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Private-Equity-Co-Investments: Eine Alternative zu klassischen Fonds?

Dezember 2023

Das Wichtigste in Kürze:

  • Co-Investments haben sich in den letzten Jahren als neben klassischen Fonds im Private-Equity-Markt als Form des Investierens etabliert.
  • Anleger schätzen die Möglichkeit der direkten Beteiligung und der hohen Interessengleichheit.
  • Darüber hinaus bieten Co-Investments eine effiziente Kostenstruktur für Investoren.
  • Family Offices nutzen Co-Investments, um ihr Portfolio durch gezielte direkte Beteiligungen an ausgesuchten Unternehmen abzurunden und zu optimieren.

Private Equity hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Das bedeutet auch, dass immer mehr private und institutionelle Investoren den Weg in diese Anlageklasse suchen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Anlageklasse führt auch dazu, dass immer neue Wege entstehen, in Private Equity zu investieren. Eine Möglichkeit, die sich neben der klassischen Investition in einen Private-Equity-Fonds etabliert hat, ist das sogenannte Co-Investment. Wir wollen Ihnen erklären, was es mit Co-Investments auf sich hat, wie sie sich von herkömmlichen Private-Equity-Investitionen unterscheiden und welche Vor- und Nachteile sie für Investoren bereit halten.

Private-Equity-Fonds: der traditionelle Ansatz

Die am weitesten verbreitete Art, in Private Equity zu investieren, ist nach wie vor die Anlage über einen Fonds. Bei diesem Modell beteiligen sich institutionelle Investoren oder vermögende Privatanleger mit ihrem Kapital an professionell gemanagten Private-Equity-Fonds. Diese Fonds werden in der Regel von spezialisierten Private-Equity-Managern, sogenannten General Partners (GPs), aufgelegt und verwaltet. Diese bündeln die Mittel ihrer Investoren, der Limited Partners (LPs), und investieren das Kapital über die Laufzeit des Fonds in eine Vielzahl von Zielunternehmen. Durch ein aktives Management und eine konsequente operative Weiterentwicklung ihrer Portfoliounternehmen versuchen sie dann, den Wert ihres Portfolios zu steigern und so Renditen für ihre Kapitalgeber zu erwirtschaften. Hierfür erheben sie in der Regel eine Managementgebühr und erhalten eine erfolgsabhängige Vergütungskomponente.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

Begrenzte Mitbestimmung: Die Anleger in Private-Equity-Fonds delegieren ihre Anlageentscheidungen direkt an den Fondsmanager. Es liegt im Ermessen dieses Fondsmanagers, Investitionsmöglichkeiten zu finden, zu prüfen und auszuwählen und das Portfolio während der Laufzeit des Fonds im Interesse aller Investoren zu verwalten. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass die Anleger keinen direkten Einfluss auf die Investitionsentscheidungen im Fonds treffen können.

Diversifizierung: Die Anlage in einen Fonds bietet Anlegern eine direkte Form der Diversifizierung. Fonds investieren in der Regel in eine ganze Reihe verschiedener Portfoliounternehmen. In einem Fonds wird das Kapital der Anleger somit auf Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Teilen der Welt verteilt. Diese Diversifizierung trägt dazu bei, die Auswirkungen einer schlechten Wertentwicklung eines einzelnen Unternehmens durch eine gute Performance eines anderen Unternehmens auszugleichen.

Co-Investments: Die aktivere Alternative für Anleger

Co-Investments stellen eine Abkehr vom traditionellen Fondsmodell dar. Bei einem Co-Investment tritt ein Anleger gleichberechtigt neben den Fonds und beteiligt sich parallel zu den GPs an bestimmten Transaktionen. Private-Equity-Manager nutzen dabei ihre Beziehungen zu bestehenden LPs, um zusätzliches Kapital für große Deals zu akquirieren. Die Co-Investoren gehen in der Regel neben dem Private-Equity-Manager eine Minderheitsbeteiligung an den Zielunternehmen ein und unterstützen diesen gegebenenfalls auch bei der Auswahl, der Due Diligence und dem laufenden Management des Zielunternehmens.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

Direkte Beteiligung: Co-Investoren nehmen häufig aktiv an Entscheidungsprozessen teil. Dazu gehören die Auswahl bestimmter Projekte, die Durchführung der Due Diligence und das Einbringen von Know-how aufgrund ihrer Branchenkenntnis.

Angleichung der Interessen: Co-Investoren richten ihre Interessen stärker auf den Erfolg der einzelnen Projekte aus. Dies ist das Ergebnis einer aktiven Auswahl von Investitionen, die der Anlagestrategie, der Risikotoleranz und den langfristigen Zielen des Anlegers entsprechen.

Co-Investments versus Fondsinvestments – Schematische Darstellung

28 Co-Investments versus Fondsinvestments – Schematische Darstellung
Quelle: LIQID.

Die Entwicklung des Markts für Co-Investments

Co-Investments sind in der Breite erst in den letzten Jahren in den Fokus der Investoren gerückt. Dies zeigt ein Blick auf das historische Fundraising von Co-Investment-Fonds, also Fonds, die ausschließlich in Co-Investment-Deals investieren. Von 2017 bis 2022 hat sich das eingesammelte Kapitalvolumen im Bereich Co-Investments mehr als verdreifacht – von knapp neun Milliarden auf über 30 Milliarden US-Dollar. Auch die Zahl der aufgelegten Fonds ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Wurden 2017 lediglich 127 Fonds am Markt aufgelegt, waren es im Rekordjahr 2021 bereits mehr als 300. Im Jahr 2022 ging die Zahl nach dem großen Marktboom wieder deutlich auf 237 zurück, lag damit aber immer noch deutlich über den Zahlen von 2019 und 2020.

Co-Investment-Fundraising – 2006 bis 2023

26 Co-Investment-Fundraising – 2006 bis 2023
Quelle: Preqin.

Ein Blick auf die Renditen von Co-Investment-Fonds zeigt, dass die Anlageklasse sehr wettbewerbsfähig ist. Vergleicht man die Median-Renditen von Co-Investment-Fonds verschiedener Auflagejahre mit denen der gesamten Private-Equity-Branche, wird deutlich, dass Co-Investments in einigen Jahren sogar die herausragenden Renditen klassischer Private-Equity-Fonds übertreffen konnten. Insbesondere in der Zeit nach der Finanzkrise haben diese außerordentliche Renditen von über 20 Prozent erzielt. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass Co-Investment-Fonds lediglich einen kleinen Teil des Marktes abbilden. Viele Co-Investment-Deals werden direkt von großen institutionellen Anlegern durchgeführt und sind so nicht Teil dieser Betrachtung. Gerade bei diesen Deals ist die Rendite in der Regel noch höher als in der Breite des Marktes.

 

Renditen nach Fondsauflagejahr– 2006 bis 2020 (Median Netto-IRR)

27 Renditen in der Jahrgangssicht – 2006 bis 2020
Quelle: Preqin.
Hinweis: Co-Investments beinhalten Multi-Manager Co-Investments. Private Equity entspricht Buyout-Fonds.

Die Vor- und Nachteile von Co-Investments

Vergleicht man Co-Investments mit traditionellen Private-Equity-Fonds, so ergeben sich eine Reihe von Vor- und Nachteilen, die bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt werden sollten:

Bei Co-Investments haben Investoren den großen Vorteil, dass sie direkt an der Entscheidungsfindung beteiligt sind. Im Gegensatz zu traditionellen Investitionen über einen Fonds wählen Co-Investoren aktiv aus, wohin ihr Kapital fließt. Dieser Ansatz gibt Anlegern die Fähigkeit, ihre Investitionen genau nach ihren übergeordneten Zielen und ihren persönlichen Präferenzen anzupassen. Durch die Möglichkeit, bestimmte Unternehmensbeteiligungen auszuwählen, können Investoren ein Portfolio zusammenstellen, das genau ihrer Anlagestrategie entspricht.

Ein weiterer Vorteil von Co-Investments liegt in der schlanken Kostenstruktur. Durch den Wegfall eines Teils der Gebühren, die bei traditionellen Fondsstrukturen anfallen, können Anleger einen direkteren und kosteneffizienteren Investitionsprozess umsetzen. Investiert ein Anleger parallel zu einem Fondsmanager statt über dessen Fonds in das Unternehmen, spart er sich Managementgebühren und mögliche erfolgsabhängige Vergütungen. Dadurch verbleibt ein größerer Teil der Investitionserträge beim Anleger, was die Gesamtrentabilität der Investition erhöht.

Co-Investments bergen jedoch auch einige Nachteile, die Anleger berücksichtigen sollten. Ein wichtiger Faktor ist das Klumpenrisiko. Die Möglichkeit, bestimmte Projekte auszuwählen, bietet zwar ein gewisses Maß an Kontrolle, birgt aber auch das Risiko, dass ein erheblicher Teil des Kapitals an die Wertentwicklung einzelner Projekte oder Unternehmen gebunden ist. Dieses Konzentrationsrisiko muss von den Investoren sorgfältig bewertet und gesteuert werden, um ein ausgewogenes und widerstandsfähiges Portfolio aufzubauen. Eine Investition in einen Private-Equity-Fonds bringt dagegen automatisch eine gewisse Diversifikation mit sich. Zudem haben Private-Equity-Manager in der Regel jahrzehntelange Erfahrung in der Auswahl und Weiterentwicklung von Unternehmen. Auf deren Expertise bei der Zusammenstellung eines Portfolios zu verzichten, kann also riskant sein.

Co-Investments erfordern in einigen Fällen auch ein gewisses operatives Engagement. In der Praxis bedeutet dies, dass die Investoren Ressourcen für die Due Diligence, das laufende Monitoring und gegebenenfalls die operative Unterstützung ausgewählter Projekte bereitstellen müssen. Dieses operative Engagement stellt eine Abkehr vom eher passiven Charakter traditioneller Fondsinvestitionen dar und erfordert die Bereitschaft der Investoren, eine aktivere Rolle bei der Planung ihrer Investitionen zu übernehmen.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Anleger: Co-Investments bieten Anlegern die einzigartige Möglichkeit, über die traditionellen Grenzen von Private-Equity-Fonds hinauszugehen. Sie ermöglichen einen aktiveren und direkteren Ansatz, erfordern aber auch ein differenziertes Verständnis der damit verbundenen Risiken. Durch den strategischen Einsatz von Co-Investments neben traditionellen Fondsanlagen können Smart-Money-Investoren wie Family Offices ein abgerundetes Private-Equity-Portfolio aufbauen, das ihren spezifischen Anlagezielen und ihrer Risikotoleranz entspricht.