Strategie-Update 2026: Wie wir unsere Portfolios für die kommenden Monate ausrichten

Eine erfolgreiche Vermögensanlage ist undenkbar ohne eine systematische Grundlage. Diese bildet die strategische Asset Allokation – kurz SAA. Sie ist das Rückgrat eines Multi-Asset-Portfolios und ein entscheidender Treiber langfristiger Rendite.
Die SAA basiert auf den langfristigen Kapitalmarktannahmen von LIQID und unserer Partnerin, der LGT Bank. Einmal jährlich prüfen wir, ob die Annahmen zu Renditen, Risiken und Korrelationen der einzelnen Anlageklassen noch der aktuellen Marktlage entsprechen. Wo nötig, passen wir die strategische Aufteilung an.
Für 2026 nehmen wir in den Multi-Asset-Strategien LIQID Global, LIQID Global Future und LIQID Select eine Reihe gezielter Umschichtungen vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Liquiditätsquote wird erhöht, Euro-Staatsanleihen entsprechend reduziert. In einem Umfeld niedriger Laufzeitprämien und erhöhter Zinsvolatilität gewinnen wir damit an Flexibilität, ohne nennenswert auf Rendite zu verzichten.
- Innerhalb der Aktienallokation gewichten wir Großbritannien und Schwellenländer stärker, Japan und den Euroraum schwächer. Die USA werden leicht aufgestockt, um eine global ausgewogenere Positionierung zu erreichen.
- Bei den alternativen Anlagen reduzieren wir Hedgefonds zugunsten von Gold, das wir in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Risiken als den wirksameren Diversifikator einschätzen.
- Schwellenländer-Anleihen sichern wir künftig nicht mehr in US-Dollar, sondern in Euro ab. Damit reduzieren wir die Abhängigkeit des Portfolios vom US-Dollar.
Unser Blick auf die Märkte
Das Marktumfeld hat sich in den vergangenen Monaten merklich verschoben. Der Krieg im Iran und die seither anhaltende Schließung der Straße von Hormus haben einen Energiepreisschock ausgelöst. Der Inflationsdruck steigt weltweit wieder, der Spielraum der Notenbanken verengt sich entsprechend.
Konsum, Arbeitsmarkt und Unternehmensgewinne zeigen sich in den großen Volkswirtschaften bislang erstaunlich robust. Doch das makroökonomische Bild verändert sich: hin zu höherem Preisdruck und verhaltenerem Wachstum.
Über den kurzfristigen Ausblick hinaus sehen wir hierin eine Bestätigung mehrerer struktureller Themen, die wir seit längerem beobachten. Die hohe Staatsverschuldung vieler Industrienationen macht das lange Ende der Zinskurve anfällig – für haushaltspolitische Entwicklungen ebenso wie für politische Unsicherheiten. Entsprechend dünn fällt die zusätzliche Vergütung aus, die Anleger heute für längere Laufzeiten erhalten. Geopolitische Spannungen – die Kriege in der Ukraine und im Iran sowie die Neuordnung der Handelsbeziehungen zwischen den großen Wirtschaftsblöcken – bleiben ein relevanter Faktor. Sie schlagen sich in häufigeren Energie- und Rohstoffpreisschocks nieder.
Am Aktienmarkt haben sich die Bewertungsunterschiede zwischen den Regionen merklich ausgeweitet. Britische Aktien und Schwellenländer sind im Vergleich deutlich günstiger bewertet, während andere Regionen – allen voran die USA – auf hohem Niveau liegen.
Von Aktien und Unternehmensanleihen erwarten wir heute etwas niedrigere Renditen als noch vor einem Jahr – im Wesentlichen eine Folge der deutlich gestiegenen Bewertungen. Liquidität und höherwertige Anleihen sind dagegen wieder zu einer ernstzunehmenden Renditequelle geworden. Gold profitiert aus unserer Sicht weiterhin von einem unterstützenden Umfeld.
Anleihen und Liquidität: Mehr Cash, weniger Duration
Die wichtigste Veränderung im Bereich der Anleihen ist die Erhöhung der Liquiditätsquote zulasten von Euro-Staatsanleihen. Im ausgewogenen LIQID Select 50 heben wir die Geldmarktquote beispielsweise von 2 auf 5 % an, während die Staatsanleihenquote um rund 3 Prozentpunkte sinkt. Vergleichbare Verschiebungen nehmen wir auch in den anderen Risikoprofilen vor.
Der Hintergrund: Hohe Staatsschulden treffen auf strukturell höhere Zinsen. In diesem Umfeld ist die Laufzeitprämie – also die zusätzliche Vergütung für längere Laufzeiten – aktuell sehr gering. Gleichzeitig sind die Anleihemärkte stärker als früher von fiskalischer Unsicherheit und Angebotsrisiken am langen Ende geprägt.
Unser Fazit: Eine höhere Liquiditätsreserve verbessert die Flexibilität des Portfolios – ohne auf nennenswerte Renditeerwartung zu verzichten. Cash wird im aktuellen Umfeld ordentlich verzinst, und der Renditeunterschied zu Staatsanleihen rechtfertigt aus unserer Sicht nicht das zusätzliche Risiko.
Eine weitere Anpassung betrifft die Schwellenländer-Anleihen. Bislang war mit dieser Position ein Währungsrisiko in US-Dollar verbunden. Künftig sichern wir sie in Euro ab. Die Kreditprämie aus Schwellenländer-Anleihen bleibt erhalten, die Dollar-Konzentration im Portfolio wird reduziert.
Aktien: Mehr Großbritannien und Schwellenländer, weniger Japan und Kontinentaleuropa
Im Aktiensegment passen wir die regionale Aufteilung an. Britische Aktien und Schwellenländer werden stärker gewichtet, Japan sowie Europa (ohne Großbritannien und die Schweiz) entsprechend reduziert. In LIQID Select 50 fließen beispielsweise rund 3,8 Prozentpunkte aus Japan und 2 Prozentpunkte aus dem Euroraum in andere Regionen. Großbritannien gewinnt 0,7 Prozentpunkte, die Schwellenländer 1,8 Prozentpunkte.
Für Großbritannien sprechen zwei Argumente: Britische Large Caps notieren trotz jüngster Aufholbewegungen mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber globalen Vergleichsmärkten. Gleichzeitig schütten britische Unternehmen überdurchschnittlich hohe Dividenden aus und sind breiter über verschiedene Branchen gestreut – mit einem hohen Anteil global aufgestellter Konzerne. Die Schwellenländer profitieren von niedrigeren Bewertungen, einer starken Beteiligung am globalen Technologie- und Investitionswachstum sowie von robuster Binnennachfrage und Reformfortschritten in mehreren Schlüsselländern.
Für den japanischen Markt sind wir vorsichtiger gestimmt, da einige der Faktoren, die japanische Aktien in den vergangenen Jahren unterstützt haben, an Dynamik verlieren. Insbesondere die Normalisierung der Geldpolitik und die Aussicht auf einen stärkeren Yen könnten den Rückenwind für exportorientierte Unternehmen abschwächen und damit das weitere Aufwärtspotenzial begrenzen.
Der Euroraum bleibt von moderatem Wachstum und demografischen Belastungen geprägt. Die langfristigen Risikoprämien fallen weniger attraktiv aus.
Die leichte Aufstockung der US-Aktien sowie die geringfügige Reduktion der Schweizer Aktien sind kein Ausdruck veränderter Markterwartungen, sondern eine Rebalancierung. Die US-Quote war zuletzt im Vergleich zum globalen Marktportfolio untergewichtet. Mit der neuen SAA rücken wir wieder näher an eine global neutrale Positionierung heran.
Alternative Anlagen: Gold gewinnt an Bedeutung
Im Bereich der alternativen Anlagen reduzieren wir breit aufgestellte Hedgefonds-Positionen um einen Prozentpunkt – zugunsten von Gold.
Gold gewinnt aus unserer Sicht weiter an Bedeutung. Das Umfeld ist geprägt von größerer makroökonomischer Unsicherheit, häufigeren Schocks und weniger verlässlichen Zusammenhängen zwischen den Anlageklassen. Mehrere langfristige Treiber sprechen dafür: Notenbanken kaufen vor dem Hintergrund einer zunehmend fragmentierten geopolitischen Ordnung weiterhin Gold zu. Energie- und Rohstoffpreisschocks, wie zuletzt im Zuge des Iran-Konflikts, treten häufiger auf. Und der anhaltende fiskalische Druck kann mittelfristig auf dem US-Dollar lasten.
Was bedeutet das für Anleger?
Mit der überarbeiteten SAA gehen wir robust in die kommenden Monate. Konkret bedeutet das: mehr Liquidität, um auf Marktentwicklungen reagieren zu können, eine regional ausgewogenere Aktienquote mit klaren Bewertungsschwerpunkten und alternative Anlagen, die gezielter auf Diversifikation und Absicherung ausgerichtet sind.
