Aktives Management

Taktische Positionierung: Wir bleiben neutral

LIQID Smart Letter

Oktober 2023

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das makroökonomische Bild ist derzeit schwer einzuschätzen. Konjunkturdaten haben zuletzt nach nach oben (USA) oder nach unten (Eurozone) überrascht, während die Zentralbanken mit ihren Entscheidungen und Kommentaren zu den Finanzmärkten für Unruhe sorgten. 
  • Da unsere strategische Vermögensallokation sich in Zeiten großer Unsicherheit als robust erweist, halten wir an einer „neutralen“ anlageübergreifenden Sichtweise fest.
  • Auf Ebene der Anlageklassen gehen wir daher keine taktische Positionierung ein. Innerhalb der Anleihen bestätigen wir unser „Übergewicht“ in Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen.

Die Unsicherheit auf der makroökonomischen Seite hat ein Rekordniveau erreicht. Die wirtschaftlichen Überraschungen, sowohl nach oben als auch nach unten, sind so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr – zumindest, wenn wir den Zeitraum der Corona-Pandemie ausklammern. Darüber hinaus sind auch die Maßnahmen der Zentralbanken unberechenbar, wie die letzten Zinsentscheide gezeigt haben. In diesem Umfeld bevorzugen wir weiterhin unser robustes Multi-Asset-Portfolio und bewerten alle wichtigen Anlageklassen (Aktien, Anleihen, alternative Anlagen und Liquidität) neutral. Wir finden jedoch, dass Staatsanleihen immer attraktiver werden und bestätigen unser „Übergewicht“ innerhalb der Anlageklasse Anleihen, während wir uns von den risikoreicheren Hochzinsanleihen zurückziehen. 

Abb. 1: Anlageaufteilung LIQID Select 50 

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Quelle: LIQID. Die Abbildung zeigt die Aufteilung eines ausgewogenen LIQID-Select-50-Portfolios zum 30. September 2023. Auf Ebene der Anlageklassen Aktien und Anleihen gehen wir keine Über- oder Untergewichte ein. Geringfügige Abweichungen gegenüber der SAA (Abb. 2) ergeben sich aus Kursbewegungen.

Abb. 2: Strategische Anlageaufteilung

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Quelle: LIQID. Die Aufteilung zeigt die langfristige strategische Asset Allokation (SAA). Auf Ebene der Anlageklassen Aktien und Anleihen sind wir derzeit neutral positioniert. Abweichungen zur SAA sind wir aktuell lediglich innerhalb der Anlageklasse Anleihen eingegangen.

Taktische Positionierung

Unser Investment-Team hat die ausgewogene Positionierung zwischen Aktien und Anleihen vor dem Hintergrund einer anhaltend hohen Inflation und stagnierender Wachstumsraten neu überdacht. Angesichts des möglichen Abgleitens der Euro-Wirtschaft in eine Stagflation bleibt diese Aufteilung eine Herausforderung. Die aktuellen US-Indikatoren deuten auf ein stabiles Umfeld hin, wenngleich mit einer leichten Abschwächung zu rechnen ist. Verschiedene Modelle, die maßgeblich von der derzeitigen Dynamik und den Marktbedingungen beeinflusst werden, sprechen aus unserer Sicht für eine neutrale Positionierung in beiden Anlageklassen. Wir lassen daher die taktische Positionierung gegenüber dem Vormonat unverändert.

 

Aktien: Makroökonomische Unsicherheiten rechtfertigen keine Positionierung

Nachdem der US-Aktienmarkt trotz steigender Zinsen deutlich zugelegt hat, scheint die Wall Street nun sehr sensitiv auf Veränderungen der Zinserwartungen zu reagieren. Diese wiederum hängen von der US-Wirtschaftsdynamik ab. Was der US-Aktienmarkt braucht, wäre eine geordnete konjunkturelle Abkühlung zum Jahresende, die die Zinserwartungen zu reduzieren vermag, ohne dabei Rezessionsängste zu schüren. Ein Balanceakt mit schwer prognostizierbarem Ausgang, der uns an einer neutralen Einstufung festhalten lässt.

 

Anleihen: Fokus auf Investment Grade

Im Anleihenbereich bevorzugen wir weiterhin Staats- und Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Segment, während wir bei Hochzinsanleihen aufgrund der nicht nachhaltig tiefen Kreditrisikoprämie zurückhaltend bleiben. Da die Zinskurve nach wie vor invers ist (was bedeutet, dass kürzere Laufzeiten höhere Verzinsungen bieten als längere), investieren wir Unternehmensanleihen verstärkt mit kurzer Laufzeit. Bei Staatsanleihen bevorzugen wir tendenziell längere Laufzeiten aufgrund der deutlich gestiegenen Realverzinsung.

Angesichts der hohen Unsicherheit am Markt könnte Gold als wünschenswertes „Übergewicht“ angesehen werden. Da die Realzinsen jedoch steigen, entsteht auch Gegenwind für das Edelmetall, denn auch Anleihen bieten attraktive Renditen. Wir ziehen es daher vor, unsere Allokation „neutral“ zu halten. 

Abb. 4: Taktische Positionierung am Beispiel von LIQID Select 50

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Quelle: LIQID. Stand: 30. September 2023.

Was heißt das für LIQID Select?

Zwar steigt die Rezessionswahrscheinlichkeit unseres Erachtens vor allem 2024 leicht an, das tatsächliche Wirtschaftswachstum könnte sich aber lediglich abflachen. Das aktuelle Marktumfeld bleibt jedenfalls angespannt.

Wir bereiten uns auf beide Szenarien vor – sowohl auf eine mögliche Rezession als auch auf ein „Goldilocks-Szenarios“, welches die perfekte Mitte darstellt. Gemeint ist eine Situation, in der das Wachstum der Weltwirtschaft weder zu hoch noch zu niedrig ist. Ein breit diversifizierter und umfassender Investitionsansatz in unserem Portfoliomanagement ist dabei unsere Strategie, um unvorhergesehene und externe Risiken abzufedern, ohne auf potenzielle Gewinne zu verzichten.