Santa Claus Rally: Kommt sie auch dieses Jahr?

Santa Claus Rally: Kommt sie auch dieses Jahr?
08 November 2024
5 Min
Zurück zur Smart Letter Übersicht

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zum Jahresende, insbesondere im Dezember, erleben Aktienmärkte oft einen Aufschwung – die sogenannte „Santa Claus Rally“.
  • Während einige Sektoren noch Aufwärtspotenzial zeigen, deuten Bewertungsindikatoren auf eine mögliche Überhitzung des breiten Marktes hin.
  • Zinspolitische Entscheidungen, geopolitische Spannungen und der Ausgang der US-Wahlen könnten die erwartete Jahresendrally beeinträchtigen.

Historisch betrachtet erzielt der globale Aktienmarkt im vierten Quartal traditionell die besten Ergebnisse, wobei insbesondere der Dezember häufig von einer sogenannten Jahresendrally geprägt ist – daher der Begriff „Santa Claus Rally” oder „Weihnachtsrally”. In diesem Jahr haben Aktien bereits eine beeindruckende Performance gezeigt, was die Frage aufwirft, wie viel Potenzial für weitere Kurssteigerungen bis zum Jahresende noch besteht. Welche Faktoren könnten in den kommenden Wochen eine Schlüsselrolle spielen?

2024 – Ein besonderes Jahr an den Aktienmärkten?

Trotz unterschiedlichster Hindernisse fällt die Bilanz der Aktienmärkte für 2024 bisher positiv aus. Betrachtet man die Performance verschiedener Indizes bis Ende Oktober 2024, so stechen vor allem die amerikanischen Technologieindizes hervor. Sowohl der NASDAQ als auch der S&P 500, der einen hohen Anteil an Technologieunternehmen aufweist, konnten Renditen von über 20 Prozent erzielen. Auch diverse andere Indizes, darunter auch der DAX, verzeichneten über das Jahr mehrere Allzeithochs.

Auch wenn dies auf den ersten Blick gute Nachrichten für Investoren sind, zeigt ein Blick auf verschiedene Bewertungsmodelle, dass der Markt tendenziell überbewertet ist. Ein Blick auf den sogenannten „Buffett-Indikator" – benannt nach dem weltbekannten Investor Warren Buffett – macht dies deutlich. Dieser Indikator setzt den Gesamtwert des amerikanischen Aktienmarktes ins Verhältnis zum aktuellen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ist dieses Verhältnis besonders hoch, der Markt also deutlich größer als das BIP, deutet dies auf eine Überbewertung hin. Aktuell zeigt der Indikator einen Wert von über 2x an, was gerade im historischen Vergleich besonders hoch ist.

Chart

Auch andere Kennzahlen sprechen eher für einen überhitzten Markt. Das sogenannte „Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis” (Shiller-KGV) misst beispielsweise das Verhältnis des Aktienkurses zum durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinn der letzten zehn Jahre. Ein hohes Shiller-KGV signalisiert somit eine hohe Bewertung. Für den S&P 500 liegt der Wert derzeit bei 35 und damit so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Und auch beim DAX liegt der Wert mit 20 nahe am 5-Jahres-Hoch.

Chart

Wo trotz hoher Bewertungen noch immer Luft nach oben ist

Die letzten Monate des Jahres sind erfahrungsgemäß besondere Monate. Das Weihnachtsgeschäft bringt für Branchen, die stark vom individuellen Konsum abhängig sind, wie der Einzelhandel oder die Konsumgüterindustrie, Besonderheiten mit sich.

Betrachtet man die Unternehmen des S&P 500 in den ersten drei Quartalen des Jahres, so zeigt sich auch auf Sektorebene, dass die meisten Unternehmen die Erwartungen übertroffen haben. Insbesondere Sektoren wie Dienstleistungen, Informationstechnologie oder Gesundheit liegen sowohl bei den Umsätzen als auch bei den Gewinnen auf breiter Front über den Erwartungen.

Chart

Chart

Der traditionell besonders volatile Sektor der Basiskonsumgüter zeigt bisher kaum Wachstum. Gemessen am Umsatzwachstum belegt dieser Sektor den drittletzten Platz im S&P 500. Hier scheint also trotz eines Ausnahmejahres noch Potenzial für ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft zu bestehen.

Chart

Welchen Einfluss haben die Zentralbanken?

Wie bereits das ganze Jahr über werden auch die Entscheidungen der Zentralbanken einen wichtigen Einfluss auf die Geschehnisse an den Börsen ausüben. Trotz bedeutender Zinssenkungen in den USA und Europa ist das globale Zinsniveau nach wie vor strukturell höher als vor den deutlichen Zinserhöhungen nach der Corona-Krise. Hinzu kommt die Tatsache, dass Marktakteure bereits heute weitere Zinssenkungen der wichtigen Zentralbanken einpreisen.

Für die USA geht die DWS etwa von fünf weiteren Zinsschritten i. H. v. je 25 Basispunkten nach unten aus. Auch für die EZB steht im Dezember ein weiterer Zinsentscheid an. Hier ist eine weitere Senkung des Leitzinses ebenfalls alles andere als ausgeschlossen.

Wie bereits in unserem letzten Smart-Letter-Artikel ausführlich besprochen, haben Zinssenkungen grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Bewertungen an den Aktienmärkten. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie hoch die Zinssenkungen ausfallen, oder ob sie bei bleibender Inflation eventuell doch ins neue Jahr verschoben werden. Solche unerwarteten Änderungen könnten eine Jahresendrally deutlich schwächen oder sogar unmöglich machen.

Was bedeutet das für Anleger?

L

Inhaltsverzeichnis