Polymarket, Kalshi und Co: Prediction Markets erobern den Mainstream

Ein neuer Trend hat sich in den USA etabliert: Prediction Markets. Plattformen wie Polymarket, Kalshi und einige andere haben die Öffentlichkeit im Sturm erobert. Längst werden sie als Herausforderer der klassischen Investment-Welt gehandelt. Zu Recht? Was verbirgt sich hinter dem Siegeszug der Prediction Markets und wie funktionieren sie überhaupt? Das und mehr erklären wir in diesem Artikel.
Das Wichtigste in Kürze
- Prediction Markets gewinnen rasant an Beliebtheit und gelten teilweise schon als Herausforderer für die klassische Investmentwelt.
- Zu den wichtigsten Plattformen gehören Kalshi und Polymarket.
- Nutzer können Kontrakte auf den Ausgang von Ereignissen eröffnen, ähnlich wie mit Optionen.
- Die Verlustrisiken sind hoch und kritische Stimmen sehen in Prediction Markets nichts anderes als Glücksspiel.
„We all on Kalshi now“ (deutsch: Wir nutzen alle Kalshi) – mit diesem Statement gab Basketball-Star Giannis Antetokounmpo jüngst seinen Einstieg bei der Prediction-Market-Plattform Kalshi bekannt. Dass der NBA-Spieler in der Plattform ein lohnenswertes Investment sieht, dürfte angesichts der Entwicklung der letzten Jahre kaum jemanden verwundern.
Allein während der Superbowl-Woche verzeichneten die beiden wichtigsten Plattformen Kalshi und Polymarket ein Handelsvolumen von 4,8 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Klassische Sportwettenanbieter verzeichneten das geringste Volumen seit 10 Jahren (Quelle: Nevada’s Gaming Control Board).
Was sind Prediction Markets?
Geht es nach den Betreibern von Kalshi und Co., ist der Vergleich zu Sportwetten unpassend. Sie sehen sich als Finanzprodukt. Auch die US-Behörden scheinen, zumindest bisher, diese Auffassung zu teilen. Denn die zuständige Aufsichtsbehörde ist die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) – dieselbe Behörde, die auch Futures- und Optionsmärkte reguliert. Nicht etwa die regionalen Glücksspielbehörden.
Und tatsächlich: Prediction Markets funktionieren etwas anders als klassische Wettplattformen. Nutzer platzieren so genannte Trades. Diese Trades sind, ähnlich wie Optionen, Wetten auf ein bestimmtes Ergebnis in der Zukunft. Während sich Optionen auf einen Basiswert, bspw. eine Aktie oder einen Aktienindex, beziehen, können Trades auf Predictions Markets beinahe jedes denkbare zukünftige Ereignis zum Inhalt haben. Vom Sieger des Superbowls über den nächsten Tech-Börsengang bis hin zum Ausgang der Wahlen zum US-Repräsentantenhaus im November.
So funktionieren Trades
Die Trades sind denkbar einfach aufgebaut: Es geht immer um eine Ja/Nein-Frage. Werden die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten? Wird Donald Trump neue Zölle verhängen? Gewinnt Deutschland die WM 2026? Wer eine Wette abgeben möchte, kauft einen oder mehrere Anteile. Wer richtig liegt, erhält pro Anteil einen US-Dollar. Die Quoten werden zumeist in Prozent angegeben – und diese Prozentzahl ist in der Regel auch der Centbetrag, den ein einzelner Anteil an einer Wette kostet.
Kurzes Rechenbeispiel: Ein Nutzer wettet, dass die Demokraten bei den Wahlen im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen. Die Quote für diese Wette beträgt 19 Prozent. Setzt der Nutzer 1.000 US-Dollar ein, erhält er im Gegenwert ca. 5.236 “Ja”-Anteile an dieser Wette. Geht die Wette nun auf, erhält der Nutzer 5.236 US-Dollar. Tritt das Ergebnis nicht ein, ist der Einsatz verloren.
Wahrheitsfindung durch Prediction Markets?
Ein interessanter Unterschied zu klassischen Wettanbietern liegt in der grundsätzlichen Herangehensweise der Prediction Markets: Sie agieren nicht als “Haus”, das die Quoten festlegt und als Gegenpart für jede Wette. Stattdessen leiten sich die Quoten direkt vom Setzverhalten der Nutzer ab. Längst zitieren deshalb seriöse Medien Outlets Wahrscheinlichkeiten von Kalshi und Co.

Verändern Prediction Markets die gesamte Finanzwelt?
Die Vision der Prediction Markets ist groß: Man möchte zu einer eigenen Anlageklasse werden – ebenbürtig zu Aktien, Rohstoffen und Co. Kritiker und die klassische Glücksspiel-Welt wiederum sehen in den neuen Anbietern nichts weiter als Wettportale in neuem Gewand. In den USA laufen deshalb aktuell mehr als 20 bundesstaatliche Klagen. Manche Beobachter vermuten sogar, dass die Sache vor dem Supreme Court entschieden werden könnte.
Prediction Markets werden auch in der Investment-Welt zunehmend wahrnehmbar: Der erfolgreiche US-Broker Robinhood integriert Prediction Markets in sein Angebot. Die Chicago Mercantile Exchange, die wohl größte Termin- und Optionsbörse der Welt, will einen eigenen Prediction Market launchen. Und die Muttergesellschaft der weltweit größten Wertpapierbörse, New York Stock Exchange, hat zwei Milliarden US-Dollar in Polymarket investiert. Mittlerweile können Nutzer über Polymarket sogar, wie mit Derivaten, auf die Kurse von Aktien wetten.
Fazit
Eignen sich Prediction Markets deshalb als Ersatz für Aktien, Private Markets oder andere klassische Investments? Das ist zu bezweifeln. Es bleibt ein Hochrisiko-Geschäft für Nutzer, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Und damit für den langfristigen Erhalt oder Aufbau von Vermögen nicht geeignet. Spannend ist diese Entwicklung trotzdem allemal.
