. Luxushandtaschen außerhalb weniger etablierter Hermès-Modelle, etwa der berühmten Birkin Bag, limitierte Sneaker wie die Louis Vuitton x Nike Air Force 1, NFTs, Whisky-Fässer oder zeitgenössische Kunst werden zwar regelmäßig als Investments angepriesen. Doch ohne belastbare Preisdaten und einen funktionierenden Sekundärmarkt bleibt die entscheidende Frage offen: Was davon hat tatsächlich Anlagepotenzial – und was ist nur gutes Marketing?
Whisky: Zu schön, um wahr zu sein?
Bei Whisky muss man zunächst zwischen Flaschen und Fässern unterscheiden. Beide Märkte haben wenig miteinander zu tun. Das zeigt ein prominenter Fall, der bis heute gerne als Beleg für die Attraktivität von Whisky-Investments angeführt wird: 1994 kaufte der britische Bankmanager Roger Parfitt ein Macallan-Fass für 3.200 GB£ und ein Tobermory-Fass für weitere 1.500 GB£ 2021 wurden beide Fässer für insgesamt 225.000 GB£ verkauft. Über rund 27 Jahre ergibt das eine beeindruckende annualisierte Rendite und zweifellos eine reale Erfolgsgeschichte.
Nur: Als Beleg für die durchschnittliche Rendite von Whisky-Fässern taugt sie nicht. Genau gegen diese Art der Vermarktung ist die britische Advertising Standards Authority (ASA) vorgegangen. Anbieter hatten historische Preisentwicklungen von Whiskyflaschen und einzelne erfolgreiche Fassverkäufe genutzt, um Renditeversprechen für Fass-Investments zu untermauern.
Das ist mehr als eine regulatorische Fußnote. Es zeigt ein grundsätzliches Problem illiquider Sachwertmärkte: Ein spektakulärer Einzelverkauf kann real sein und trotzdem nichts über die Rendite des gesamten Marktes aussagen.
Wer in Whisky-Fässer investiert, kauft deshalb nicht einfach „Whisky mit 15 % Rendite“. Er übernimmt das Risiko einer langen, wenig liquiden Anlage, bei dem Auswahl, Lagerung, Eigentumsnachweis, laufende Kosten und späterer Verkauf entscheidend sind. Die Eigentumskette und Originaldokumentation – etwa eine Delivery Order – sollten unabhängig geprüft werden. Historische Ausreißer sind eben kein belastbarer Business Case.
Collectibles bleiben eine Nische
Illiquide, wissensabhängige Märkte sind kein Ersatz für ein diversifiziertes Depot. Sie können aber eine interessante Ergänzung sein, weil sich ihre Preise in normalen Marktphasen teilweise unabhängig vom Aktienmarkt entwickeln. Das sollte man allerdings nicht mit Krisenfestigkeit verwechseln. Wenn die Märkte insgesamt unter Druck geraten, können auch Lego-Sets, Uhren, Wein oder Whisky-Flaschen an Wert verlieren. Dazu kommt: Wer verkaufen muss, findet bei einem seltenen Sammlerstück nicht zwangsläufig sofort einen Käufer – und schon gar nicht zum zuletzt beobachteten Preis.
Deshalb gehören solche Sachwerte, wenn überhaupt, eher in die Kategorie kleine Beimischung als in die Kernstrategie eines Portfolios. Entscheidend ist weniger eine starre Prozentzahl als die Frage, ob man einen langen Anlagehorizont, ausreichende Liquiditätsreserven und echtes Wissen über den jeweiligen Markt mitbringt.
Oder anders gesagt: Wer das Whisky-Fass, die Rolex oder das Lego-Set im Zweifel auch selber trinken, tragen oder aufbauen würde, hat selbst bei einem Wertverlust noch etwas davon.

Der 7-Punkte-Check für Collectibles
Vor dem Kauf: 7 Fragen, die Sie mit „Ja“ beantworten können sollten
Auswertung: Je häufiger Sie mit „Ja“ antworten können, desto belastbarer ist die Grundlage für einen Kauf. Können alle 7 Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, steht das für eine gute Ausgangslage. 5 bis 6 „Ja“-Antworten heißen: die verbleibenden Lücken sollten geklärt werden, bevor Sie sich für einen Kauf entscheiden. 3 bis 4 „Ja“-Antworten bedeuten einen eher spekulativen Kauf. Bei 0 bis 2 „Ja“-Antworten sollten Sie eher von einer Investition absehen.
Fazit
Der entscheidende Unterschied zwischen einem Sammlerobjekt und einem Aktienindex liegt also nicht darin, dass das eine „real“ und das andere „finanziell“ ist, sondern in der Qualität der Preisbildung. Während Aktienmärkte liquide und transparent sind, kann bei seltenen Uhren, Whisky oder anderen Collectibles schon die Frage nach dem fairen Wert zur Expertise werden.
Sachwerte sind deshalb keine Abkürzung zu überdurchschnittlichen Renditen. Wissen kann die Renditechancen erhöhen – Unwissen dagegen das Risiko. Wer den Markt nicht versteht, sollte sich daher nicht von der Wertentwicklung einzelner Sammlerstücke blenden lassen.
Einordnung für Anleger
Betrifft mich das?
Ja, auch ohne eigene Sammlung im Regal. Sachwerte werden zunehmend als Beimischung neben Aktien und Anleihen beworben. Wer die Mechanismen dahinter kennt, erkennt schneller, ob ein Angebot seriös ist – oder nur mit der einen Erfolgsgeschichte wirbt, die im Kleingedruckten für eine ganze Anlageklasse stehen soll.
Wie kann ich investieren?
Wer selbst eine seltene Uhr, Whisky-Flasche oder ein Sammlerstück kauft, braucht vor allem eines: Ahnung. Dazu kommen Zeit, Geduld und idealerweise ein gutes Netzwerk. Alternativ gibt es inzwischen erste Fonds- und strukturierte Lösungen, die mehrere Collectibles bündeln und Anlegern einen indirekten Zugang ermöglichen. Sie nehmen zwar einen Teil der Arbeit ab, sollten aber genau auf Kosten, Bewertungs- und Liquiditätsrisiken geprüft werden. Einen einfachen ETF, der den gesamten Collectibles-Markt abbildet, gibt es bislang nicht.
Was muss ich beachten?
Sachwerte sind oft schwerer zu verkaufen als Aktien oder Anleihen und können lange Haltezeiten mit sich bringen. Historische Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Und wenn die Märkte insgesamt unter Druck geraten, bleiben auch Sammlerstücke nicht automatisch verschont – der Millennium Falcon fliegt dann leider auch nicht davon.
