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Makro: Entwicklungen am G20-Gipfel

Oktober 2023

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am zweitägigen Gipfeltreffen trafen sich Anfang September die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Neu-Delhi.
  • Gescheitert wäre der Gipfel beinahe am Streit darüber, wie mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine in der Abschlusserklärung umgegangen werden soll.
  • Wichtigstes Ergebnis war aber die Erweiterung der G20 um die Afrikanische Union, die in die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer aufgenommen wurde. Das verschafft Schwellenländern mehr Einfluss, könnte aber in Zukunft zu härteren Verhandlungen führen.

Am jüngsten G20-Gipfel in Delhi wurden unter Indiens Führung bedeutende Schritte unternommen, um die Kluft zwischen den einzelnen Nationen zu überbrücken. Das gelang trotz der offensichtlichen Spaltung, die durch die Abwesenheit von Schlüsselfiguren wie Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping deutlich wurde.

Ein wichtiger Meilenstein war die Einigung auf die Aufnahme der Afrikanischen Union als ständiges Mitglied der G20, ein Schritt, der von Indien nachdrücklich befürwortet und von mehreren Ländern wie Brasilien, Japan und den USA unterstützt wurde. Die Erweiterung der G20 spiegelt den Wunsch, ein breiteres Spektrum globaler Interessen zu vertreten und die Standpunkte sowohl der Industrienationen, die durch G7 repräsentiert werden, als auch der Schwellenländer, die durch die BRICS-Staatengruppe repräsentiert werden, einzubeziehen.

 

Erweiterung der G20 ebnet Weg für Reformen

Der Beitritt der Afrikanischen Union in die G20 wird jedoch auch zu neuen Herausforderungen führen, da es schwieriger werden dürfte, in strittigen Fragen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Gleichzeitig ist der Schritt ein Zeichen dafür, dass die Schwellenländer mehr Gehör finden - eine Veränderung, die grundsätzlich als positiv angesehen wird. Dies könnte den Weg für notwendige Reformen in bedeutenden Finanzinstitutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ebnen, was möglicherweise zu einer gerechteren globalen Kreditvergabepraxis führen und Ländern in Schuldenkrisen helfen könnte.

Der indische Premierminister Narendra Modi spielte zudem eine zentrale Rolle bei der Ausarbeitung einer Erklärung, die die Not der Menschen in der Ukraine anerkannt hat, gleichzeitig aber eine direkte Kritik an Russland sorgfältig vermied. Durch das nuancierte Vorgehen wurde eine ausgewogene Sichtweise angestrebt, bei der verschiedene Perspektiven berücksichtigt wurden, indem der Fokus auf die kritische Situation gelegt wurde, ohne einen Mitgliedsstaat zu vergraulen.

Abb. 1: Bruttoinlandsprodukt der G20 je Einwohner:in nach Kaufkraftparität

G20_GDP
Quelle: LIQID, Destatis. 2023.

G21 könnte an Glaubwürdigkeit gewinnen

Obwohl die Ukraine und Oxfam kritisierten, dass einige wichtige Themen nicht direkt angesprochen wurden, gelang es am Gipfeltreffen, Pläne für eine bessere finanzielle Zusammenarbeit im kommenden Jahrzehnt zu skizzieren. Während Indien sich darauf vorbereitet, den Vorsitz an den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva weiterzugeben, wachsen die Erwartungen an eine G21, die inklusiver, aber möglicherweise auch komplexer ist. So könnte ein breiteres Spektrum an Strategien helfen, globale Probleme glaubwürdig anzugehen, selbst wenn die Ausgangslage anspruchsvoller wird.

Auf der Weltbühne ist zudem ein deutlicher Trend zur Bildung von Bündnissen zu beobachten, die jeweils ihre eigenen Interessen verfolgen. Dies deutet darauf hin, dass wir uns auf eine dynamische, aber möglicherweise fragmentierte Zukunft zubewegen, in der verschiedene Allianzen spezifische Ziele anstreben. Dabei versuchen sie, unterschiedliche globale Perspektiven zu vereinen, während sie sich in der komplexen Welt der internationalen Beziehungen zurechtfinden müssen.

Was bedeutet das für die Märkte?

Die G20 repräsentieren 62 Prozent der Weltbevölkerung, erbringen 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und sind für 81 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Mit der Aufnahme der Afrikanischen Union wird der wachsenden Bedeutung des Kontinents in der Weltpolitik Rechnung getragen, auf dem immerhin mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung leben. Die Erweiterung des Blocks könnte Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Investitionen eröffnen. Damit ebnet sie einen Weg zu einer inklusiveren, aber auch komplexeren Zukunft.