Anlageklassen

Märkte: Kursrally setzt sich auch im Dezember fort

Januar 2024

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sinkenden Inflationsraten und eine weniger restriktive Zentralbankpolitik sorgten im Dezember dafür, dass sich die Kursrally aus dem Vormonat fortsetzte.
  • Besonders Anleihen konnten in den letzten Wochen des Jahres einen Großteil ihrer Kursgewinne einfahren. Für das kommende Jahr sehen wir für diese Anlageklasse ein deutlich verbessertes Performance-Potenzial.
  • Die gestiegenen Aktienkurse gingen dagegen zuletzt auch mit gestiegenen Bewertungen einher. Mit Blick auf die schwächeren Wachstumsprognosen könnten Aktien nach einer zuletzt sehr guten Entwicklung kurzfristig auch wieder etwas Gegenwind erfahren. 

Im Dezember konnten die Märkte ihre Rally aus dem Vormonat fortsetzen. Die Aussicht auf ein Ende der Leitzinssenkungen und mögliche Zinssenkungen in 2024 sorgten für deutliche Kursgewinne bei Aktien und Anleihen. Allein in den letzten beiden Monaten des Jahres brachten globale Aktien einem Euro-Anleger 9,2 Prozent Rendite (MSCI ACWI Net TR). Bei globalen Anleihen summierten sich die Kursgewinne auf 6,5 Prozent (Bloomberg Global Agg Eur-Hedged).

Demgegenüber steht ein Absturz der Renditen von Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen hatte im Oktober noch an der 5-Prozent-Hürde gekratzt und fiel bis Ende des Jahres um fast 25 Prozent auf 3,8 Prozent. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den Renditen 10-jähriger Bundesanleihen aus, die von ihrem Hoch bei nahezu 3 Prozent im Oktober um mehr als ein Drittel auf 1,9 Prozent fielen.

Durch die Entwicklung der letzten beiden Monate endete das Börsenjahr 2023 für Anleger mit einem sehr guten Ergebnis. Das Comeback der Märkte gelang auf breiter Front, wobei sich das Bild aus dem Vorjahr umdrehte. Während in 2022 einzig Rohstoffe ein positives Ergebnis brachten, stand zum Jahresende 2023 vor allen Anlageklassen außer vor Rohstoffen ein positives Vorzeichen (s. Abb. 1).

Quelle: LIQID, Bloomberg. Gesamtrendite in Euro und Prozent. Aktien USA: MSCI USA Net TR, Aktien Europa: MSCI Europe Net TR, Aktien Schwellenländer: MSCI EM Net TR, Aktien Japan: MSCI Japan Net TR. Aktien Pazifik: MSCI Pacific ex Japan Net TR, Euro-Staatsanleihen: Bloomberg Euro Govt 1-10 Yr Bond Index, Unternehmensanleihen IG: Bloomberg Global Aggregate - Corporate Index, Hochzinsanleihen: Bloomberg Global High Yield Index, Schwellenländeranleihen: J.P. Morgan Emerging Markets Bond Global Core Index, Inflationsindexierte Anleihen: Bloomberg Global Inflation-Linked 1-10yrs TR Index EUR-Hedged, Gold: LBMA Gold Price, Rohstoffe: Bloomberg Commodity TR index. Zeitraum Dezember: 30.11.2023 - 31.12.2023, Zeitraum YTD: 31.12.2022 - 31.12.2023.

Anleihen: Viel Potenzial für eine bessere Performance im neuen Jahr

Die Anleihenmärkte mussten 2023 den heftigsten Zinserhöhungszyklus seit den 1980er-Jahren verdauen. Glücklicherweise lagen die Ablaufrenditen nach den Kursverlusten im Vorjahr bereits auf einem erhöhten Niveau, wodurch Anleihen das Jahr 2023 ohne weitere Kursverluste überstanden. Dazu trug allerdings maßgeblich die Entwicklung in den letzten Wochen des Jahres bei. Denn Mitte Oktober – als die Renditen sich Ihren Rekordhochs näherten – lag das Jahresergebnis bei Euro-Staatsanleihen bei lediglich 0,7 Prozent. Global Unternehmensanleihen lagen zu diesem Zeitpunkt auf Jahressicht sogar bei einer negative Wertentwicklung von -2,7 Prozent. So hatte die hartnäckige Inflation in Kombination mit der überraschend guten Konjunktur dazu geführt, dass die Leitzinsen stärker erhöht wurden als zu Beginn des Jahres noch angenommen worden war. Das Narrativ „höher für länger" hätte ohne die Gegenbewegung in den letzten beiden Monaten des Jahres dazu geführt, dass globale Anleihen ihren Anlegern ein zweites Jahr in Folge ein negatives Ergebnis eingebracht hätten.

Quelle: LIQID, Bloomberg. Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen sowie 10-jähriger US-Staatsanleihen in Prozent. Zeitraum: 31.12.2022 – 31.12.2023.

Im letzten Quartal des Jahres kam es schließlich zur Trendwende. Die sinkenden Inflationsraten und der Verzicht der Zentralbanken in den USA und der Eurozone auf weitere Zinserhöhungen haben zu deutlich sinkenden Renditen geführt (s. Abb. 2). Für die Anleihenkurse bedeutete dies Auftrieb, sodass Anleihen das Jahr 2023 auf breiter Front im Plus beenden konnten. 

Für das kommende Jahr hat sich die Aussicht auf eine gute Entwicklung der Anleihenmärkte nochmals verbessert. Maßgeblich dafür ist nach unserer Einschätzung vor allem die Tatsache, dass die Zinsentwicklung ihren Höhepunkt erreicht hat. Wir erwarten für 2024 keine weiteren Zinsschritte der großen Zentralbanken mehr. Im Gegenteil dürften die Notenbanken erste, vorsichtige Zinssenkungen in Erwägung ziehen. Den zweiten Grund für eine positive Entwicklung sehen wir in einer Normalisierung der Zinsstrukturkurven. Während diese im letzten Jahr invers verliefen – was bedeutet, dass die Renditen für längere Laufzeiten unter denen für kurze Laufzeiten liegen – erwarten wir 2024 eine Normalisierung, wodurch Laufzeitrisiken wieder mit einer Prämie vergütet werden. Für Anleger sollte der Fokus vom Zinsänderungsrisiko auf das Kreditrisiko wechseln.

Aktien: Gutes Ergebnis bei sehr geringer Marktbreite

Das Börsenjahr 2023 war turbulent und von einigen Überraschungen geprägt. Für Anleger endet das Jahr insgesamt mit einem sehr erfreulichen Ergebnis. Die Aktienmärkte waren nach Verlusten in 2022 unerwartet fulminant in das Jahr 2023 gestartet, was durch positive Überraschungen bei Konjunkturdaten und Gewinnmeldungen der Unternehmen gestützt wurde. Anschließend trug unter anderem der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI) dazu bei, dass die Kurse von US-Technologiewerten mit hoher Marktkapitalisierung im ersten Halbjahr weiter stiegen. Nachdem sich Aktien im dritten Quartal eher seitwärts bewegt hatten, kam es ab November zu einer Rally auf breiter Front. Sinkende Inflationsraten und die Aussicht auf Leitzinssenkungen im neuen Jahr sorgten im Schlussquartal für deutliche Kurszuwächse bei Aktien in allen Regionen.

Quelle: LIQID, Bloomberg. Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis geschätzter Unternehmensgewinne für die nächsten 12 Monate. Zeitraum: seit Verfügbarkeit, 31.03.2006 – 31.12.2023.

Erwähnenswert ist sicherlich, dass die jüngste Kursrally auch stark bewertungsgetrieben war (s. Abb. 3). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis stieg für europäische Aktien von 12x auf 13,7x (Stoxx 600 Index) und für US-Aktien von 19x auf 22,1x (S&P 500 Index). Maßgeblich waren auch durch die starken Zuflüsse in Fonds in Folge niedrigerer Volatilität und der Euphorie um das Thema „Künstliche Intelligenz”. Eine weitere Tatsache, die erwähnt werden sollte, ist die geringe Marktbreite in 2023. Wie eine Analyse von HQ Trust zeigt, waren 2023 allein sieben Aktien,  die als „Magnificent 7” bezeichnet werden, für 44 Prozent der Performance des globalen Aktienmarktes verantwortlich.

Für 2024 rechnen wir damit, dass die negative Gravitationskraft, die von den gestiegenen Zinsen ausgeht, die Aktienmarktentwicklung auch im kommenden Jahr entscheidend beeinflussen wird. Die nach wie vor hohen, aber nicht mehr steigenden Zinsen und die langsam sinkende Inflation dürften das Wirtschaftswachstum weiter bremsen. Dieses Szenario könnte in der kurzen Frist für Gegenwind bei Aktien sorgen. Angesichts der rückläufigen Inflation, des sinkenden Wirtschaftswachstums und des durch Lieferengpässe verursachten Nachfragerückgangs wird es 2024 schwieriger werden, Gewinnwachstum zu erzielen. Unternehmen, die trotz dieser Widrigkeiten Umsatz- und Ertragswachstum erwirtschaften können, winken dagegen potenziell Aktienkursgewinne.

Was heißt das für Anleger?

Die Märkte haben Comeback erlebt und Anleger konnten sich nach einem schwachen Vorjahr über ein gutes Jahresergebnis in 2023 freuen. Für 2024 rechnen wir damit, dass sich der Fokus der Anleger von Inflations- auf Wachstumssorgen verlagert. Zudem könnten geopolitische Spannungen sowie anstehende Wahlen für Unsicherheit an den Märkten sorgen. Für Anleger ist es daher umso wichtiger, systematisch diversifiziert zu investieren. Unsere Annahmen für die Konjunktur sowie die Chancen und Herausforderungen einzelner Anlageklassen haben wir in unserem Ausblick 2024 für Sie zusammengefasst.