Ende Mai ist es wieder soweit: Dann müssen diejenigen Steuerpflichtigen, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind, ihre Steuererklärung für das Jahr 2017 eingereicht haben. Ansonsten drohen unter Umständen Säumniszuschläge. Nur wer einen Steuerberater hinzuzieht, darf sich länger mit der Erklärung Zeit lassen. Zeit also, tätig zu werden.

Vor dem Gesetz ist jeder gleich, heißt es. Und das gilt natürlich auch bei der Steuer. Das deutsche Steuerrecht ist aber so umfassend und kompliziert, dass selbst Steuerbeamte manchmal den Durchblick verlieren. Oftmals sind Steuerbescheide fehlerhaft, nicht selten zu Lasten des Steuerpflichtigen. Steuerzahler, die sich auskennen, sind deshalb im Vorteil. Sie können Einspruch gegen ungerechtfertigte Forderungen des Finanzamtes einlegen. Zusätzlich können sie mit den richtigen – natürlich legalen – Tricks eine Menge Steuern sparen. Summit hat zehn Ratschläge für Sie zusammengetragen, mit denen Sie die Steuerlast senken können.

I. Abgeltungssteuer sparen

Viele Bürger vergessen, einen Freistellungsauftrag bei ihrer Bank oder ihrem Vermögensverwalter einzureichen und zahlen deshalb selbst auf Mini-Erträge bereits Abgeltungsteuer. Diese beträgt 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag) auf die Erträge. Dabei sind Zinseinkünfte, Dividenden und realisierte Kursgewinne bis zu 801 Euro (für Verheiratete 1.602 Euro) pro Jahr steuerfrei. Zu viel gezahlte Abgeltungsteuer können sich Bürger aber mit der Steuererklärung zurückholen.

Für Rentner gelten unter Umständen höhere Freibeträge. Häufig sind ihre gesamten Einkünfte im Ruhestand nämlich so niedrig, dass sie entweder gar keine Abgeltungssteuer oder zumindest weniger zahlen müssen. Liegt ihr persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 Prozent können sie die Günstigerprüfung für Kapitalerträge beantragen. Dann müssen sie Kapitalerträge nur mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Dieselbe Regelung gilt auch für Geringverdiener und Kinder.

II. Freibeträge nutzen

Als Angestellter können Sie Steuerfreibeträge bei Ihrem Finanzamt beantragen – zum Beispiel für den täglichen Arbeitsweg oder den Weg zu Kindergarten oder Schule, wenn Sie Ihre Kinder selbst dorthin bringen. Auf diese Weise erhöht sich direkt Ihr monatliches Nettoeinkommen und sie müssen nicht darauf warten, die Kosten mit der Steuererklärung abzurechnen. Freibeträge gibt es, sofern hierbei Kosten von mindestens 600 Euro im Jahr entstehen. Hier ein Überblick:

Werbungskosten: Für Arbeitswege können 30 Cent pro Kilometer einfache Entfernung, maximal 4.500 Euro im Jahr abgerechnet werden. Mit nachgewiesener Fahrleistung kann diese Grenze sogar überschritten werden.Zinseinkünfte, Dividenden und realisierte Kursgewinne sind bis zu 801 Euro - für Verheiratete 1.602 Euro - pro Jahr steuerfrei. Reisekosten können mit Pauschalen von 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer oder den vollen Kosten für öffentliche Verkehrsmittel abgerechnet werden. Auch können Verpflegungspauschalen zwischen 8 und 24 Euro (je nach Länge der Abwesenheit) geltend gemacht werden. Für Arbeitsmittel können bis zu einem Betrag von 952 Euro die vollen Anschaffungskosten geltend gemacht werden. Liegt der Betrag höher, wird er über die Jahre der Nutzung abgeschrieben. Hier können Ausgaben bis zu 1.250 Euro im Jahr, in bestimmten Fällen auch unbegrenzt abgerechnet werden.

Sonderausgaben: Unterhalt für den Ex-Lebenspartner können mit bis zu 13.805 Euro geltend gemacht werden. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung des Ex. Die Kirchensteuer kann in tatsächlicher Höhe angesetzt werden. Ausbildungskosten können bis zu 6.000 Euro, Parteispenden mit bis zu 1.650 Euro geltend gemacht werden. Kinderbetreuungskosten für Kinder bis 14 Jahren können mit bis zu zwei Dritteln angesetzt werden. Der Höchstbetrag liegt aber bei 4.000 Euro im Jahr für Kindergarten oder Tagesmutter.

Außergewöhnliche Belastungen: Für Kinder über 18 Jahre, die in Ausbildung sind und auswärts wohnen, kann ein Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro unabhängig von deren Einkünften angesetzt werden. Für Angehörige, an die Unterhalt gezahlt wird, können bis zu 9.000 Euro zuzüglich Beiträgen für Kranken- und Pflegeversicherung des Empfängers geltend gemacht werden.

Darüber hinaus können für folgende Dinge Freibeträge beantragt werden, auch wenn die 600-Euro-Grenze noch nicht erreicht ist: Handwerker, Haushaltshilfen, Pflege- und Betreuungsdienste bis zu 16.000 Euro, bei Minijobbern bis zu 2.040 Euro; ein Behindertenpauschbetrag von bis zu 3.700 Euro, einen Hinterbliebenenpauschbetrag von 370 Euro; Verluste aus Vermietung in uneingeschränkter Höhe sowie einen Verlustvortrag aus früheren Jahren bis zu einer Million Euro.

III. Steuerklasse wechseln

Die Wahl der Steuerklasse kann für die Höhe des Nettoeinkommens eine Menge ausmachen. Deshalb sollte diese gelegentlich auf den Prüfstand gestellt werden, vor allem wenn sich die familiäre Situation ändert. Ein Wechsel der Steuerklasse ist kostenlos möglich.

Alleinstehende haben bei der Steuerklasse keine Wahl. Sie kommen automatisch in die Steuerklasse I. Alleinerziehende können von der Steuerklasse I in die Steuerklasse II wechseln. Dann wird direkt mit der Gehaltsabrechnung der steuermindernde Entlastungsbetrag berücksichtigt.

Von großer Bedeutung kann die Wahl der Steuerklasse auch für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner sein: Verdienen sie beide etwa gleich viel, eignet sich für beide die Lohnsteuerklasse IV. Verdient dagegen ein Partner deutlich mehr als der andere oder geht einer von beiden keiner Erwerbstätigkeit nach, ist es in der Regel für das Paar von Vorteil, wenn der Besserverdienende die Klasse III wählt und der andere die Klasse V.

Ich überlege
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Jahre anzulegen.

IV. Umzugskosten geltend machen

Arbeitnehmer, die wegen des Jobs umziehen, können einige Steuervorteile in Anspruch nehmen. So gut wie alle durch den Umzug entstandenen Kosten können steuerlich geltend gemacht werden. So erkennen die Finanzämter Fahrten zur Wohnungsbesichtigung, Kosten für Inserate und Makler und natürlich auch für den Möbeltransport sowie für Fahrten zwischen der alten und neuen Wohnung an. Auch Zahlungen, die geleistet werden, um einen Mietvertrag vorzeitig aufzulösen, werden anerkannt.

Wer dagegen aus privaten Gründen umzieht, bleibt auf einem Großteil der Kosten sitzen. Immerhin können aber die Kosten für den Möbeltransport als haushaltsnahe Dienstleistung geltend gemacht werden. Sind gesundheitliche Gründe für den Umzug ausschlaggebend, können die Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

V. Beiträge zur Riester- und Rürup-Rente geltend machen

Wer einen Vertrag zur Riester-Rente (offizieller Begriff: Förderrente) bespart, erhält jährliche Zulagen oder kann damit Steuern sparen. Wer mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens bespart, erhält eine jährliche staatliche Grundzulage von 154 Euro (ab 2018 sind es 175 Euro), pro Kind gibt es es nochmal 185 Euro extra. (für ab 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro). Insgesamt werden Einzahlungen bis zu 2.100 Euro jährlich gefördert. Denn bis zu dieser Grenze erkennt das Finanzamt Eigenbeiträge und Zulagen als Sonderausgaben an.

Werden die Einzahlungen in der Steuererklärung angegeben, prüft das Finanzamt automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die staatliche Zulage. Ist die Steuerersparnis höher, erhält der Steuerzahler die Differenz erstattet.

Anspruch auf Riester-Förderung haben sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beamte. Das Problem bei der Riester-Rente ist, dass die Renditen meist sehr niedrig sind, weil ein Großteil der Beiträge für die Absicherung des Kapitals verwendet wird und oft hohe Verwaltungsgebühren anfallen. Vor allem für Familien mit Kindern kann sie sich aber aufgrund der Förderung und der Steuervorteile lohnen.

Die Rürup-Rente (offizieller Begriff: Basisrente) eignet sich dagegen eher für Selbstständige, kann aber auch für Arbeitnehmer und Beamte interessant sein, um Steuern zu sparen. Denn für das Jahr 2017 dürfen 84 Prozent der Beiträge bis zu 23.362 Euro (Ehepaare das Doppelte) steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

VI. Doppelter Haushalt

Für die Wohnung am Zweitwohnsitz können maximal 1.000 Euro pro Monat abgerechnet werden. Wer an einem Ort lebt und an einem anderen Ort arbeitet und deshalb eine Zweitwohnung unterhält, kann das als doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen. Statt einer Zweitwohnung wird auch ein Hotelzimmer oder eine Pension anerkannt. Neben der Unterkunft selbst können auch Kosten für Wohnungssuche, Maklergebühren und Fahrtkosten mit dem Finanzamt abgerechnet werden.
Voraussetzung ist allerdings, dass der Nebenwohnsitz nicht zum Lebensmittelpunkt wird. Um dies zu dokumentieren, ist es vor allem für nicht Verheiratete wichtig, regelmäßige Heimfahrten für mindestens die Hälfte der Wochenende mit Rechnungen, Fahrpreisquittungen und ähnlichem zu dokumentieren. Für die Wohnung am Zweitwohnsitz können maximal 1.000 Euro pro Monat abgerechnet werden. Hinzu kommen Verpflegungspauschalen, Fahrtkosten, Umzugskosten sowie einmal pro Woche die Kosten für eine Heimfahrt.

VII. Anschaffungen vorverlegen

Haben oder werden Sie in diesem Jahr einen Bonus oder eine Abfindung erhalten, durch die Sie einen außergewöhnlich hohen Verdienst haben? Wenn Sie deshalb damit rechnen, dass Ihr Einkommen im Folgejahr deutlich niedriger ausfallen wird, lohnt es sich darüber nachzudenken, Anschaffungen, deren Kosten teilweise steuerlich geltend gemacht werden können, auf dieses Jahr vorzuziehen. Eine solche Anschaffung kann zum Beispiel eine Wohnung sein, die vermietet werden soll. Allerdings sollte der Schritt wohlüberlegt sein: Die Immobilienpreise sind bereits sehr hoch und die Mietrenditen entsprechend niedrig.

Auch muss beachtet werden, dass nur ein kleiner Teil der Anschaffungskosten im Jahr des Erwerbs als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden kann. In der Regel dürfen die Erwerbskosten nur mit zwei Prozent pro Jahr abgeschrieben werden.
Dafür darf der Vermieter den Erhaltungsaufwand für die Wohnung in Höhe von bis zu 15 Prozent des Kaufpreises sofort in vollem Umfang als Werbungskosten abziehen. Zum Erhaltungsaufwand zählen Maler- und Tapezierarbeiten oder die Erneuerung von Fußböden, Türen, Fenstern, Sanitär-, Heizungs- und Elektroanlagen. Beachten muss der Käufer, dass die Mieteinnahmen, die der Käufer im Jahr der Anschaffung erzielt, wiederum die Steuerlast erhöhen. Deshalb kann es in bestimmten Fällen möglicherweise sinnvoll sein, die Wohnung nach dem Erwerb erst zu sanieren und dann erst im kommenden Jahr zu vermieten. Die Sanierung darf den Wert der Wohnung allerdings nicht erheblich erhöhen. Sonst erkennt das Finanzamt die Kosten hierfür nicht als Werbungskosten im Jahr der Anschaffung an.

VIII. Was Ruheständler tun können

Ruheständler profitieren automatisch von verschiedenen Steuerfreibeträgen, wie zum Beispiel dem Renten- und dem Versorgungsfreibetrag. Darüber hinaus können Rentner aber auch selbst tätig werden, um ihre Steuerlast zu drücken. So können zum Beispiel Zuzahlungen für den Kuraufenthalt, die Brille, das Hörgerät oder den Zahnersatz steuerlich geltend gemacht werden, wenn damit die zumutbare Eigenbelastung überschritten wird.

Darüber hinaus können Rentner auch vom Altersentlastungsbetrag profitieren. Hierbei handelt es sich um einen Steuerfreibetrag für Nebeneinkünfte, für Rentner, die zu Beginn des Steuerjahres mindestens 64 Jahre alt waren. Dieser gilt außer für Kapitalerträge (hier nur auf Antrag im Rahmen der Steuererklärung) auch für Einkünfte aus Beschäftigung oder Mieteinkünfte.

IX. Freiwillige Steuererklärung abgeben

Angestellte Singles ohne weitere Einkünfte oder Paare mit der Steuerklasse 4/4 brauchen meist keine Einkommensteuererklärung abzugeben. Sie können jedoch freiwillig eine Erklärung beim Finanzamt einreichen. Eine freiwillig Erklärung empfiehlt sich, da in den meisten Fällen mit einer Steuererstattung gerechnet werden kann. Das empfiehlt sich, da in den meisten Fällen mit einer Steuererstattung gerechnet werden kann. In besonderem Maße gilt das für Personen, die nur für einen begrenzten Zeitraum im Jahr 2017 Arbeitsentgelt erhalten haben, wie zum Beispiel Studenten oder Gelegenheitsjobber.

Wer 2017 insgesamt ein Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.820 Euro erzielt hat, erhält durch eine Steuererklärung jeden Cent, den er an Steuern bezahlt hat zurück. Auch wird ihm gegebenenfalls gezahlte Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge erstattet. Laut der Stiftung Warentest erhalten Personen, die freiwillig eine Steuererklärung abgeben, im Durchschnitt 900 Euro vom Finanzamt zurück. Für die freiwillige Steuererklärung haben Steuerzahler vier Jahre Zeit.

X. Steuerbescheid prüfen

Finanzbeamte sind oft überlastet. Deshalb sind die Steuerbescheide manchmal fehlerhaft. Steuerpflichtige sollten den Bescheid deshalb genau prüfen und gegebenenfalls Widerspruch einlegen. Der Einspruch muss innerhalb eines Monats erfolgen. Um die Frist zu wahren, reicht ein kurzes Schreiben (auch per E-Mail) mit dem Hinweis, dass eine ausführliche Begründung noch folgt. Häufige Fehler in Steuerbescheiden sind zum Beispiel, dass die Fahrtkosten bei der Pendlerpauschale nicht richtig anerkannt oder dass die Ausgaben für Handwerkerrechnungen nicht berücksichtigt wurden.

Überprüfen sollten Steuerpflichtige auch, ob die Abzüge für die Betreuungskosten richtig erfolgt sind und ob das Finanzamt die Kapitalerträge korrekt ermittelt hat. Das gilt vor allem für Ruheständler, deren individueller Steuersatz unter 25 Prozent liegt, also unter dem pauschalen Abzug, den die Bank oder der Vermögensverwalter von den Erträgen vorgenommen hat.

Belege müssen übrigens in diesem Jahr erstmals mit der Steuererklärung nicht eingereicht werden. Sie müssen aber dennoch gesammelt und aufbewahrt werden, weil das Finanzamt sie zu Prüfungszwecken anfordern darf.

Im nächsten Jahr bekommen Steuerpflichtige zwei Monate mehr Zeit für die Abgabe der Steuererklärung. Abgabefrist für die Erklärung 2018 ist der 31. Juli 2019.


Wir möchten darauf hinweisen: Jede Situation ist unterschiedlich, daher sollte die individuelle Anwendbarkeit der beschriebenen Steuertipps durch einen Steuerberater geprüft werden.