Private Markets

Öffentlich vs. Privat: Was unterscheidet Listed Private Equity von traditionellen Private-Equity-Investitionen?

Januar 2024

Das Wichtigste in Kürze:

  • Listed Private Equity verspricht den Zugang zu den historisch herausragenden Renditen der Anlageklasse Private Equity.
  • Anleger sollten sich der Unterschiede zu einer klassischen Investition in einen Private-Equity-Fonds bewusst sein.
  • Während die hohe Liquidität von Listed Private Equity einen Vorteil darstellt, müssen Anleger dafür auf einen signifikanten Teil der Rendite verzichten.

Listed Private Equity wird immer öfter als Alternative zu einer klassischen Investition in die Anlageklasse Private Equity angepriesen. Einfach zugänglich verspricht Listed Private Equity eine Rendite, die auf den ersten Blick mit den historisch hohen Renditen der Anlageklasse mithalten sollen könnte. Doch was versteht man eigentlich unter Listed Private Equity, wie unterscheidet sich Listed Private Equity von der Investition in einen klassischen Private-Equity-Fonds und was sind Vor- und Nachteile der Strategie? Auf diese Fragen möchten wir Ihnen in diesem Artikel Antworten geben.

Was versteht man unter Listed Private Equity?

Unter Listed Private Equity versteht man den Erwerb von Anteilen an einer börsennotierten Private-Equity-Gesellschaft. Das Kapital des Investors wird also nicht für direkte Investitionen in Portfoliounternehmen verwendet, sondern fließt dem Private-Equity-Manager selbst zu. Die Rendite der Anteilseigner basiert somit nicht direkt auf der Wertsteigerung, die der Manager in seinen Portfoliounternehmen erzielen kann, sondern auf dem Gewinn, den der Manager selbst erwirtschaftet. Prominente Beispiele für börsennotierte Private-Equity-Manager sind KKR, Blackstone, EQT und Apollo.

Welche Vor- und Nachteile bietet Listed Private Equity?

Da es sich bei Listed Private Equity um einen herkömmlichen Aktienerwerb handelt, bietet diese Anlageform ein hohes Maß an Liquidität. Während eine Investition in einen Private-Equity-Dachfonds eine mehrjährige Kapitalbindung mit sich bringt, können Aktien täglich an der Börse gehandelt werden. Die Illiquidität von traditionellem Private Equity hat aber auch enorme Vorteile: Die Manager halten ihre Portfoliounternehmen über mehrere Jahre, um Zeit zu haben, diese aktiv und effektiv weiterzuentwickeln. Die Illiquidität ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von Private Equity und ermöglicht erst das Potenzial für historisch deutlich höhere Renditen als am Aktienmarkt.

Der Hauptunterschied zwischen Listed Private Equity und “echtem” Private Equity ist die Herkunft der Erträge: Die Gewinne von Listed-Private Equity-Gesellschaften stammen aus den Erträgen des Managers. Diese setzen sich zum einen aus Managementgebühren und zum anderen aus dem sogenannten Carried Interest (Carry), also der Erfolgsbeteiligung zusammen. Managementgebühren sind die Gebühren, die der Private-Equity-Manager für die tägliche Arbeit mit den Portfoliounternehmen von der Investition bis zum Verkauf verlangt. Sie belaufen sich meist auf 1,5 bis 2,0 Prozent des investierten Kapitals pro Jahr. Damit stellen die Managementgebühren eine sehr sichere, aber volumenmäßig eher kleine Einnahmequelle dar. Darüber hinaus werden alle Gewinne, die eine bestimmte Vorzugsrendite (die sogenannte Hurdle Rate) übersteigen, zwischen den Anlegern und dem Manager geteilt. Nach Erreichen dieser Hurdle Rate (oft um die acht Prozent) erhält der Manager einen Carried Interest. Das bedeutet, dass bei einem Carried Interest von 20 Prozent die Gewinne, die über die acht Prozent hinausgehen, zu 80 Prozent an die Investoren fließen und die restlichen 20 Prozent beim PE-Manager verbleiben. Der Manager erhält also nur 20 Prozent aller Gewinne oberhalb der Hurdle Rate, die Kommanditisten erhalten 80 Prozent.

Hinweis: Die Darstellung ist indikativ und dient lediglich zur Illustration

Diese Tatsache macht deutlich, wie die Ansprüche der Aktionäre einer Private-Equity-Gesellschaft denen der direkten Private-Equity-Investoren nachrangig sind. Hinzu kommt, dass der Manager seine operativen Kosten aus der Managementgebühr und dem Carried Interest decken muss. Ein großer Teil davon sind die Gehälter der Belegschaft. Diese müssen mit denen der nicht-börslich gelisteten Private-Equity-Managern mithalten, die 100 Prozent ihrer Gewinne an ihre Mitarbeiter ausschütten. Letztlich steht somit nur ein kleiner Teil der Gewinne des Fonds als Dividende für die Listed-Private-Equity-Aktionäre zur Verfügung. Dividenden sind daher nicht mit den Renditemöglichkeiten zu vergleichen, die ein Anleger in einem Private-Equity-Dachfonds hat.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Nachteil von Listed Private Equity liegt darin, dass es sich hierbei um eine Investition am öffentlichen Kapitalmarkt handelt. Listed Private Equity unterliegt einer hohen Korrelation zu anderen börsennotierten Unternehmen. Ein Investor, der eine systematische Diversifikation seines Portfolios anstrebt, profitiert daher nicht signifikant von einer Investition in Listed Private Equity. Anders verhält es sich bei einer Investition in einen Private-Equity-Dachfonds. Denn durch die Investition in nicht börsennotierte Unternehmen eröffnen Private-Equity-Manager den Anlegern einen weiteren Teil des Anlageuniversums. Eine Beimischung von traditionellem Private Equity trägt somit nachhaltig zur Verbesserung des Rendite-Risiko-Profils eines Portfolios bei.